Elf Regeln für das Teamwork

Teamarbeit lässt sich in fast allen modernen Unternehmen und Behörden heute finden. Aber die Zusammenarbeit in der Gruppe ist nur dann effektiv, wenn bestimmte Regeln beachtet werden. Elf Punkte für erfolgreiches Teamwork.

1. Ein Team sollte nicht zu groß und nicht zu klein sein. Etwa sieben (plus/minus zwei) Teammitglieder scheinen generell sinnvoll zu sein. Es gilt aber stets, dass ein Team immer genau so viele Mitglieder haben sollte, wie es die Aufgabe erfordert.

2. Teams brauchen motivierende Aufgaben. Wie auch für den Einzelnen ist es im Team wichtig, dass die Aufgaben möglichst vielfältig sind, dass man die Aufgaben als bedeutsam erlebt und möglichst ein ganzes „Stück“ herstellt, also das Endprodukt der Teamarbeit auch sehen kann.

3. Teams brauchen Belohnungen. Wenn Teile der Vergütungen variabel sind, sollten die Boni immer auch den Teamerfolg berücksichtigen. Nichts ist fataler als Teamarbeit einzuführen, aber dann nur den Einzelnen für seine individuelle Leistung zu belohnen – dies schafft Unzufriedenheit und Misstrauen.

4. Teams brauchen Teamplayer. Die Auswahl von Teammitgliedern sollte nicht nur nach fachlichen Gesichtspunkten geschehen – Menschen müssen auch die Fähigkeit und den Willen haben, zu kooperieren und sich gegenseitig zu unterstützen.

5. Diversität muss aktiv gemanagt werden. Jedes Team ist divers. Irgendwelche Unterschiede finden sich immer – seien es geschlechts- oder altersgemischte Gruppen oder Unterschiede in kulturellen oder funktionalen Hintergründen. Um aber die Vorteile der Diversität zu nutzen, muss sie aktiv gesteuert werden. Es helfen, gerade bei neu entstehenden Teams, Übungen zum Umgang mit Diversität und vor allem die durch die Führungskräfte vermittelte Überzeugung, dass Diversität gut für den Erfolg ist. Wenn diverse Teams sich in ihrer Unterschiedlichkeit selbst überlassen bleiben, kommt es dagegen schnell zur Gruppenbildung und Konflikten. Wissenschaftlich erwiesen ist der Satz „Gleich und gleich gesellt sich gern“ und nicht „Gegensätze ziehen sich an“.

6. Teams brauchen ein Klima für Innovation. Teammitglieder müssen wissen, dass neue Ideen belohnt werden, dass man sich gegenseitig bei der Umsetzung hilft und dass Fehler toleriert und nicht bestraft werden.

7. Teams müssen reflektieren. Teams, die sich regelmäßig Auszeiten nehmen und über ihre Ziele und Prozesse reflektieren, sind erfolgreicher. Dabei reichen einige Stunden im Jahr, die außerhalb der Arbeitsstätte verbracht werden. Angesichts stets wechselnder Rahmenbedingungen ist es wichtig, gerade auch für gut eingespielte Teams, stets zu überlegen, ob man überhaupt noch das Richtige tut und ob man es nicht immer wieder noch ein wenig besser machen könnte. Dazu gehört auch, dass man gemeinsam Erfolge feiert, aber auch bei Misserfolgen zusammenkommt und aus der Analyse Lehren für die Zukunft zieht.

8. Die Leitung muss klar sein. Es gibt autonome Teams ohne formale Führungskraft, aber auch hier muss klar sein, wer für welche Aufgabe die Verantwortung hat. Studien zu geteilter Führung im Operationssaal und im Flugzeugcockpit haben gezeigt, dass Teams dann effektiver sind, wenn auch die Krankenschwester in bestimmten Situationen die Führung über die Ärzte übernimmt oder der Copilot sagt, wo es lang geht und nicht blind nach der formalen Hierarchie gehandelt wird. Aber wer wann entscheidet, muss stets klar sein.

9. Minderheiten müssen sich entfalten können. Teams profitieren oft gerade von abweichenden Meinungen. Wenn diese ohne Angst zu Wort kommen können und ihre Ideen vorurteilsfrei diskutiert werden, sind die Chancen für echte Innovation gut.

10. Teams brauchen starke Identitäten. Alle Menschen haben das Bedürfnis, sich mit Gruppen zu identifizieren. Dies gelingt umso leichter, wenn Teams eine gemeinsame Geschichte haben, Erfolge feiern können und wissen, wofür sie stehen, also die Werte klar sind. Wenn Teammitglieder sich identifizieren, leisten sie mehr, sind sie zufriedener und unterstützen sich gegenseitig mehr, so dass weniger Stress entsteht – dies zeigen meine eigenen und Studien anderer Kollegen sehr eindeutig. Zum Aufbau einer Teamidentität braucht es aber wieder Freiräume und Investitionen, auch ein Teambuilding kann helfen.

11. Teams sind keine Silos. Schließlich ist wichtig, dass Teams gut mit anderen Teams zusammenarbeiten. Die Teammitglieder sollten daher auch die Strukturen im Unternehmen verstehen und wissen, an welchen Aufgaben gemeinsam mit den anderen Teams gearbeitet wird. Wenn man die übergeordneten Ziele versteht, gelingt auch das Brückenbauen zu den anderen Teams.

Gastbeitrag von Rolf van Dick
Autor
Rolf van Dick
Professor für Sozialpsychologie
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt

Rolf van Dick ist Professor für Sozialpsychologie an der Goethe-Universität Frankfurt und Direktor des Center for Leadership and Behavior in Organizations. Er war tätig an Universitäten in England, den USA, Griechenland und Nepal und hat sieben Bücher und über 150 Artikel und Buchkapitel verfasst.

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