Algorithmen verändern klassische Jobwelt

Unternehmen müssen ihr Geschäft transformieren. Dafür schaffen sie neue Aufgabenfelder und brauchen neue Kompetenzen. Welchen Einfluss die großen digitalen Technologietreiber schon heute auf die bestehenden Berufsbilder haben, lässt sich in ersten Ansätzen bereits erkennen.

Dass gesuchte Kompetenzen im ausgeschriebenen Jobprofil für einen IT-Spezialisten genau zu den Kompetenzen des Jobsuchenden passen, war einmal. Nicht nur, dass es bedingt durch Big Data, Internet of Things oder künstliche Intelligenz heute enorme Unterschiede in Bezug auf einzelne Jobs in der High-Tech oder Fertigungsindustrie gibt. Viel gravierender ist, dass sich Anforderungsprofile für eine entsprechende Stelle extrem schnell verändern. Historisch gewachsene Jobprofile mit entsprechend fest zementierten Basis-Qualifikationen gehören heute regelmäßig auf den Prüfstand. Die Folge: permanenter Abgleich zwischen Positionsbeschreibungen, veränderten Qualifikationen und Bewerbersuche, um nicht im „Talent Gap“ zu landen.

Dabei reicht es nicht aus, Positionsbeschreibungen, die aus dem Fachbereich an das Recruitment Team weitergeleitet werden, einfach „aufzuhübschen“. Also im Nu aus einem IT-Infrastruktur-Mitarbeiter den heißbegehrten „Cloud Architect“ zu machen. Oder das Stellengesuch um ein paar modische Schlüsselbegriffe anzureichern. Schließlich handelt es sich bei den neuen Berufsbildern meist um Verantwortungsbereiche mit praxiserprobtem Erfahrungsschatz im Umgang mit innovativen Technologien. Wie zum Beispiel das Steuern eines Cloud-Betriebs oder das Management kritischer Unternehmensdaten. Erst diese Erfahrungen bilden eine valide Basis für neue Qualifikationen.

Im Gegensatz zu den USA stehen deutsche Unternehmen bei der Suche nach dem vielzitierten Datenanalysten noch am Anfang. Denn das Problem ist: Die Datenbestände der Firmen werden zwar immer größer, aber für diese dringend benötigten Kompetenzen in der Interpretation und dem Management von Daten an verteilten Standorten, gibt es noch keinen anerkannten Ausbildungsgang. Gleiches gilt für den neuen Beruf des „Data Scientist“. Er ist derjenige, der mittels Algorithmen die wirklich relevanten Unternehmensinformationen aus dem Datenwust extrahiert.

Kandidaten aus den eigenen Reihen entwickeln

Unternehmen sind daher gut beraten, diese Kandidaten aus den eigenen Reihen zu entwickeln, schließlich handelt es sich bei Analyse und Interpretation von Daten durchaus um strategisches Know-how, das dringend gebraucht wird, um die eigene Position im globalen Wettbewerb zu festigen. Aber nicht nur die Datenakrobaten müssen in der Lage sein, ihr vertieftes technisches Verständnis und so dessen Bedeutung für geschäftliche Prozesse deutlich zu machen. Auch die Sicherheit von Informationen und Daten entwickelt sich zu einem ganz eigenen Jobprofil. Beim Wandel vom IT-Security hin zu dem Security-Architekten, tun Unternehmen gut daran, fachliches Know-how aus ganz unterschiedlichen Bereichen miteinander zu kombinieren. Dabei ist der Übergang vom Sicherheits-Spezialisten zum Datenanalysten fließend. Denn auch die Security-Architekten müssen jederzeit die Datenverwaltung, -,archivierung und -,steuerung im Hinblick auf einen sicheren Umgang ins Kalkül ziehen. Hinzu kommt, dass sie aus den Echtzeit-Daten-Analysen blitzschnell etwaige Auswirkungen auf die IT-Sicherheit erkennen müssen.

Auch das aus der Anwendungspraxis gewachsene junge Berufsbild des „Cloud Architect“ gehört derzeit zu den gefragtesten Jobs. Dieser muss sich nicht nur mit der Harmonisierung von Daten, die sich auf den lokalen Servern und in der public cloud befinden, beschäftigen. Er sollte ebenfalls die Leistungsfähigkeit und Flexibilität unterschiedlicher Cloud Provider kennen und für den IT-Betrieb seines eigenen Unternehmen einordnen können.

Diese drei Tech-Jobs sind laut der HAYS-Studie „IT-Jobs der Zukunft 2015“ am gefragtesten:

  • Security Specialist (50 Prozent) 

Der Sicherheitsspezialist versucht Datenlecks zu eliminieren und entwickelt eine entsprechende Strategie zur IT-Sicherheit. Diese Spezialisten werden in jedem Unternehmen benötigt, welche eine dezentrale und komplexe IT-Infrastruktur hat.

  • Cloud Architect (45 Prozent)

Das Management von Cloud Services inhouse in Kombination mit public cloud services wird für Unternehmen immer wichtiger. Da viele Unternehmen ihre kritischen Daten nach wie vor gerne in eigenen Rechenzentren hosten, aber ebenfalls die Kostenvorteile aus der Cloud nutzen wollen, brauchen sie Fachkräfte, die eine effektive Integration beider IT-Welten fördern. Cloud-Architekten sind in der Lage, sowohl die Unternehmensseite zu berücksichtigen, als auch die technischen Herausforderungen zu meistern.

  • Data Scientist (41 Prozent)

Mit einer stetig wachsenden Datenmenge steigt auch der Bedarf diese zu strukturieren und zu analysieren. Das ist das zentrale Aufgabenfeld des Data Scientists. Mit Hilfe von Algorithmen extrahieren diese Spezialisten nützliche Informationen aus den Datenmassen. Die Ausbildung zum Data Scientist steht in Deutschland noch ganz am Anfang. Schwerpunkt dieser Ausbildung sind mathematische Fähigkeiten, und die intensive Arbeit mit diversen Arten von Datenbanken, Netzwerken sowie Programmiersprachen.

An diesen neuen Berufsbildern wird deutlich, welche tragende Rolle die Kenntnis über die genauen Auswirkungen der  Technologietreiber auf die Jobprofile spielt. Und wie wichtig in diesem Zusammenhang eine schnelle Lernfähigkeit ist, neue Job-Anforderungen direkt in den Arbeitsalltag übertragen zu können. Unternehmen, die es ihren Mitarbeitern ermöglichen, sich diese neuen Qualifikationen bei der täglichen Arbeit anzueignen und zu festigen, werden langfristig die besseren Chancen am Markt haben. Ein solcher Kompetenzaufbau funktioniert allerdings nicht über Nacht, sondern muss über Jahre hinweg mitwachsen. Wer dennoch kurzfristigen Bedarf an Security Architekten oder Datenanalysten hat, sollte sich an freiberufliche IT-Spezialisten wenden.