Sicherheit schlägt Gehalt

Für die Wahl des Arbeitgebers ist den Deutschen offenbar die Sicherheit des Arbeitsplatzes wichtiger als die Höhe des Gehaltes. Das ändert sich aber, wenn es um die Treue zum Unternehmen geht.

Den deutschen Arbeitnehmern ist die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes sehr wichtig. Wenn es um die Frage geht, für welchen Arbeitgeber sich Bewerber entscheiden würden, dann steht die verlässliche Zukunftsprognose als Kriterium noch vor dem Grundgehalt (Platz zwei) und herausfordernden Aufgaben (Platz drei). Dahinter folgen ein hohes Maß an Eigenständigkeit, ein bequem erreichbarer Arbeitsort, der Ruf des Unternehmens und auf Platz sieben schließlich die flexible Arbeitseinteilung, wie die aktuelle Global Workforce Study 2014 der Unternehmensberatung Towers Watson zeigt.

Setzt man diese Ergebnisse in Relation zu der annähernd zeitgleich von Towers Watson erhobenen Talent Management & Rewards Study 2014, so zeigt sich, dass von Unternehmensseite die Gewichtung ein wenig anders liegt. So wird hier die herausfordernde Arbeit als am wichtigsten eingeschätzt. Danach folgen die Arbeitsplatzsicherheit und das Grundgehalt. Erstaunlicherweise spielen laut Studie Eigenständigkeit und bequeme Erreichbarkeit in der Einschätzung der Unternehmen keine Rolle.

Mehr auf einer Linie liegen Arbeitgeber und Arbeitnehmer bei den Faktoren, die für eine bessere Mitarbeiterbindung sorgen. Bei beiden liegen Grundgehalt (Platz eins) und Karrierechancen (Platz zwei) vorn. An dritter Stelle folgt bei den Mitarbeitern die Arbeitsplatzsicherheit, bei den Unternehmen die Beziehung zum direkten Vorgesetzten. Überraschenderweise ist diese bei den Mitarbeitern nicht einmal unter den Top acht.

Grundsätzlich merken die Studienverfasser an, dass in Deutschland die Fluktuationsbereitschaft wächst, auch wenn diese im internationalen Vergleich noch niedrig ist. So beabsichtigen knapp zwei Drittel (60 Prozent), ihrem Arbeitgeber innerhalb der nächsten zwei Jahre treu zu bleiben. Weltweit sind es 46 Prozent. Die Global Workforce Study zeigt zudem einen Zusammenhang zwischen dem Engagement der Mitarbeiter und ihrer Wechselbereitschaft auf.

Sind Mitarbeiter nachhaltig engagiert, so sind 74 Prozent von ihnen bereit zu bleiben, 17 Prozent unentschlossen und nur acht Prozent wollen trotzdem innerhalb von zwei Jahren wechseln. Mitarbeiter, die engagiert sind, aber ausgebremst werden, halten ihrem Unternehmen ebenfalls die Treue. 69 Prozent bleiben, 17 Prozent sind neutral, und 14 Prozent denken an den Wechsel.

Deutlicher wird es bei denjenigen, die Dienst nach Vorschrift leisten. Das Minimalprogramm wollen 53 Prozent auch weiterhin beim selben Arbeitgeber abliefern. Hier sind dann aber schon 27 Prozent unentschlossen und 20 Prozent absprungbereit. Mitarbeiter, die ihr Potenzial ungenutzt sehen, wollen aber auch noch immerhin zu 38 Prozent im Unternehmen bleiben. Neutral zu der Frage nach einem Wechselwunsch innerhalb der Zwei-Jahres-Frist stehen 33 Prozent der Mitarbeiter. 28 Prozent wollen wechseln.

Für die Global Workforce Study 2014 wurden über 32.000 Mitarbeiter in 26 Märkten befragt. In Deutschland waren es 1.000 Mitarbeiter. An der zum Vergleich herangezogenen Talent Management & Rewards Study 2014 nahmen 1.637 Unternehmensvertreter in 31 Märken teil. In Deutschland waren 46 Unternehmen beteiligt. Die Studien sind über Towers Watson erhältlich.

von Sven Pauleweit

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