An der Berufsehre gepackt

Es kann auch attraktiv sein, die vermeintlich schlechten Seiten eines Jobs in der Ausschreibung zu betonen. So wie das Investigativ-Büro CORRECT!V, bei dem Lob bedeutet, dass man von gut bezahlten Rechtsanwälten bedroht wird.

Dass Stellenanzeigen nicht zwangsläufig dröge formuliert sein müssen, beweist gerade das investigative Journalistenbüro CORRECT!V – Recherchen für die Gesellschaft. Die Bewerber sollten Erfahrung mitbringen „im Umgang mit vertrackten Sachverhalten, umfangreichen Recherchen, komplizierten Informanten, verärgerten Pressesprechern, zornigen Vorstandschefs und Ansprechpartnern, die den Telefonhörer aufknallen.“ Wer wird da nicht neugierig? Weiter heißt es: „Unser Kandidat sollte wenigstens einmal in seinem Leben damit gedroht haben, seinen Job zu schmeißen, weil seine Texte völlig wirr gekürzt wurden. Er sollte nicht verstehen können, wenn jemand einen PR-Mitarbeiter als vollwertige Quelle ansieht.“ Ein Appell an die Journalisten-Ehre. Denn welcher Redakteur hat schon ursprünglich den Job gewählt, um über die Mitgliederversammlung des Kaninchenzüchtervereins in Buxtehude zu schreiben?

Details wie Arbeitsort oder Arbeitszeit werden in der Ausschreibung zwar nicht explizit genannt, aber in den Kommentaren unter dem Text direkt von der Redaktion beantwortet. Man sucht also den Kontakt zu den potenziellen Bewerbern. Die Stellenanzeige zeigt daher in erster Linie, wie die Leute dahinter ticken. Und auch wenn einem die ein oder andere Formulierung etwas zu dramatisch erscheinen mag – man muss den Journalisten lassen, dass sie sich und ihre Tätigkeit gut verkaufen können. In dem Sinne liest sich die Ausschreibung nicht nur als Beitrag zum Employer Branding, sondern noch mehr als gelungene PR für das noch junge Journalismus-Projekt.