Motivation

Editorial

Viele Fragen zum Leben

Wer sich mit Motivation beschäftigt, der muss auch über das Leben und die Menschen nachdenken. Und somit tauchen da zwangsläufig große Fragen auf. Was treibt uns an? Was ist uns wichtig? Spielt materielle Sicherheit eine große Rolle in unserem Leben? Oder lieben wir das Risiko? Was motiviert uns, jeden Morgen aufzustehen? Wie wertvoll sind die Kontakte zu anderen Menschen? Was bedeuten uns Freunde und Familie? Wofür arbeiten wir? Wofür leben wir?

Der Mensch braucht eine oder mehrere Aufgaben im Leben. Ohne geht es nicht. Gut, wenn es Aufgaben sind, die für uns einen Wert haben,die wir vielleicht sogar als sinnvoll betrachten und die uns Freude bereiten.

Der Philosoph Karl Popper sagte mal: „Ich glaube, wir könnten das Leben nicht wirklich schätzen, wenn es immer weitergehen würde.“ Gerade weil das Leben also vergänglich ist, bezieht es seinen Wert. Wir sollten gut überlegen, wie wir diese begrenzte Zeit nutzen.

Was hat das mit Arbeitsmotivation zu tun? Viel. „Arbeit“ und „das sonstige Leben“ lassen sich für die meisten Menschen heutzutage nicht mehr trennen. Nur zur Arbeit schleppen wegen des Geldes und dann mit 55 und einem kaputten Rücken in die Frühverrentung, um dann das Dasein endlich zu genießen – ein solches Leben ist für viele inakzeptabel geworden. Die Frage nach dem Sinn stellt sich vor allem für die junge Generation immer wieder, das ganzes Leben lang. Und Arbeit spielt dabei eine große Rolle.

Wer bei einem Unternehmen angestellt ist, kann nicht nur als reiner Leistungserbringer gesehen werden. Es geht um Individuen, die unterschiedliche Ziele, Bedürfnisse und Motive haben. Manche beziehen sich auf die Arbeit, andere auf das Private. Beide Bereiche beeinflussen sich gegenseitig. Schließlich sind beide Teil des Systems Leben.

Früher war es so einfach. Was hat da HR-Verantwortliche das Thema Motivation interessiert? Eher wenig. Ein Mitarbeiter bekam ein Gehalt, also musste er oder sie die von ihm erwartete Leistung abliefern. Diese recht einfache Gleichung ist ja auch erstmal richtig. Zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer wird ein Arbeitsvertrag geschlossen und beide müssen die Motivation haben, diesen einzuhalten.

Doch in Zeiten, in denen das Wissen der Mitarbeiter zur wichtigsten Ressource geworden ist und die Wirtschaftswelt gerne als komplex und dynamisch bezeichnet wird, bekommt auch die Auseinandersetzung mit der Arbeitsmotivation eine größere Bedeutung. Und die ist alles andere als einfach. Welche Faktoren sind entscheidend, damit Mitarbeiter engagiert arbeiten beziehungsweise dauerhaft eine gute Leistung bringen? Das ist eine wesentliche Frage, die sich Führungskräfte und HR-Verantwortliche stellen müssen. Und höchstwahrscheinlich werden sie keine allgemeingültige Antwort finden.

An dieser Stelle sei noch angemerkt: Der Human Resources Manager verspürt eine große Motivation zur Veränderung, weshalb das Magazin ab der kommenden Ausgabe ein etwas anderes Gesicht bekommt. Seien Sie gespannt!

Jan C. Weilbacher
Chefredakteur
jan.weilbacher@humanresourcesmanager.de

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