Richtig mit Stress umgehen

Das Arbeitsleben kann zuweilen stressig sein, keine Frage. Doch wie belastend der Stress ist, hängt auch davon ab, mit welcher inneren Haltung man ihm begegnet. Ein Leitfaden für ein besseres Stressmanagement.

Manager sollen vorausschauend handeln, motivieren, fördern und fordern, Entscheider und Vorbild sein. Ihr Arbeitsalltag ist von sich häufig ändernden Bedingungen, Termin- und Leistungsdruck, Flexibilität und Mobilität geprägt. Was den einen beflügelt, sorgt beim anderen für Stress. Wohl dem, der über mentale Stärke und die Fähigkeit verfügt, mit Veränderungen souverän umgehen zu können.

Stress entsteht zum erheblichen Teil im Kopf
Wie wir mit Stresssituationen umgehen, dazu zählen auch Veränderungen, hängt von unserer inneren Haltung ab. Wer als Führungskraft zum Beispiel Angst vor falschen Entscheidungen hat, erlebt dauerhaft Stress. Gerade beim Bewältigen von Stress kommen Fühlen, Denken, Wahrnehmen und Bewerten (mentale, kognitive Prozesse) große Bedeutung zu.

Wie wir Situationen einschätzen, unsere eigenen Fähigkeiten, Talente, Eigenschaften und Ressourcen beurteilen, beeinflusst, ob es zu Stress kommt oder nicht. Je größer die Angst vor Fehlern oder Konkurrenzsituationen und je bedeutungsvoller die möglichen negativen Konsequenzen, desto größer ist das Gefühl der Bedrohung und damit auch der Stress, der sich dann körperlich  niederschlägt.

Leave it, love it or change it (Henry Ford)
Stress lässt sich unter anderem über Gedanken, Gefühle und Verhalten reduzieren. Es hilft, die eigene Denkweise zu überprüfen, stressverschärfende Gedanken zu erkennen und zu verändern. Besonders in Situationen, die man nicht ändern kann, regen folgende Fragen zur alternativen Bewertung an: Was kann ich in dieser Situation konkret lernen? Was ist das Gute an dieser Situation? Wozu ist das gut? Bei näherer Betrachtung lässt sich in einer vermeintlich überfordernden Situation auch eine Chance erkennen.

Akzeptieren Sie eine unveränderbare Situation und verändern stattdessen Ihre Haltung dazu, nehmen Sie diese nicht mehr nur als reinen Stress wahr, sondern vielleicht als Problemstellung, zu dessen Lösung Sie selbst beitragen können. Reflektion und Selbstreflektion sind Schlüsselqualifikationen, nicht nur bei der Stressbewältigung.

Am Anfang war das Wort
Die Qualität unseres inneren Dialogs, den jeder von uns täglich ungezählte Male mit sich führt – ich nenne ihn auch den inneren Plappermann –, hat einen starken Einfluss auf unser Handeln und Befinden und damit auf unser Leben. Analysieren Sie Ihre Selbstgespräche, die Sie vor, während und nach Stresssituationen führen – und zwar sowohl leichte als auch sehr anspruchsvolle, erfolgreich verlaufene ebenso wie aussichtslose. Studien zeigen, was den erfolgreichen Menschen im Bereich des inneren Dialoges auszeichnet: das Selbstgespräch verläuft konstruktiv, anspornend und handlungsorientiert.

Jene Dialoge, die förderlich für Ihr Handeln waren, können als Inspiration für Ihre sogenannten Affirmationen dienen (Vergleich: Hans Eberspächer, Mentales Training, 2004). Das Wort Affirmation (= positives Selbstgespräch) beinhaltet das lateinische Wort „firmare“, was so viel bedeutet wie „festigen, verankern“. Eine Affirmation ist ein bejahender, bekräftigender Satz, der – oft genug laut oder innerlich wiederholt – Gedanken und Überzeugungen verändert.

Formulieren Sie positive, bejahende, kurze Sätze in der Gegenwartsform, beginnend mit „Ich…“, zum Beispiel: „Ich habe Selbstvertrauen.“ Verwenden Sie keine Affirmation, von der Sie selbst nicht überzeugt sind. Notieren Sie die Sätze auf Haftzetteln, die Sie in Ihrem persönlichen Bereich in Sichtweite platzieren oder speichern Sie sie als Hintergrundbild auf Ihrem Rechner oder Smartphone ab. Je öfter Sie darauf schauen, umso besser speichert Ihr Unterbewusstsein die Botschaft ab. In herausfordernden Situationen können Sie sich mit Hilfe Ihrer Affirmationen selbst bestärken, das steigert die Zuversicht und reduziert den Stress.

Emotionen würdigen statt verdrängen
Negative Emotionen können uns hemmen und blockieren. Es hilft nicht, sie zu verdrängen – dann holen sie uns später umso stärker ein. Besser ist es, negative Emotionen anzuerkennen, zu akzeptieren und zu fühlen: Aus welchen Gründen bin ich so wütend? Was macht mir hier gerade Angst? Haben Sie die Herkunft Ihrer Gefühle erkannt, nehmen Sie ihnen bereits die Macht über Sie. Halten Sie eine „innere Konferenz“ ab und schenken Sie jeder Stimme Redezeit. Ziel der Verhandlung ist eine Entscheidung oder ein Kompromiss: Wie gehe ich mit der Situation am besten um?

Gewinnen Sie Abstand
Machen Sie sich zum Zuschauer, der fern von Emotionen beobachtet und analysiert. Atmen Sie tief und langsam. Tun Sie so, als ob Sie einen Film im Fernsehen anschauen würden. Ebenso hilft es, sich vorzustellen, was ein guter Freund zu der Situation sagen würde. Oder wie würde ein weiser Mensch das Geschehen kommentieren? Wie betrachten Sie die Situation im Rückblick nach fünf Jahren? Durch solche Distanzierungen fällt uns eine Neubewertung der Situation leichter – und das ist häufig auch der Weg aus dem Tal der negativen Emotionen.

Gastbeitrag von Antje Heimsoeth
Antje Heimsoeth
Autorin
Antje Heimsoeth
Autorin und Gesundheitstrainerin

Antje Heimsoeth ist Trainerin und Coach und unter anderem spezialisiert auf Gesundheits- und Mentaltraining. Zudem ist sie Autorin zahlreicher Bücher zu mentalem Training und Selbstmanagement.

Neuen Kommentar schreiben

Bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen auf Netiquette. Wir behalten uns vor, Kommentare, die dagegen verstoßen, werblichen Inhalt enthalten oder den Artikelbezug vermissen lassen, nicht zu veröffentlichen.
Die Kommentare müssen aus technischen Gründen einzeln freigeschaltet werden. Daher kann es zu Verzögerungen kommen, bis diese sichtbar werden.