„Mut machen, Lösungen von Start-ups aktiv zu nutzen“

In eigener Sache

Frau Dr. Katharina Herrmann, Herr Holger Jungk, Sie übernehmen diese Funktion von Prof. Dr. Elke Eller und Michael H. Kramarsch, die den Preis gründeten und nach dem zehnjährigen Jubiläum im vergangenen Jahr den Staffelstab übergaben. Was hat Sie ganz persönlich dazu bewogen, den Jury-Vorsitz bei der elften Ausgabe des HR Start-up Awards zu übernehmen?

Dr. Katharina Herrmann: Als HR-Verantwortliche darf ich erleben, wie digitale Lösungen unsere Profession nachhaltig verändern. Wurden zunächst analoge Prozesse eins-zu-eins digital umgesetzt, so schafften neue Instrumente und ein gewachsenes Verständnis bald nicht nur neue Prozesse, sondern auch Tätigkeiten und Rollen. HR wird durch diese Tools effizienter und effektiver, gerade auch im Hinblick auf schon lange bestehende und sich nun zuspitzende Herausforderungen – Stichwort Arbeitskräftemangel. Diese technischen Lösungen kamen oft von den großen IT-Anbietern, aber mit der Zeit mehr und mehr auch von Start-ups. Aber auch Themen wie Mental Health oder Coaching sind heute Teil des HR-Portfolios und wollen wirksam gesteuert und abgewickelt werden. Technische Innovationen haben somit einen entscheidenden Anteil an der Entwicklung der Personalarbeit. Und es freut mich, beim HR Start-up Award mein Ohr direkt auf die Schiene dieser Entwicklung legen zu können.

Holger Jungk: Als Berater darf ich Unternehmen seit vielen Jahren in Fragen der Organisation, Transformation und Workforce-Strategie begleiten. Die Auswahl und Einführung von großen HR-Systemen war hier immer ein besonderer Schwerpunkt. Insofern konnte auch ich live miterleben, wie die Rolle von Start-ups in HR immer bedeutender wurde. Vieles, was von Start-ups entwickelt wurde, ist von „den Großen“ aufgenommen oder integriert worden. Die IT-Häuser haben mitunter selbst Start-ups gegründet und gefördert, um mit Schnellboten Innovationen treiben zu können. Start-ups sind die Trendsetter im Markt. Der HR Start-up Award bietet einen einzigartigen Blick auf ihre neuen Lösungen und auf Markttrends, die für unsere Kund*innen, aber auch für mich persönlich, spannend und hochrelevant sind.

Welche Impulse wollen Sie mit dem Award setzen?

Dr. Katharina Herrmann: Zuallererst wollen wir den Grundgedanken, den Prof. Dr. Elke Eller und Michael Kramarsch mit diesem Award verfolgt haben, aufrechterhalten und Wege finden, diesen noch weiterzuentwickeln. Wir werden Innovationen sichtbar machen und aktiv fördern. Der HR Start-up Award ist dafür ein herausragendes Instrument. Er bringt technische Lösungen ins Rampenlicht, die Personalabteilungen konkret unterstützen und echten Mehrwert im Arbeitsalltag stiften. Damals wie heute müssen wir mit dem Award Start-ups und die HR-Praxis aber auch enger vernetzen. Und ganz wichtig: Mag der Einsatz von Start-up-Lösungen heute verbreiteter sein als vor zehn Jahren, ist er auch längst noch nicht selbstverständlich. Wir wollen den Kolleginnen und Kollegen in HR auch weiterhin Mut machen, Lösungen von Start-ups aktiv zu nutzen. Gerade in Zeiten tiefgreifender Transformation – etwa durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, neuen Kompetenzanforderungen oder veränderten Arbeitsmodellen – brauchen wir frische Ideen, die praktikabel und verantwortungsvoll umgesetzt werden. Wer wartet, bis manche Lösung im Mainstream angekommen ist, verschenkt Wettbewerbsvorteile.

Holger Jungk: Mich reizt besonders, die Professionalität und Reichweite des Awards weiterzuentwickeln und Gründerinnen und Gründern eine Bühne zu geben, auf der sie Feedback aus unterschiedlichsten Perspektiven erhalten. Gleichzeitig ist der Jury-Vorsitz eine Chance, Impulse für das gesamte HR-Ökosystem zu setzen – technologisch, aber auch mit Blick auf Wirksamkeit und Skalierbarkeit.

Die Jury hat nicht nur zwei neue Vorsitzende erhalten, neben alten Bekannten finden sich auch einige neue Gesichter in dem Gremium. Was wird sich in der Jury verändern und welche Schwerpunkte setzen Sie künftig?

Dr. Katharina Herrmann: Die Jury des Awards wird wie eh und je darauf achten, dass die Start-ups echte Herausforderungen in HR lösen. War die Besetzung vorher schon eine spannende Mischung aus HR-Praxis, Wissenschaft, Beratung und der Perspektive von Investorinnen und Investoren, haben wir die Praxis-Säule weiter gestärkt. Und mit drei Jury-Mitgliedern aus dem BPM haben wir auch die Verankerung im Verband ausgebaut, dessen Netzwerk für den intensiveren Austausch zwischen Start-ups und HR-Verantwortlichen sehr wertvoll ist.

Holger Jungk: Zehn von 14 Jury-Persönlichkeiten haben einen praktischen HR- beziehungsweise CHRO-Hintergrund. Das verdeutlicht unseren Schwerpunkt ganz gut. Uns war wichtig, auch unterschiedliche Unternehmen abzubilden. Teilen sich viele auch die gleichen Herausforderungen, sind die Antworten oder die Instrumente, mit denen man arbeitet, doch oft unterschiedlich. Hier bilden wir jetzt eine größere Breite an Anwendungserfahrung ab. Zusammen mit den anderen Mitgliedern, die eine Wissenschafts- oder Investitionsperspektive besitzen, ist es uns möglich, Lösungen ganzheitlich zu bewerten – von der technologischen Substanz über Skalierbarkeit bis hin zur organisatorischen Wirkung. Unser Unternehmen bringt insbesondere eine analytische Sicht auf Markttrends, Reifegrade von Technologien und deren nachhaltige Integration in Organisationen ein. Unser Anspruch ist es, Innovation nicht nur zu würdigen, sondern auch kritisch-konstruktiv einzuordnen.

Welche Botschaft möchten Sie Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben, die eine Bewerbung für den HR Start-up Award erwägen?

Dr. Katharina Herrmann: Seid selbstbewusst, ihr werdet gebraucht! Der HR Start-up Award bietet Resonanz aus der gesamten HR-Community und eröffnet wertvolle Dialoge. Mein Appell: Denkt mutig, ambitioniert und zugleich praxisnah.

Holger Jungk: Meine Botschaft: Wichtig ist weniger Perfektion als vielmehr klare Lösungsorientierung und nachweisbare Wirksamkeit. Wer das deutlich macht, hat sehr gute Chancen.

Mit der elften Ausgabe startet der Award in eine neue Dekade. Wagen wir abschließend einen Blick in die Glaskugel: Was werden wir in den nächsten zehn Jahren an HR-Tech-Entwicklung sehen?

Dr. Katharina Hermann: Wir werden erleben, dass digitale Lösungen deutlich integrierter und nutzerzentrierter eingesetzt werden. Künstliche Intelligenz wird HR dabei unterstützen, bessere Entscheidungen zu treffen, etwa in der Personalplanung, der Kompetenzentwicklung oder im Recruiting. Gleichzeitig wächst die Verantwortung, Themen wie Transparenz, Fairness und Mitbestimmung konsequent mitzudenken. Eine wesentliche Zielsetzung ist für mich die Professionalisierung von HR durch Technologie: weg von administrativen Aufgaben, hin zu strategischer Gestaltung der Arbeitswelt, inklusive Qualifizierung und Unternehmenskultur. Hier haben wir in den zurückliegenden zehn Jahren große Schritte gemacht – dieser Weg ist aber noch nicht zu Ende.

Holger Jungk: Technologisch stehen wir erst am Anfang. In den kommenden zehn Jahren wird sich HR-Tech stark in Richtung intelligenter, autonom agierender Systeme entwickeln. Besonders relevant ist dabei das Thema Agentic AI – also KI-Agenten, die miteinander interagieren und somit eigenständig Aufgaben ausführen, Entscheidungen vorbereiten oder Prozesse orchestrieren. Das bedeutet konkret: HR-Lösungen werden nicht mehr nur Daten liefern, sondern aktiv Handlungsvorschläge machen, Szenarien simulieren und Prozesse selbstständig anstoßen – etwa im Workforce Planning, im Skill Matching oder in der Lernsteuerung. Gleichzeitig wird die Integration entscheidend sein: Punktlösungen werden zunehmend in Plattform-Ökosysteme eingebettet. Der Mehrwert entsteht dort, wo Technologie, Daten und Organisation sinnvoll zusammenspielen. HR wird dadurch datengetriebener, aber auch strategischer.

Über die Gesprächspartnerin und den Gesprächspartner:

Dr. Katharina Herrmann ist die geschäftsführende Vizepräsidentin des Bundesverbands der Personalmanager*innen (BPM). Nach acht Jahren als Beraterin bei McKinsey treibt sie seit 2012 die Weiterentwicklung von HR-Funktionen direkt in Unternehmen voran, zuletzt als Mitglied des Vorstands bei Hubert Burda Media und Aufsichtsrätin bei New Work (Xing, kununu). Zuvor war Herrmann Chief Human Resources Officer und Arbeitsdirektorin beim Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz in Berlin.

Holger Jungk ist Partner bei Mercer a Marsh Business und berät internationale Unternehmen zur Zukunft von HR, IT und Workforce Strategien. Seit über 17 Jahren unterstützt er Organisationen dabei, ihre People Strategien neu zu denken. Bevor er zu Mercer kam, arbeitete Holger Jungk mehrere Jahre bei einem der weltweit größten Softwarehersteller und vernetzte dort HR und IT aus globaler Perspektive. Er arbeitet zudem als Trainer und veröffentlicht regelmäßig Publikationen zu strategischer Personalplanung.

Jetzt bewerben!

Bis zum 31. März 2026 können sich Gründerinnen und Gründer mit Tools und technischen Lösungen für Personalverantwortliche und Mitarbeitende noch bewerben – und die Chance auf ein Maximum an Sichtbarkeit in der HR-Szene nutzen.

Der HR Start-up Award wird initiiert von Mercer a Marsh Business, dem Bundesverband der Personal­manager*innen (BPM), dem Human Resources Manager und der ­Quadriga Hochschule Berlin. Der Personalmanagementkongress – veranstaltet vom ­Bundes­verband der Personalmanager*innen und ­Quadriga Media Berlin – findet am 25. und 26. Juni 2026 in ­Berlin statt.

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