Platzhirsche und ihre Rivalen

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Der HR-Software-Markt für Talent Management ist hart umkämpft und für Kunden alles andere als transparent. Während Global Player sich in den Markt kaufen, punkten andere Anbieter mit Individualität. Ein Überblick.

Die Nachfrage nach Personalwirtschaftssystemen im Bereich Talent Management ist in den letzten drei Jahren rasant gestiegen. Das bestätigt zum einen die aktuelle „SoftTrend Studie HR 2015“ der Hamburger Unternehmensberatung SoftSelect. Der Grund für die steigende Nachfrage: Arbeitgeber möchten sich im verschärfenden Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte behaupten. Personalarbeit mit strategischem und zielgerichtetem Charakter sei für den zukünftigen Unternehmenserfolg von erheblicher Bedeutung. Zum anderen zeigt es auch der Markt: Das Produktangebot und die Anbieterzahl scheint unbegrenzt.

Global Player: SAP SuccessFactors, Oracle und Cornerstone OnDemand

Den steigenden Bedarf an Talent Management Software haben international führende Anbieter schon längst erkannt. SAP übernahm im Jahr 2011 SuccessFactors. Das Unternehmen, bis dahin eigenständig, bietet ein breites Spektrum an Cloud-Lösungen im HR-Bereich an. Speziell für Talent Management deckt deren Software viele Prozesse ab: Recruiting, Onboarding, Lernen, Performance Management, Vergütung sowie Nachfolgeplanung und Entwicklung. Der Fokus liegt dabei ganz klar auf Cloud. Aus Sicht von SAP entwickelt sich der Software-Markt insgesamt auch im HR-Bereich zu einem Cloud-Markt. Nach eigener Aussage hat das Unternehmen in den letzten zwölf Monaten SuccessFactors als die am Markt umfassendste HR – Software as a Service (SaaS) – Plattform ausgebaut. Dies diene als Grundlage für weiteres Wachstum in den kommenden Jahren, wobei SAP kontinuierlich weiter signifikant in den Ausbau investieren möchte.

Daten zu führenden Anbietern liefert der „Magic Quadrant for Talent Management Suites“ von Gartner Inc. Jährlich analysiert das IT-Beratungs- und Marktforschungsunternehmen aus den USA den internationalen Markt für Talent Management-Lösungen. Demnach liegen neben SuccessFactors von SAP auch Cornerstone OnDemand und Oracle hinsichtlich Talent Management-Lösungen ganz weit vorne. Oracle verzeichnet ein rasantes Wachstum an Cloud-Kunden. Mit ihrer entsprechenden Lösung unterstützen sie Unternehmensgrößen von 100 bis hin zu über 100.000 Mitarbeitern. Das Versprechen: Die Cloud-Anwendungen sind für alle Nutzer intuitiv, aussagekräftig sowie immer und überall erreichbar. Und das auf allen Plattformen.

Cornerstone OnDemand bietet ebenfalls cloudbasiertes Talent Management. Die Lösung soll den gesamten Mitarbeiter-Lebenszyklus abbilden. Unternehmen schaffen damit die Voraussetzung für Empowerment und Produktivitätssteigerung, so verspricht es Cornerstone OnDemand. Der Unterschied zu vielen anderen Anbietern: Der Fokus liegt nicht auf den HR-Abteilungen, sondern auf den Mitarbeitern. Die Software, per Webbrowser nutzbar, sei geprägt durch Nutzerfreundlichkeit und -erfahrung, die Nutzer durch gängige Online-Shopping-Lösungen bereits kennen. Der Erfolg spricht für sich: Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Unternehmensgewinn im Jahr 2014 um 42 Prozent an. Cornerstone OnDemand kündigt darüber hinaus an, personell vor allem in Europa weiter aufzustocken und das Marketing- und Vertriebsnetz im deutschsprachigen Raum auszubauen.

umantis Talent Management auf Erfolgskurs

„Der Markt für elektronische Lösungen im Bereich Talent Management konsolidiert sich. Große Software-Firmen kaufen Nischenanbieter, um ihr Portfolio zu erweitern“, meint Klaus P. Stulle, Professor für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Fresenius in Köln. Er selbst hat die Nutzung von Talent Management Software untersucht und beobachtet den Markt seit Jahren. „Verfügt das Unternehmen über ein ERP-System und bedarf es einer Anbindung, dann sind beispielsweise SAP beziehungsweise SuccessFactors oder Oracle die gängige Alternative. Dies ist meistens bei weltweit tätigen Konzernen der Fall. Aber: Wenn die Talent Management Software nicht unbedingt vollständig in die bereits bestehende (HR-)IT-Architektur integriert werden muss, eignen sich viele andere Anbieter möglicherweise besser“, so Stulle. Leider gebe es aber sehr wenig neutrale und objektive Berater auf dem Markt. Die Mehrzahl empfehle schnell einen der großen Anbieter, ohne genau hinzuschauen, was der Kunde eigentlich braucht. Besonders für kleinere und mittlere Unternehmen, die zunehmend auch auf elektronisches Talent Management setzen, seien aber schlanke Lösungen gefordert.

Die Talent Management Software von Haufe kann sich im Vergleich mit internationalen Anbietern durchaus behaupten. Die Kernfunktion von umantis Talent Management ist das Bewerber­management. Aber darüber hinaus unterstützt die Software weitaus mehr: Zielvereinbarungen, Nachfolgemanagement, Netzwerken in Unternehmen sowie die Umsetzungen von Weiterbildungsprogrammen. Haufe gehört zwar nicht zu den ersten drei, aber dennoch zu den Visionären und somit Top-Anbietern der Gartner-Analyse. Das Unternehmen konnte sich vergangenes Jahr noch stärker platzieren als 2013. Die Vorreiter-Position möchte Haufe in den nächsten Jahren weiter für sich beanspruchen. Das primäre Ziel: Den Marktanteil von umantis Talent Management weiter ausbauen. Ein weiteres Unternehmensziel: internationales Wachstum. Erste Schritte auf dem Weg zum Global Player waren die Büroeröffnungen vor gut einem Jahr in San Francisco (USA) und Peking (China).

Workday plant weitere Expansion in Deutschland

Sich auf dem deutschen HR-Software-Markt stärker positionieren – das kündigte Workday Anfang des Jahres an. In Europa ist Workday bereits in mehreren Ländern erfolgreich aktiv. Der weltweite Anbieter von Enterprise-Cloud-Anwendungen für das Finanz- und Personalwesen zählt in Deutschland bereits mehr als 170 Kunden. Workday ist im Vergleich zu anderen Anbietern nicht durch Unternehmenszukäufe gewachsen. Die Gründer starteten im Jahr 2005 auf der grünen Wiese und entwickelten mit moderner Technologie eine durchgehend einheitliche Anwendung. In Europa beschäftigt das Unternehmen mittlerweile circa 500 Mitarbeiter. Workday setzt auf Kundenzufriedenheit: Bei Kundenumfragen erzielten sie in jedem der drei vergangenen Jahre eine Zufriedenheitsrate von 97 Prozent. Bei ihrer Cloud-Lösung Human Capital Management ist neben Personalverwaltung und Abrechnung auch Talent Management ein wesentlicher Bestandteil. Zielvereinbarungen, Leistungsmanagement, Onboarding sowie Karriere- und Entwicklungsplanung sind dabei die Hauptfunktionen. Für die Zukunft im Fokus: Wachstum und weitere Marktexpansion sowie kontinuierliche Produktinnovation.

Eine Talent Management Software besonders für Unternehmen, die sich in einem globalen, komplexen und über viele Standorte verteilten Umfeld mit hohen Compliance-Anforderungen bewegen, das verspricht der Software-Anbieter Lumesse. Vorrangig fallen in diesen Bereich zwar die Branchen wie beispielsweise Finanz- und Bankwesen sowie Pharma. Aber der Anbieter geht auf Kundenbedürfnisse ein und schafft maßgeschneiderte Produkte, die sich für jeden Kunden und jede Branche eignen. Der Gartner-Analyse zufolge gehört Lumesse auch zu den Visionären der Branchen. Eine neue cloud-basierte Standardlösung für das Talent Management, insbesondere für den Mittelstand, bietet seit kurzem Sage an. Ziel der Produktentwicklung: den Personalbeschaffungsprozess, die Weiterentwicklung von Mitarbeitern und das Performance Management in Kunden­unternehmen verbessern. Sage deckt Talent Management bereits mit bestehenden Produkten ab. Neu ist hingegen, dies als SaaS-Lösung anzubieten. So können Kunden die Lösung ohne Installations- und Implementierungsaufwand von jedem internetfähigen Gerät nutzen.

Referenzchecks bei anderen Unternehmen

Anbieter wie beispielsweise MHM HR, Persis oder rexx systems verfügen ebenfalls über vielversprechende Lösungen im Bereich Talent Management. Sie nehmen am Markt ebenso eine führende Rolle ein. Doch alle Anbieter haben letztendlich eins gemeinsam: Sie teilen sich den Markt mit vielen anderen. Das ist bekanntlich gut für den Wettbewerb. Doch aus Kundensicht keine leichte Aufgabe, eine für das eigene Unternehmen passende Software-Lösung zu finden. Zudem klingen viele Werbeversprechen zwar überzeugend, aber durchaus sehr ähnlich: webbasiert, intuitiv bedienbar, transparent.

Erschwerend kommt hinzu: „Alle Anbieter rüsten derzeit marketingmäßig stark auf. Nur leider hält die Lösung dahinter oft nicht das, was dem Kunden versprochen wird. In meinen Augen ist der Reifegrad der Software-Lösungen immer noch erstaunlich niedrig“, findet Stulle. Dies mache aufwendige Anpassungen und schmerzhafte Kompromisse auf Anbieter- und Kundenseite oftmals unvermeidlich. Und: Vor allem amerikanische Anbieter seien anfangs sehr günstig, um Einkäufer und Entscheider zu überzeugen. Aber notwendiges Customizing führe im Nachhinein häufig zu hohen Kosten. Stulle rät daher zu Referenzchecks bei anderen Unternehmen. Diese seien sehr sinnvoll und in der Regel gut durchführbar.

 

Talent Management Software nach Unternehmensgröße

Cornerstone OnDemand: ab 400 Mitarbeiter
Haufe: alle Größen
Lumesse: alle Größen
Oracle: ab 100 Mitarbeiter
Persis: ab 150 Mitarbeiter
rexx systems: ab 400 bis 10.000 Mitarbeiter
Sage: 10 bis 1.000 Mitarbeiter
SuccessFactors: alle Größen
Workday: ab 1.000 Mitarbeiter

von Sven Lechtleitner

Kommentare

Ein sehr oberflächlicher

Ein sehr oberflächlicher Bericht! Wo ist z.B. IBM Kenexa? Wo ist z.B. der Trend der großen Cloud-Anbieter beschrieben, Ihre Suiten für einander zu öffnen (siehe Partnerschaft SAP und IBM im Talent Management). Da greift die Studie wohl ein wenig zu kurz.

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