In unserer offenen Reihe stellen wir KI-Best Cases aus dem HR-Bereich vor. Diesmal erläutert Stefanie Köhler, People & Culture Managerin bei der Digitalagentur Mediaman, wie interne Barcamps beim Einstieg in KI unterstützen und vorhandenes Wissen im Unternehmen sichtbar machen.
8:30 Uhr an einem Dienstagmorgen. Mitarbeitende der Digitalagentur Mediaman stehen im Foyer, trinken Kaffee und kommen ins Gespräch. Einige sind regelmäßig im Büro, andere sind für diesen Tag angereist. Es ist Barcamp-Tag.
Bevor die ersten Sessions starten, erklären die Moderatoren den Ablauf. Erfahrene Teilnehmende wissen bereits: Heute geht es nicht um perfekte Vorträge, sondern um Austausch, Fragen und gemeinsames Lernen.
Barcamps, intern auch „Open Space Barcamps“ genannt, werden bei Mediaman zweimal im Jahr abgehalten.
Was sind Barcamps?
Barcamps sind offene Lern- und Austauschformate ohne feste Agenda. Teilnehmende bringen eigene Themen ein, bieten Sessions an oder schließen sich Diskussionen an. Der Fokus liegt auf Austausch und gemeinsamem Lernen – nicht auf Vorträgen.
KI-Kompetenzen gemeinsam aufbauen
In den letzten Jahren wurde mit konkreten Schwerpunkten für die Barcamps experimentiert, so gab es auch mehrere Barcamps mit KI-Schwerpunkt. Für das People & Culture Team und die Geschäftsführung war klar zu beobachten, dass einige Mitarbeitende bereits sehr intensiv mit KI-Tools arbeiten, während andere noch zögerten. Damit sich diese Lücke nicht vergrößert und KI als fester strategischer Bestandteil etabliert werden kann, schuf Mediaman mit dem KI-Barcamp einen gemeinsamen Rahmen.
„KI lernt man nicht in der Theorie. In den Barcamps experimentieren Mitarbeitende gemeinsam, tauschen Erfahrungen aus – und merken dabei oft erst, wie viel Wissen im Team schon vorhanden ist.“
Stefanie Köhler, People & Culture Managerin, Mediaman
In der ersten KI-Edition ging es um das Experimentieren mit verschiedenen Tools. Die Teilnehmenden testeten Tools, tauschten sich über aufgabenspezifische Anbieter aus und sprachen über KI-Ethik.
Bei den folgenden Barcamps mit KI-Schwerpunkt ging es um konkrete Anwendungsfälle und Diskussionen – daraus kristallisierte sich eine neue Produktidee heraus. So entwickelte das Team ein Konzept für einen KI-gestützten „AI-Trainer“ mit 3D-Visualisierung, der heute für einen Kunden aus der Automobilbranche umgesetzt wird.
In einer möglichen Anwendung können Nutzerinnen im Dialog beispielsweise ein passendes Auto auswählen: Sie beschreiben, was sie brauchen – das System schlägt passende Modelle vor und erklärt Unterschiede, etwa bei Kofferraum, Verbrauch oder Antrieb.
Wenig Aufwand, viel Wissen
People & Culture stößt die Barcamps an und verantwortet die Organisation. Wer teamübergreifend Lust hat, unterstützt beispielsweise bei der Moderation. Den Rest übernehmen die Mitarbeitenden von Mediaman selbst. Am Barcamp nehmen Kolleginnen und Kollegen der gesamten Agentur teil.
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Die Agenda der Themen wird von den Mitarbeitenden gestaltet. People & Culture kündigt den Termin intern frühzeitig an. Im Büro hängt eine „Post-it-Wand“. Wer eine Idee hat, klebt sie dazu. So sehen andere sofort, was geplant ist und können sich anschließen oder gemeinsam eine Session bauen. Für die Kolleginnen und Kollegen, die remote arbeiten, wird regelmäßig ein Foto davon gepostet. Per Nachricht können Themen ergänzt werden.
Reflektion und Wirkung im Alltag
Im Barcamp kommt die Belegschaft nach den Sessions nachmittags wieder zusammen. Dann reflektieren alle: Was nehme ich mit? Was will ich in den nächsten zwei Wochen ausprobieren?
Zahlen oder feste KPIs setzt Mediaman bisher nicht. Entscheidend ist: Wissen zirkuliert stärker, Hemmschwellen sinken, und Mitarbeitende teilen Tools und Erfahrungen häufiger – auch außerhalb der Barcamps. Die Neugier für das Thema KI sei seit den Barcamps enorm gewachsen, es entstehe ein reger Austausch in der Belegschaft. Aus unternehmerischer Perspektive sei es am wertvollsten, dass die Themen auch bei Kunden platziert werden können. Durch die Barcamps entstanden neue KI-Projekte, kundenspezifische Ideen und Prozessoptimierungen wurden vorangetrieben.
Learnings für HR
- KI-Kompetenz entsteht durch Anwendung im Arbeitskontext:
Das KI-Barcamp zeigt, dass Mitarbeitende KI schneller verstehen und nutzen, wenn sie Tools an eigenen Aufgaben ausprobieren und Erfahrungen teilen. - Unterschiedliche KI-Reifegrade lassen sich über offene Formate besser ausgleichen:
In den KI-Barcamps treffen Einsteiger und erfahrene Anwenderinnen aufeinander. Dadurch wird Wissen nicht top-down vermittelt, sondern im Team verteilt. - KI-Wissen im Unternehmen ist oft vorhanden, aber unsichtbar:
Das KI-Barcamp macht bestehende Erfahrungen sichtbar. Für People & Culture entsteht so ein realistisches Bild davon, welche KI-Kompetenzen bereits existieren und wer als interne Ansprechperson infrage kommt. - Niedrigschwellige KI-Formate senken Hemmschwellen: Gerade bei KI ist die Angst, „nicht genug zu wissen“, hoch. Offene Barcamps nehmen diesen Druck, weil Neugier und Austausch im Vordergrund stehen.
- KI-Lernformate müssen Anschluss ermöglichen, um Wirkung zu entfalten
Entscheidend sind Folgegespräche, Tool-Demos oder Sparring, in denen KI-Anwendungen weiterentwickelt werden.
