Unser Kopf als Wegbereiter für Höchstleistungen

Unsere Arbeitswelt hat sich verändert. Innere Stabilität, Spaß und Freude an der Tätigkeit, der Glaube an die eigenen Fähigkeiten und Selbstbewusstsein sind in einer Welt des schnellen Wandels gefragter denn je.

Michael Spitzbart, Verfechter der sanften Medizin und Experte für Stressbewältigung im Management, nennt es das Leben mit Servolenkung, andere, wie der ungarisch-amerikanische Psychologe Mihály Csíkszentmihályi, bezeichnen es als Flow. Gemeint ist der Zustand, in dem uns alles leicht von der Hand geht, weil wir völlig in dem aufgehen, was wir tun. Ein Zustand, den wir erreichen, weil wir an uns glauben, mit Begeisterung bei der Sache sind und dadurch vollen Zugang zu unseren Ressourcen haben. Mentale und emotionale Stärke sind Schlüsselfaktoren dafür.

Gerade Führungskräfte stehen unter einem enormen Termin- und Leistungsdruck, begleitet von der Angst, falsche Entscheidungen zu treffen. In ihrer Rolle sind gleichermaßen Selbstführungs- als auch Führungskompetenzen nötig. Doch woher das nehmen, was leicht gesagt und mitunter schwer zu leben ist? Eine buddhistische Weisheit sagt: „Wir sind, was wir denken. Alles, was wir sind, entspringt der Gedankenwelt. Mit unseren Gedanken erschaffen wir die Welt.“ Unsere innere Haltung ist der Kompass, der unseren Weg bestimmt. Sie ist der Ursprung unseres Denken, Fühlens und Handelns. Unser mentaler Zustand entscheidet letztlich darüber, wie kompetent wir uns und andere führen – und ob wir im Fluss sind, mit dem was wir tun.

Stärken Sie Ihre Stärken

Je besser wir uns selbst und unsere Stärken kennen und uns unseres Selbstwertes bewusst sind, desto weniger geraten wir unter Druck und Stress. Selbstvertrauen räumt Zweifel aus. Notieren Sie sich Ihre Ressourcen, positiven Eigenschaften, Talente, Fertigkeiten und Fähigkeiten, über die Sie verfügen.

Welche Fähigkeiten, Stärken, Talente, Gaben, Kompetenzen, Ressourcen, welche tollen Anlagen und Eigenschaften zeichnen Sie aus? Was haben Sie schon alles erreicht? Welche Erfolge konnten Sie schon feiern? Was können Sie besonders gut? Was machen Sie besonders gerne? Woran haben Sie Freude? Was machen Sie mit Begeisterung und Leidenschaft? Was fiel Ihnen schon als Kind leicht? Wofür bewundern oder beneiden Sie andere? Wofür bekommen Sie Komplimente, Lob oder Bewunderung von anderen? In welchen Fächern waren Sie in der Schule gut? Was hilft Ihnen besonders bei der Lösung von Aufgaben? Zu welchen Themen werden Sie öfter um Rat gefragt? Welche Charaktereigenschaften und Stärken schätzen andere an Ihnen besonders?

Stärkenanalyse

1. Schritt: Benennen Sie mindestens 15 Stärken beispielsweise in der Führung, im Umgang mit Mitmenschen, im Umgang mit sich selbst, Fähigkeiten oder Eigenschaften, die Ihnen helfen, mit Aufgaben, Menschen und Situationen gut umzugehen.

Tipp: Wenn Sie sich schwer tun, diese Fragen zu beantworten, fragen Sie Freunde, die eigenen Kinder, Ihren Chef, Kollegen, Bekannte, den Lebenspartner, einen vertrauten Menschen, welche Fähigkeiten er an Ihnen schätzt. Das führt häufig zu Aha‐Erlebnissen. Das liegt daran, dass Mitmenschen oft Stärken in einem erkennen, die einem selbst gar nicht bewusst sind.

2. Schritt: Zu wie viel Prozent leben Sie in der letzten Zeit Ihre Stärke X? Was wäre Ihr Wunschwert?

Fragen bei hoher Bewertung:
Wodurch wurde der hohe Wert der Stärke bewirkt? Was werden Sie künftig tun, damit der Wert Ihrer Stärke auf dieser Höhe bleibt oder sogar noch steigt? Denn Ihre Stärken gilt es zu erhalten und zu verstärken.

Fragen bei niedriger Bewertung:
Was wäre für Sie eine Verbesserung, also ein Wert, von dem Sie sagen: „Der Wert dieser Stärke ist ok.“? Was genau müsste geschehen, damit Sie diesen Wert erreichen? Was werden Sie künftig tun, damit Sie sich Ihrem Wunschwert annähern?

3. Schritt: Umsetzung der Stärken
Wie können Sie Ihre Stärken im Beruf und Alltag konkret ein‐ und umsetzen? Geht das in Ihrem aktuellen Umfeld? Wie müssten Sie Ihr Umfeld (privat, Arbeit, Sport et cetera) gestalten, damit Sie Ihre Stärken einsetzen können?

Die schriftliche Dokumentation dieser Arbeit unterstützt diesen Prozess nachhaltig. Als Führungskraft können Sie diese Übung auch bei Mitarbeitern anwenden: Welche Stärken haben Ihre Teammitglieder? Interessant ist der Abgleich von Selbst- und Fremdbild. Wo die Einschätzungen stark voneinander abweichen, herrscht der größte Bedarf des Bewusstwerdens.

Programmieren Sie Ihren Kopf wie einen Computer

Energie folgt den Gedanken. Unser Unterbewusstsein funktioniert wie die Festplatte eines Computers: Gedanken, Worte und Bilder sind dort wie ein Programm abgespeichert. Diese Bio-Festplatte akzeptiert jede Information, die es erhält. Einzig unser Verstand entscheidet, was er glaubt und was nicht – je nach bereits einprogrammierten Lebenserfahrungen. Wenn er etwas für wahr hält, selbst wenn es falsch ist, wird das Unterbewusstsein das als wahr akzeptieren und entsprechende Handlungen veranlassen. Daher ist es wichtig, genau darauf zu achten, womit wir unseren Kopf füttern. Eingespeiste unterstützende Programme helfen nicht nur beim Meistern von Herausforderungen, sondern auch beim Analysieren von Situationen, beim Betrachten von anderen oder beim Umgang mit Scheitern.

  • Betreiben Sie Gedankenhygiene. Stoppen Sie wiederkehrende negative Gedanken; Formulieren Sie negative Gedanken und Worte in positive Gedanken um.
  • Führen Sie bewusst positive Selbstgespräche (Affirmationen). Formulieren Sie kurze Ich-Sätze in der Gegenwart mit positiven Aussagen und wiederholen Sie diese regelmäßig.
  • Stellen Sie sich ihr Ziel so oft wie möglich vor ihrem geistigen Auge vor (Kopfkino).
  • Visualisieren Sie Ihre Ziele mit einer Zielcollage. Dazu werden aus Zeitschriften spontan zum Ziel passende Bilder ausgewählt und intuitiv auf ein großes Blatt geklebt. Lassen Sie eine Vertrauensperson Feedback dazu geben.
  • Erinnern Sie sich an ein Erfolgserlebnis. Stellen Sie sich dieses so lebendig wie möglich vor. Konzentrieren Sie sich dabei auf die Emotionen, die die Erinnerung bei Ihnen hervorruft.

Nutzen Sie die Macht Ihrer Vorstellungskraft

Geistige Bilder beeinflussen das Unterbewusstsein, aktivieren Erlebnisnetzwerke im Gehirn und funktionieren wie eine selbsterfüllende Prophezeiung. Visualisieren Sie Ihr nächstes Ziel als Erfolgsstory – wie ein Marathonläufer, der im Geiste bereits über den Roten Teppich am Frankfurter Römer läuft. Die Bilder werden Teil der mentalen Software. Denn Imagination wirkt strukturbildend im Gehirn – mit guten wie mit schlechten Bildern. Unsere bewussten und unbewussten Vorstellungen haben erhebliche Konsequenzen für unser Verhalten, unser Selbstvertrauen, unsere Gefühle, unser Wohlbefinden, unser Handeln und unsere innere Einstellung.

Werden Sie zum Regisseur Ihres inneren Blockbusters:

  • Nehmen Sie sich Zeit und Ruhe für Ihre Visualisierungsübung.
  • Stellen Sie sich so viele Details wie möglich vor, beziehen Sie Gefühle in die Vorstellung mit ein.
  • Je mehr Sinne Sie beim Visualisieren aktivieren, umso effektiver ist die Übung.

Wer mentale Techniken zu nutzen weiß, gewinnt unweigerlich an Führungskompetenz – sich selbst und anderen gegenüber. Und betrachtet Wandel eher als willkommene Herausforderung denn als Last.

Gastbeitrag von Antje Heimsoeth
Foto: Privat
Antje Heimsoeth
Gründerin
Heimsoeth Academy

Antje Heimsoeth ist Mental Coach und Motivationstrainerin und Gründerin der Heimsoeth Academy, ein Institut für Selbstführung, Mentale Stärke und Motivation. Nach ihrem Geodäsiestudium arbeitete Heimsoeth 13 Jahre als Vermessungsingenieurin und Führungskraft.

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