Werden Sie Recruiting-Charmeur

Personalmarketing und Employer Branding werden gerne mit aufwändigen Kampagnen, langwierigen Projekten und teuren Beratern assoziiert. Das muss nicht sein. Mit ganz kleinen Maßnahmen, viele davon (fast) kostenlos, kann die Arbeitgebermarke geschärft werden. Hier gibt es drei Tipps ganz einfach zum Mitnehmen, echte „to go’s“ halt.

1. Werden Sie ein Recruiting-Charmeur

Tja, wer um die Bewerberin oder den Bewerber seines Herzens buhlen will, darf sich schon ein bisschen ins Zeug legen. Der erste Eindruck zählt auch im Personalmarketing – manche Texte lesen sich etwa so erfrischend wie Mundgeruch beim ersten Date. Kürzlich las ich in einem Inserat: „Passen Sie in dieses Profil?“. Okay, nicht böse gemeint und ja, es gibt schlimmere Texte. Aber warum nicht so? „Können Sie sich für diese neue berufliche Herausforderung begeistern?“ Oder: „Haben wir Sie neugierig gemacht?“ Oder vielleicht sogar (für die ganz Frechmutigen): „Was meinen Sie, finden wir zusammen?“ Klingt doch schon mal ziemlich anders, oder?

So ein Recruiting-Charmeur ist Urs Engelberger von der Baloise Versicherung. Wenn er in einem Hotel, einem Geschäft oder wo auch immer einer Person mit einer ausgesprochen positiven Ausstrahlung und ganz viel Verkaufstalent begegnet, überrascht er die Person mit einem Kompliment und einem Dankeschön – unterstrichen mit einer auffälligen „Visitenkarte“. Diese lädt die Beschenkten im wahrsten Sinne zu einer Visite ein, nämlich auf Engelbergers eigens zu diesem Zweck erstellten Landingpage im Web. Dort lüftet er das Geheimnis und erklärt, wer er ist und welche Stellen er zu besetzen hat. Mit durschlagendem Erfolg, auch bei Beratungstalenten, die sich aktuell (noch) nicht beruflich verändern wollen.


Die Visitenkarte Urs Engelbergers, Foto: Jörg Buckmann

2. Werden Sie persönlich

Dieses „to go“ könnte gut und gerne auch „Werben Sie persönlich“ lauten. Würde auch wunderbar passen. Worum geht es? So sehr mich manchmal Regeln und Verbote nerven, es gibt ein Verbot, nach dem ich mich in der Personalwerbung herbeisehne: Das Verbot für Stockbilder in Personalmarketing und Employer Branding. Es ist fast schon unerträglich, die immer gleichen Bilder als Symbole für Teamarbeit oder was auch immer anschauen zu müssen. Diese gegelten, sonnenstudiogebräunten Gestalten mit gebleachten Zähnen und einer Fotoshop-Komplettretusche versehenen Figuren, konsequent „tschändergerecht“ zusammengestellt: Männlein, Weiblein, eine dunkelhäutige Frau und der Quotenchinese darf auch nicht fehlen. Aufhören damit. Zeigen Sie richtige Menschen, richtige Teams: Ihre! Damit holen Sie sich garantiert Extra-Sympathiepunkte für Ihre Arbeitgebermarke. Fotos sind aufwändig und teuer? Nette Ausrede. Die machen Sie mit wenig Aufwand selbst, mit Ihrem Smartphone. Das Kinderspital Zürich und Siemens Schweiz (und ganz viele andere mehr) werben schon heute persönlich – echt sympa, oder?

3. Lassen Sie sich inspirieren

In Personalmarketing und Employer Branding gibt es schon viele gute Ideen, die in der Praxis funktionieren. Das ist ganz wunderbar, auch für Sie, denn so brauchen Sie nicht alles neu zu erfinden. Veranstaltungen, Webinare oder Magazine wie dieses sind voll von interessanten Praxisbeispielen. Die guten Ideen werden Ihnen sozusagen häppchenweise auf dem Silbertablett serviert. Jetzt müssen Sie nur noch zupacken und die Idee für Ihr Unternehmen passend machen, sie adaptieren. Verstanden haben das die Verantwortlichen der Bäckerei Junge.

Das Traditionsunternehmen beschäftigt in 170 Verkaufsgeschäften 3.000 Mitarbeitende. An einem Vortrag in Hamburg liess sich Marketingleiterin Sabine Quaritsch von einer Rekrutierungskampagne der Verkehrsbetriebe Zürich für Quereinsteigerinnnen inspirieren. Die Idee wurde flugs angepasst und im Norden Deutschlands in einer sympathischen Variante der Ursprungsidee ausgerollt. „Bäckerei sucht Frisöre. Verdienen Sie Ihre Brötchen doch einmal anders.“ Großartig! Genau so soll es sein: Klauen nein. Sich inspirieren lassen, ja.

Gastbeitrag von Jörg Buckmann
Jörg Buckmann, Foto: Privat
Autor
Jörg Buckmann
Selbstständiger Berater für Marketing und Kommunikation
Buckmann gewinnt

Jörg Buckmann ist selbstständiger Berater für Marketing und Kommunikation in HR, Frechmut-Aktivist und Autor. Zuletzt erschienen ist von ihm „Personalmarketing to go“. Zuvor hat er über Jahre hinweg als Personalchef die HR-Agenden der Verkehrsbetriebe Zürich geprägt.

Foto: Springer Gabler Verlag
Das Buch
Jörg Buckmann
Personalmarketing to go
Springer Gabler

Seit kurzem ist auch Jörg Buckmanns neuestes Buch erhältlich: "Personalmarketing to go. Frechmutige Inspirationen für Recruiting und Employer Branding". Erschienen ist es bei Springer Gabler.

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