„Klarheit und Eindeutigkeit sind der neue Markenkern von HR“

In eigener Sache

Herr Dr. Bussemer, Frau Schlomann, Sie sind neben Ihrer beruflichen HR-Verantwortung und Ihrem Ehrenamt im BPM-Präsidium mit Ihrer Expertise und großem Engagement Triebfedern in der inhaltlichen Gestaltung des Personalmanagementkongresses. Dieser steht in diesem Jahr unter dem Motto Klarheit. Wobei diese tendenziell in der derzeitigen Komplexität in Unternehmen verloren zu gehen scheint. Viele Unternehmen erleben Transformation inzwischen nicht mehr als Projekt, sondern als Dauerzustand. Wo braucht HR aus Ihrer Sicht heute dringend mehr Klarheit?

Dr. Thymian Bussemer: Rudolf Augstein hat einmal gefordert: ‚Sagen, was ist.‘ Das trifft die derzeitige Situation sehr gut. Die Mitarbeitenden wissen an vielen Stellen sehr gut, wie schwierig die Lage ihrer Unternehmen ist. Führungskräfte sollten den Mut zu Klarheit und Wahrheit haben. Es ist besser, die Situation einmal schonungslos zu analysieren und die Konsequenzen aufzuzeigen, als notwendige Mitteilungen über Monate zu verschleppen. Meine Erfahrung zeigt mir, dass sich HR oft in den Driver Seat setzen muss, damit diese Kommunikationen auch in der nötigen Offenheit stattfinden.

Carolin Schlomann: Orientierung und Klarheit beginnt in der Strategie, die jedoch zu oft nur ein theoretisches Papier bleibt, anstatt für die Mitarbeitenden alltagstauglich und anwendbar übersetzt zu werden. Um ihre Wirkung zu entfalten, sollte Führung daher eine Strategie ohne Brüche in Strukturen und in dynamische gelebte Verantwortung überführen, sie sollte entwirren, anstatt zu verwalten und sichtbare Entscheidungswege ermöglichen. Dazu gehört eine direkte, wertschätzende Kommunikation ohne Verschleierung. Wenn Mitarbeitende den Wert ihres Beitrags verstehen, dann ist Transformation erfolgreich.

Wenn Budgets knapper werden, Regulatorik zunimmt und Restrukturierung zum Alltag gehört: Wie kann HR verhindern, nur noch zu reagieren – und stattdessen selbstbewusst Gestaltungsspielräume definieren?

Dr. Thymian Bussemer: HR muss selbst priorisieren und für die eigene Funktion Klarheit darüber herstellen, was wirklich wichtig ist. Personalarbeit muss nicht in allen Segmenten Premium sein. Es bedarf eines klaren Verständnisses dafür, welche HR-Angebote wettbewerbsdifferenzierend sind. Diese müssen dann mit den nötigen Ressourcen unterlegt werden. Der Rest ist Commodity oder Shared Service und kann auch als Leistung zugekauft werden. Klarheit über die Bedeutung des eigenen Produktportfolios steht damit ganz am Anfang.

Carolin Schlomann: Wenn sich das Leistungs- und Produktportfolio von HR am Business orientiert, dies qualitativ hochwertig umgesetzt und vom Business sehr gut verstanden wird, reduziert dies die erste Diskussion über den Kostendruck, der Mehrwert ist offensichtlich. Eindeutige Rollenprofile und – Zuschnitte sowie stringente Prozesse innerhalb von HR erhöhen die Geschwindigkeit und Quantität in der Umsetzung. So schafft HR sich Freiheiten, auch Gestaltungsspielräume zu nutzen.

Über die Gesprächspartner:
Carolin Schlomann und Dr. Thymian Bussemer sind Vizepräsidenten des Bundesverbands der Personalmanager*innen.

HR spricht seit Jahren über strategische Relevanz. Welche Kennzahlen oder Entscheidungsgrundlagen braucht es jetzt, damit People-Themen im Vorstand nicht als weiche Faktoren, sondern als harte Steuerungsgrößen verstanden werden?

Dr. Thymian Bussemer: HR braucht Klarheit und Eindeutigkeit bei den leitenden KPIs. Eine einmal implementiere Definition muss auch durchgehalten und dauerhaft appliziert werden. Die Personalerinnen und Personaler sollten klar sagen, was für sie ‚in scope‘ und was ‚out of scope‘ ist. Die Finanzabteilung hat damit nie Probleme, HR verliert oft durch zu viel selbstkritische Reflexion  den Fokus.

Carolin Schlomann: Es braucht dazu eine Steuerung über Wirkung und Wertschöpfung. Was der Vorstand braucht, sind keine Stimmungsbilder, sondern klare, belastbare Zusammenhänge zwischen People und Performance: Wie beeinflussen Skills, Führung und Engagement konkret Umsatz, Produktivität und Wachstum? Was kosten Vakanz, Fluktuation, Fehlzeiten oder Fehlbesetzungen? Wofür steht diese Organisation? Was unterscheidet uns vom Wettbewerb und welche „Marke“ HR passt zu uns?

CSRD, Entgelttransparenz, Datenschutz, KI-Verordnung: Viele neue Anforderungen landen auch bei HR. Wie gelingt es, aus regulatorischer Komplexität klare Prozesse, Prioritäten und Verantwortlichkeiten zu machen – ohne die Organisation zusätzlich zu überlasten?

Dr. Thymian Bussemer: Zur Klarheit gehört auch, dass wir anerkennen, dass unsere Arbeit heute maßgeblich durch regulatorische Faktoren bestimmt wird. Insofern ist Selbsterkenntnis ein wichtiger Teil der Wahrheit.

Carolin Schlomann: Der Schlüssel ist, diese Komplexität durchzustrukturieren und anzuerkennen. Welche Anforderung ist auch hilfreich und welches Risiko gibt es, Anforderungen schlank auszugestalten? Wie lässt sich Regulatorik nicht als Zusatzprogramm, sondern in bestehende HR- und Business-Prozesse einbauen? Meine Antwort ist Fokus – nicht alles gleichzeitig perfekt lösen.

Welche unbequeme Frage müsste sich HR selbst stellen, um den eigenen Mehrwert künftig klarer, mutiger und wirksamer zu zeigen?

Dr. Thymian Bussemer: HR ist lange die Königsdisziplin des ‚sowohl als auch‘ gewesen. In der aktuellen Lage geht das nicht mehr. Klarheit und Eindeutigkeit sind der neue Markenkern von HR. Das wollen wir auf dem Personalmanagementkongress 2026 zeigen!

Carolin Schlomann: Geben wir Impulse für die Zukunft – haben wir eine HR, die Orientierung, Energie und Passion ins System bringt, Haltung zeigt und Mut macht? Setzen wir diese Themen nachhaltig und sichtbar um? Was davon zeigt sich in der Rückschau in fünf Jahren?

Vielen Dank für das Gespräch und Ihr Engagement für den Personalmanagementkongress!

Über den Personalmanagementkongress:
Der Personalmanagementkongress 2026 trägt das Motto Klarheit. Wo Veränderung Alltag ist, wird Klarheit Kernkompetenz für Personalerinnen und Personaler – um in einer sich rasant verändernden Welt handlungsfähig zu bleiben, Komplexität zu ordnen, Ressourcen zu fokussieren und Entscheidungen mit Rückgrat zu treffen. Wenn Märkte sich drehen und Technologien sich überschlagen, braucht es klare Rollen, Ziele und KPIs. Diskutieren Sie mit darüber, wie aus Klarheit Strategie, Struktur und Wirkung werden. Jetzt eins der letzten Tickets sichern und am 25. und 26. Juni im bcc Berlin oder digital dabei sein. Hier geht es zum Programm und zur Anmeldung.

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Porträt eines Mannes mit blonden Haaren, in Anzug und Hemd, vor neutralem Hintergrund.

Frederik Nyga

Frederik Nyga ist Herausgeber des Human Resources Manager Magazin und Compliance Manager Magazin.  Er beschäftigt sich mit den Themen Ökonomie und Business Integrity, Corporate Governance, Compliance und Unternehmenskultur.  Darüber hinaus ist er in der Produkt- und Geschäftsentwicklung für Quadriga Media tätig und verantwortet unter anderem Veranstaltungen und Weiterbildungsformate innerhalb der HR- und der Compliance Community.    

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