Alles Gute und Kopf hoch!

Gleich zur Sache kommen, dabei sensibel vorgehen – Trennungen sind nie einfach. Da hilft es auch nicht, wenn sie neudeutsch Outplacement oder Newplacement genannt werden. Eine Glosse. 

Trennungen sind schwierig. Sie sind unangenehm, vor allem dann, wenn sie einseitig vorgenommen werden. Die Reaktion des Gegenübers, dem man den Boden unter den Füßen wegzieht, muss man aushalten; wie er sich verhalten wird, ist ohnehin unklar: Schlägt er wild um sich? Zerreißt er sich das Hemd und stößt einen Fluch aus? Weint er wie ein Baby und schmeißt sich dabei auf den Boden? Oder schweigt er nur? – die Augen kalt und leer. Und was sagt man als derjenige, der die Trennung ausspricht? „Kopf hoch“?, „Du wirst was Neues finden“? oder „Andere Mütter haben auch schöne Töchter“?

Betreff: Schlechte Nachrichten

Gerne greift man – genauer gesagt die junge Generation – heutzutage auf moderne Medien zurück, wenn es um das Thema Trennung geht. Eine einfache Nachricht per Facebook oder SMS erspart das nervtötende Gespräch. Auf der Seite www.machschluss.at kann man sogar in einem vorgefertigten Formular einen kurzen Schlussmach-Text eingeben, der an den Freund oder die Freundin geschickt wird. Die Betreffzeile lautet „Schlechte Nachrichten“ und bereitet behutsam auf den nachfolgenden Text vor. Keine weiteren Diskussionen.

In der Arbeitswelt tut man sich mit Trennungen ebenfalls ganz schön schwer. Keiner mag sie aussprechen. Dass Entlassungen jetzt Outplacement oder Newplacement heißen, hat die Sache nicht besser gemacht. Chefs, die ansonsten harte Hunde sind, ducken sich weg. Von wegen Kündigungsgespräche sind Chefsache. Es wird halt derjenige damit beauftragt, der im Unternehmen als empathisch gilt. Der Geschäftsführer erinnert sich auf einmal daran, dass es eine Personalabteilung gibt: „Wo sitzt eigentlich unser HRler?“ Und die armen Schweine, die vielleicht gar nicht hinter der Entlassung stehen, müssen dann bei so einem Gespräch darauf achten, dass sie enorm sensibel auftreten. Der „Trennungspapst“ Laurenz Andrzejewski rät: „Niemandem bei offenem Fenster sagen, dass er seinen Job verliert.“ Und Messer herumliegen lassen ist auch eine schlechte Idee.

Legendär sind manche Kündigungsprozesse der Investmentbanken. Für ein gewisses Medienecho sorgte zum Beispiel 2012 die Schweizer Bank UBS, die Tausende Banker in London auf die Straße setzte – ohne mit ihnen vorher zu reden. Einige von den Bankern trafen sich am Tag der Entlassung in einem nahegelegenen Pub. „Ich bin um 7.20 Uhr ins Büro gekommen“, erzählte damals ein Händler der Nachrichtenagentur Reuters. „Aber mein Sicherheitschip funktionierte nicht. Ein bulliger Türsteher brachte mich zum Aufzug – wo schon ein anderer bulliger Türsteher auf mich wartete. Dann bin ich direkt hierhergekommen, also, naja, nicht wirklich direkt, weil das Pub erst um 8 Uhr aufsperrte. Also war ich vorher noch einen Kaffee trinken.“

Einfach ausgesperrt

Etwas Ähnliches ist mal meinem Onkel passiert. Er kam nach einem Wochenendtrip mit Kumpels nach Hause und musste feststellen, dass seine Freundin das Türschloss wechseln ließ. Und nachdem er klingelte, sagte ihm ein Mann – ein sehr großer Mann –, dass mein Onkel hier nicht mehr wohne. Ob der andere Personaler gewesen ist, weiß ich nicht. Es war trotzdem eine unschöne Situation. Zumal der große Mann sehr unsensibel aufgetreten ist und irgendwie nicht die richtigen Worte fand.

Bei einer Trennung ist es ja ganz wichtig, nicht um den heißen Brei zu reden. Man muss gleich zur Sache kommen, keinen Smalltalk. Und bloß nicht lügen. „Ich weiß, wie es Ihnen geht“, wäre so eine Lüge. Auch „Wir haben Sie doch gar nicht verdient!“ ist nicht gut, genauso wenig wie „Wir wissen selbst, dass wir Arschlöcher sind.“ Außerdem sollte man als Personaler darauf achten, dass die Kündigung nicht am Tag der Firmenfeier ausgesprochen wird. Auch der Geburtstag des Gekündigten ist ein schlechter Zeitpunkt. Zudem sollte sich der Personalverantwortliche vorher Gedanken gemacht haben, ob die Kündigung juristisch durchsetzbar ist. Der Chef kann „diese Fresse nicht mehr sehen“ ist zum Beispiel juristisch nicht durchsetzbar.

Jean Löring, der frühere Präsident von Fortuna Köln, war das alles ziemlich schnuppe, als er Toni Schumacher 1999 mal in der Halbzeitpause eines Spiels rausgeworfen hat – und zwar mit den Worten: „Hau app in de Eiffel. Du määs minge Verein kapott. Du häss he nix mie zu sare, du Wichser.“ Heute, da Trennungen Outplacement genannt werden, geht es netter zu. Trotzdem fühlt sich der Gekündigte gekränkt – Outplacement hin oder her.