Wenn im Zusammenhang mit der Personalfunktion von „Support“ die Rede ist, dann nicken die einen zustimmend, während die anderen mit den Augen rollen. Ich finde, wir müssen als Personaler den Anspruch haben, den Einzelnen und damit die Organisation insgesamt so zu befähigen, dass es einen positiven Unterschied macht. Meine englischen Kollegen haben die dafür passende Formulierung, wenn sie sagen, dass wir Personaler „responsible to our organisation and its leader“, aber nicht „responsible for them“ sind. Aus dieser Perspektive stellt sich die wertende Frage nicht, ob „supportive“ zu sein, also unterstützend, sich in einer quasi untergeordneten Hilfstätigkeit erschöpft. Wir dienen der Organisation, indem wir sie individuell und kollektiv befähigen, mit der Vielzahl der Herausforderungen, Einflussfaktoren und Dynamiken umzugehen. Gelingt uns das, sind Einzelne und Abteilungen in der Lage, komplizierte von komplexen Herausforderungen zu unterscheiden und mit der jeweils erforderlichen Problemlösungsmethodik zu reagieren.
Dabei erfährt der Leistungsempfänger eine direkte, analoge Dienstleistung oder Hilfestellung. Mitarbeitende des Center of Excellence (CoE) haben in der Regel keinen Kontakt zum internen Mitarbeitenden, und heutzutage, wo Employee Self Services weiter auf dem Vormarsch sind, wird auch der Kontakt des einzelnen Mitarbeitenden eines Shared Service Centers (SSC) zu seiner Klientel weniger.
Daher interpretiere ich dieses Postulat als den eigenen Anspruch, in der eigenen Organisation mit dafür Sorge tragen zu wollen, dass das Menschliche nicht einer reinen nutzenmaximierenden Rationalität zum Opfer fällt. Wir wollen Wächter („Steward“) der gelebten Unternehmenskultur sein. Wir sorgen für ein zeitnahes, substantielles individuelles Feedback an interne und externe Bewerber in Auswahlprozessen, um die vielfach propagierte „Augenhöhe“ einzulösen. Wir stellen sicher, dass schwierige Entscheidungen etwaig hart, aber fair und mit Respekt umgesetzt werden. Und wir fordern im Rahmen von Inklusion Chancen und eine Haltung ein, auch wenn uns der Wind dafür ins Gesicht bläst. Auch Personaler (m/w/d) sind der Ansicht, dass für „weiche Personalthemen“ jetzt keine Zeit sei. Umso besser, wenn diese Meinung nicht geteilt wird.
Supportleistung Inklusion
Und vielleicht ist dieses Beispiel ein Ansporn, mit Mut und Zuversicht zu agieren – gerade jetzt! Gefordert ist eine Haltung, die sich im Handeln äußert. Ohne einen Vorteil oder eine Gegenleistung zu erwarten. Ein Tun, das vielleicht keiner sieht, das möglicherweise belächelt wird und dennoch etwas bewirkt. Ein freiwilliger Verzicht ohne „Whataboutism“, sondern weil die Fakten, die eigene Ratio und der Maßstab, an dem man sich misst, es quasi von einem selbst einfordern. Ein Widersprechen oder Protestieren, weil ein Schweigen einem „sich verhalten“ gleichkommt und schlimmstenfalls als Billigung oder Zustimmung gewertet wird. Support als ein Bekenntnis, aktiv für das, was als moralisch richtig empfunden wird, einzustehen und dafür zu kämpfen. Wann warst du zuletzt ein Supporter?
Dieser Beitrag erschien zuerst in der gedruckten Ausgabe Support. Das Heft können Sie hier bestellen.

