Corona-Krise: Frauenanteil in DAX-Vorständen sinkt

Der neue Allbright-Bericht zeigt: Das Jahr der Corona-Krise hat sich negativ auf den Frauenanteil in den Vorständen deutscher DAX-Unternehmen ausgewirkt.
© gettyimages / Martin Barraud

Der neue Allbright-Bericht zeigt: Das Jahr der Corona-Krise hat sich negativ auf den Frauenanteil in den Vorständen deutscher DAX-Unternehmen ausgewirkt.

Frauen sind in den Vorständen deutscher Börsenunternehmen generell eher selten anzutreffen – unter anderem, weil die hauptsächlich von Männern besetzten Aufsichtsratsgremien unbewusst dazu neigen, jüngere Kopien von sich selbst zu befördern. Dennoch ist der Frauenanteil in den letzten Jahren langsam, aber stetig gestiegen. Die Corona-Krise hat diese Entwicklung offenbar gestoppt, wie der heute veröffentliche Bericht der Allbright-Stiftung (PDF) zeigt. Mit 12,8 Prozent in den DAX30-Unternehmen ist der Frauenanteil im Vergleich zum Vorjahr um fast 1,9 Prozentpunkte gesunken und damit wieder auf dem Stand von 2017. Zudem gibt es jetzt elf DAX-Unternehmen ganz ohne Frau im Vorstand. Im September 2019 waren es nur sechs.

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Deutschland ist Schlusslicht im internationalen Vergleich

Mit dieser Entwicklung geht Deutschland im internationalen Vergleich scheinbar einen Sonderweg, denn in einigen anderen Ländern ist der Frauenanteil in den Vorständen auch im Krisenjahr gestiegen: In den USA erhöhte er sich um 0,8 Prozentpunkte, in Schweden und Großbritannien um 2,2, in Frankreich um 2,4 und in Polen sogar um 2,6 Prozentpunkte. Deutschland ist im Vergleich mit diesen Nationen das einzige Land, in dem jetzt weniger Frauen in den Vorständen sitzen als im Vorjahr – und auch das einzige Land, in dem es kein einziges DAX-Unternehmen mit einem Frauenanteil von mindestens 30 Prozent gibt. Zum Vergleich: In den USA haben 47 Prozent der börsennotieren Unternehmen mindestens 30 Prozent Frauen im Vorstand, in den Großbritannien sind es 37 Prozent, gefolgt von Schweden mit 34, Frankreich mit 30 und Polen mit 20 Prozent.

Wiebke Ankersen und Christian Berg, die beiden Geschäftsführer:innen der Allbright-Stiftung, finden die Entwicklung besorgniserregend. „Dieser Entwicklungsstand im Top-Management der deutschen Unternehmen passt nicht zum Selbstverständnis eines fortschrittlichen westlichen Industrielands. Hier fehlt noch immer ein dringend notwendiger Modernisierungsschub, wie er in den Unternehmen anderer Länder längst in vollem Gange ist. In der Krise auf vertraute Männer zu setzen, ist ein kurzsichtiger Reflex, der sich über kurz oder lang rächen wird“, so Ankersen. Berg ergänzt: „Die gut ausgebildeten Frauen stehen längst in großer Zahl bereit. Die Unternehmen müssen ihnen nur viel konsequenter Verantwortung übertragen – auch und gerade in der Krise“.