10 Basics, die jeder Personaler beherrschen sollte

24.10.2019  |  Eva Stock
Empathie, Flexibilität, Konfliktfähigkeit: Skills, die jeder HR-Manager haben sollte.
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Welches „Grundrüstzeug“ braucht HR heute, um neue Rollen im Unternehmen erfolgreich zu meistern? Mehr erfahren Sie von HR-Bloggerin Eva Stock.

Der HR-Job verändert sich in den letzten Jahren rasant. Weg vom „Verwaltungsapparat Personal“ hin zum Impulsgeber für Management, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Gestalter der Unternehmenskultur. Damit haben sich auch die Anforderungen an Personalerinnen und Personaler verändert. 10 Gedanken, welches „Grundrüstzeug“ man heute braucht, um als HRler erfolgreich zu sein.

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1. Empathie

Zum HR-Job gehört Empathie. Sich für die Menschen im Unternehmen und für Menschen im generellen zu interessieren, ist ein Muss. Gute HR-Arbeit besteht zu 90 Prozent aus genau diesem Interesse. Ob man gerade ein Interview mit einer Bewerberin oder einem Bewerber führt oder einen ganzheitlichen Weiterentwicklungsplan für die Belegschaft gestaltet – hinter den Tabellen und Notizen stecken immer Menschen.

Empathie ist dabei nicht zu verwechseln mit Altruismus. HR ist auch immer eine Unternehmensfunktion und muss ganzheitlich und für das Gesamtunternehmen denken. Dennoch gibt es immer den Bedarf, individuelle Lösungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden. Nahbar zu sein, Dinge möglich zu machen… Ohne Empathie wird man an diesen Anforderungen scheitern.

2. Konfliktfähigkeit

Als Personalerin oder Personaler wird man eines nie erreichen: es allen Recht zu machen. Sich in eine passive Haltung zurückziehen und auf Arbeitsanweisungen zu warten, funktioniert in einer modernen HR-Abteilung nicht mehr. Dafür sind die Anforderungen zu vielfältig geworden. In dieser Vielfalt der Arbeit und der Schnelligkeit der Arbeitsumgebung ist es nicht möglich, allen Anforderungen gerecht zu werden. Personalerinnen und Personaler müssen daher eine starke Meinung haben, die sie auch zu Gehör bringen. Für die eigenen Werte bezogen auf die Profession zu kämpfen und sich gegebenenfalls auch schützend vor Themen oder Personen zu stellen, gehört dazu.

HR will an den Entscheidertisch? Dann muss die Abteilung austeilen, aber auch einstecken können. Und da wären wir schon beim nächsten Punkt.

3. Organisationsverständnis

Sich sicher auf dem unternehmenspolitischen Parkett zu bewegen und sich Verbündete in der Organisation zu suchen, ist das A und O. Als Personalabteilung kann man ohnehin nicht alle Themen alleine stemmen.

In diesem Zusammenhang sollte jede HRlerin und jeder HRler verstehen, womit die eigene Firma eigentlich ihr Geld verdient und wie Wirtschaft im Allgemeinen funktioniert. Nur so kann man als Personalerin oder Personaler die richtigen Verbündeten suchen und von seinem Vorhaben überzeugen.

4. Durchhaltevermögen

Rom wurde nicht an einem Tag erbaut. Auch neue Prozesse oder Change-Themen brauchen Zeit, um sich im Unternehmen entfalten zu können und zu wirken. Manchmal sind die HR-Themen, die die Personalerinnen und Personaler selbst ganz oben auf der Themenliste sehen, nicht die, die das Unternehmen gerade braucht. Dann heißt es: Geduld üben, das Thema zu einem anderen Zeitpunkt nochmal mit besseren oder neuen Argumenten aus der Schublade ziehen und Vollgas geben.

5. Wendigkeit und Flexibilität

Apropos die Konzepte noch einmal zum richtigen Zeitpunkt aus der Schublade ziehen: Manchmal ist es aber auch einfach nicht der richtige Ansatz, den man aus seiner HR-Perspektive gewählt hat. Hier gewinnt HR nur dann, wenn es in der Lage ist, schnell umzudenken und Dinge in eine neue Perspektive zu rücken. Und das gelingt nur, wenn man als Personalabteilung überhaupt andere Meinungen zulässt.


6. Offenheit für Impulse

Jeder im Unternehmen hat eine Meinung zur HR-Funktion. Daran wird sich so schnell auch nichts ändern – und eigentlich ist das ja auch gut so, oder? Personalerinnen und Personaler müssen sich dessen bewusst sein und sich die Impulse, Meinungen und Hinweise zur eigenen Arbeit anhören. Die Stakeholder in den Prozessen zu identifizieren, die Meinungsführer zu hören und in die eigene Arbeit mit einzubeziehen ist wichtig. Eine gute HR-Abteilung ist kein Selbstzweck: Sie macht ihren Job für andere. Um allen ein besseres, reibungsloses, schönes, entspanntes Arbeiten zu ermöglichen. Und um das Unternehmen gesund zu erhalten.

7. „Nein“ sagen und um Hilfe bitten

Dass HR den Job für andere macht, heißt aber nicht, dass diese Funktion der eines „Organisations-Mülleimers“ oder einer „Parkgarage“ für alle möglichen Themen entspricht. „Nein“ zu sagen ist daher eine wichtige Eigenschaft, die gerade jungen HRlerinnen und HRlern schnell abtrainiert wird. „Nein“ zu sagen bei einer zu hohem Workload, oder auch um Hilfe zu bitten, ist keine Schwäche. Im Gegenteil: Es ist ein wichtiges Thema, dem man sich als Personalerin oder Personaler unbedingt annehmen muss! Eine Organisation, die nur fordert und nichts dafür tut, HR zu unterstützen, brennt auf Dauer aus. HR ist oft der Gradmesser für die gesamte Stimmung im Unternehmen. Daher ist es wichtig, mit gutem Beispiel voran zu gehen und die eigenen Kapazitäten klar aufzuzeigen.

8. IT-Verständnis und “Digitale Denke”

Hier jetzt ein Wachrüttler: „Hallo! Wir sind fast in 2020!“. Als Personalerin oder Personaler über 40 hat man jetzt ein Problem. Man hat sehr wahrscheinlich vieles verpasst an digitalen Entwicklungen, die für viele jüngere Menschen völlig normal sind und mit denen diese ganz selbstverständlich aufwachsen. Um als Personalerin und Personaler nicht von Agenturen und Dienstleistern über den Tisch gezogen zu werden, muss man schnellstmöglich aufholen. Am besten geht das über ausprobieren, lesen, vernetzen. Ohne diese Skills wird es für Personalerinnen und Personaler bald schwer, den Anschluss an das Unternehmen und an die Entwicklungen zu halten. Über Reverse Mentoring und den Aufbau eines Netzwerkes über den Unternehmen-Tellerrand hinaus kann man hier vieles aufholen, was einem nicht in die Wiege gelegt wurde.

9. (Online) Marketing Kenntnisse

Die Welt, wie wir sie jetzt kennen, funktioniert vor allem digital. Personalerinnen und Personaler, die den menschlichen Part in digitale Aktionen übersetzen können, sind ab jetzt ganz klar im Vorteil. Recruiting, Employer Branding, Talentgewinnung und -bindung sind Themen, die heute auch online und digital funktionieren müssen. HR muss sich hier in eine Rolle entwickeln, digitaler Treiber zu werden. Das Unternehmens-Marketing nach außen zu treiben und zu vertreten, funktioniert nur mit einem grundsätzlichen Marketing-Verständnis. Ohne diese Kenntnisse und diesem Zugang ist es schlicht nicht mehr möglich, an geeignete Kandidatinnen und Kandidaten zu gelangen.

10. Spaß haben!

Personalabteilung/ HR / People & Culture – egal wie man es nennt – der Beruf ist vielfältig, spannend, anspruchsvoll und voller Kreativität. Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erinnern sich noch an ihr erstes Bewerbungsgespräch. Oder wahlweise auch an das Gespräch, das am schlimmsten oder tollsten war. Zu HR hat eben nun einmal jeder eine Meinung. Wenn man als Personalerin oder Personaler keine Meinung mehr zum eigenen Job hat, muss man überlegen, ob man tatsächlich noch die oder der richtige ist für den Beruf. Herzblut, Menschlichkeit, Empathie und Gestaltungswillen überdauern übrigens jede „Mode“ – man sollte sich diese also unbedingt bewahren.

Über die 10 Basics:

Auf der Messe Zukunft Personal Europe 2019 in Köln hielt Eva Stock einen sehr gut besuchten Vortrag über die 10 Basics. Danach erhielt sie viele Anfragen, ob sie die Aussagen des Vortrags nicht veröffentlichen könne. Exklusiv für den Human Resources Manager hat sie das jetzt getan.