Arbeitnehmer werden zu Arbeitsanbietern

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Durch die Erwartungen und Forderungen der Gen Y und Gen Z sowie aufgrund des demografischen Wandels wird sich der Arbeitsmarkt verändern. Personaler müssen alte Strategien im Recruiting überdenken.

Was passiert, wenn sich durch den demografischen Wandel Angebot und Nachfrage umkehren, wenn viele Unternehmen um wenige Arbeitskräfte buhlen? Spätestens dann müssen sich Personaler umstellen und sich den Forderungen des Arbeitsmarktes anpassen. Und sie müssen investieren.

Stellen Sie sich vor, wir schrieben das Jahr 2020 – um diese vorgestellten Maßnahmen und Instrumente würden Sie nicht herumkommen.

Mehr bieten

Die neue Generation der Arbeitnehmer (beziehungsweise der Anbieter von Arbeitskraft) erwartet mehr. Sie erwartet Entgegenkommen, Wertschätzung und Sinnerfüllung. Die jungen Köpfe wählen Jobs, in denen sie sich entfalten und mit denen sie sich identifizieren können. Was nicht passt, wird nicht gewählt. Es gibt mehr Arbeitsplätze als Arbeitnehmer. Daher gilt für Unternehmen, sich als besonders attraktiv und als die richtige Wahl darzustellen.

Willkommenskultur und Flexibilität

Wer den passenden Mitarbeiter für sich begeistern will, muss etwas bieten. Die neue Generation sucht auf dem Arbeitsmarkt nicht in erster Linie nach einem hohen Gehalt, sondern nach einer erfüllenden Beschäftigung. Hier lohnt es, Anreize zu schaffen. Denn es gibt garantiert noch andere Arbeitsplätze, die infrage kommen. Wollen Sie einen Mitarbeiter für sich gewinnen, dann investieren Sie breit. Machen Sie ihm attraktive Angebote, beispielsweise

- übernehmen Sie eventuelle Umzugskosten und kümmern Sie sich um die Wohnungssuche

- stellen Sie ein Abonnement des öffentlichen Nahverkehrs zur Verfügung

- organisieren Sie eine Kinderbetreuung

- zahlen Sie einen Willkommensbonus.

Bleiben Sie außerdem in der Arbeitsgestaltung flexibel, kommen Sie den Wünschen Ihres zukünftigen Mitarbeiters, soweit es geht und Sinn macht, entgegen. Ist er mit Ihren Bedingungen nicht einverstanden, stellt er sich schnell woanders vor.

Sicherheit durch Lohnkaution

Gerade bei Start-Ups, aber auch bei kleineren und mittleren Unternehmen, kann es zu Zahlungsschwierigkeiten kommen – nicht zuletzt weil passende Fachkräfte fehlen. Diese Unsicherheit ist für Arbeitnehmer äußerst unattraktiv und für betroffene Unternehmen sinken die Chancen, Fachkräfte anzuziehen.

Ein Lohnkautionskonto bietet Ihnen nicht nur die Möglichkeit, Ihre Mitarbeiter über schwierige Monate hinweg abzusichern, sondern auch, Ihre Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt zu steigern und Mitarbeiter langfristig zu binden. Legen Sie also für neue Mitarbeiter ein verzinstes Konto an und zahlen Sie bis zu drei Monatsgehälter ein. Im Bedarfsfall können die Mitarbeiter auf die Konten zugreifen und sich absichern.

Mehr Wege betreten

Für die Gen Y und die nachgefolgte Gen Z ist das digitale Leben eine Selbstverständlichkeit. Was offline passiert, ist veraltet und damit uncool. Die neuen Arbeitnehmer erwarten einfache und schnelle Methoden im Recruiting – und zwar digital. Außerdem sind nach wie vor Kontakte das A und O. Wer also passende Mitarbeiter gewinnen will, muss nicht nur unterhalten (Recrutainment) und Bewerbungshürden minimieren (zum Beispiel durch zeitversetzte Videointerviews), sondern sollte vor allem auf starke Netzwerke und Empfehlungsrecruiting setzen.

Mitarbeiterempfehlungsprogramme

Bereits in Ihrer Firma haben Sie ein fantastisches Netzwerk, das Sie nutzen sollten. Jeder Ihrer Mitarbeiter kennt jemanden, der jemanden kennt – und das meist mit vergleichbaren Qualifikationen. Wenn Sie eine Stelle besetzen wollen, aktivieren Sie Ihre Mitarbeiter und belohnen Sie eine erfolgreiche Empfehlung mit einem Bonus.

Weiterempfohlene Bewerber rekrutieren

Es gibt Firmen, die auch in Zeiten eines Fachkräftemangels noch genügend Bewerbungen erhalten. Doch nicht alle guten Kandidaten können eingestellt werden. Daher sollten zweit- und drittplatzierte Bewerber Zugang zu einer exklusiven Plattform erhalten, auf der sie ein Profil erstellen und sich allen registrierten Unternehmen präsentieren können. Die Vorteile einer solchen regionalen oder branchenspezifischen Empfehlungsplattform sind klar:

- Sie erhalten Zugang zu Bewerbern, die bereits von anderen Personalern vorausgewählt und als qualifiziert eingeschätzt wurden

- Sie steigern Ihr Arbeitgeberimage, da die Weiterempfehlung guter Kandidaten für Wertschätzung steht und sich schnell herumspricht.

Headhunting-Plattform

Veröffentlichen Sie vakante Stellen auf einer entsprechenden Plattform, schreiben Sie ein „Kopfgeld“ aus und setzen Sie auf die Masse. Jeder User kann geeignete Kandidaten vorschlagen. Mit „Crowd Hiring“ sind Ihre Erfolgschancen, die Stelle mit einem passenden Kandidaten zu besetzen, größer als bei einem klassischen Headhunter, und Ihr finanzieller Aufwand zeigt sich oft sogar geringer.

Social Hiring

Sind Mitarbeiter unzufrieden, schauen sie sich schnell nach neuen Möglichkeiten um. Das geht mit den unzähligen digitalen Möglichkeiten einfacher als gedacht, sogar anonym: Thomas erstellt ein Kurzprofil über sich, seine Fähigkeiten und Erfahrungen. Foto und Namen lässt er dabei aus, da er noch angestellt ist. Er verbreitet sein Profil via Twitter, Facebook, Xing und sämtlichen Netzwerken, bei denen er registriert ist. Seine Freunde und Bekannte tragen sein Profil weiter. Eher früher als später landet es bei einem Personalverantwortlichen, der genau nach Thomas sucht.

Das Ziel für Personalverantwortliche heißt: Netzwerken, Netzwerken, Netzwerken. Die (digitalen) Möglichkeiten, um mit Bewerbern und empfehlenden Personal-Kollegen in Kontakt zu kommen, sind breit. Nutzen Sie sie.

Gastbeitrag von Stefan Wölcken
Stefan Wölcken
Autor
Stefan Wölcken
Online-Redakteur und Blogger
Younect GmbH

Der Geistes- und Rechtswissenschaftler Stefan Wölcken ist Online-Redakteur und Blogger bei der Younect GmbH. Das Berliner Unternehmen entwickelt seit 2007 internetbasierte Produkte für den HR-Bereich. Die Personalexperten um Geschäftsführer Martin Gaedt bieten unter anderem regionale Recruiting-Plattformen, unter anderem für Branchenverbände, Wirtschaftsförderungen und Gemeinden.

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