Anders gewichtet

Frauen und Männer wählen bei der Mitarbeiterführung unterschiedliche Schwerpunkte. So setzen weibliche Manager auf Weiterbildung, um Mitarbeiter zu halten. Für Männer ist hingegen Geld der entscheidende Ansatz.

Es gibt einen Unterschied im Führungsstil von Männern und Frauen. Der äußert sich vor allem in der Prioritätensetzung. Ein Beispiel ist die Mitarbeiterbindung: Frauen sehen vor allem interne Weiterbildung, Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Ausbildung von Jugendlichen als Instrumente der Mitarbeiterbindung. Bei Männern spielen hingegen monetäre Anreize wie der Dienstwagen oder die Bonuszahlung die Hauptrolle. Das ist eines der Ergebnisse einer Befragung des Verbands deutscher Unternehmerinnen. Dafür wurden 441 Verbandsmitglieder und 200 Entscheider – Männer und Frauen – mittelständischer Unternehmen befragt.

Die Studie zeigt des weiteren, dass sich die Unternehmerinnen stärker als Dienstleister sehen als dies bei den Befragten in der Vergleichsgruppe der Fall ist. Ganz oben steht für die Frauen nämlich die Kundenbindung: 98 Prozent halten sie für besonders wichtig. Dagegen landet dieses Instrument in der Vergleichsgruppe nur auf Platz vier (88 Prozent). Hier hat die Mitarbeiterbindung Vorrang (98 Prozent), die bei den Unternehmerinnen noch hinter der strategischen Planung (93 Prozent) rangiert.

Gefragt wurde auch nach der Einschätzung zur Entwicklung der wirtschaftlichen Lage. 23 Prozent der Unternehmerinnen schätzen, dass die Situation für Deutschland allgemein in den nächsten sechs Monaten besser werden wird, in der Vergleichsgruppe nehmen das nur 18 Prozent an. Bezogen aufs eigene Unternehmen gehen 51 Prozent der weiblichen Unternehmer davon aus, dass sich die wirtschaftliche Lage verbessern wird. Dem stehen 35 Prozent der mittelständischen Entscheider gegenüber.

Unterschiede gibt es auch bei den Forderungen an die zukünftige Bundesregierung. Zwar ist allen Befragten wichtig, dass es stärkere Investitionen ins Bildungssystem gibt, dass bürokratische Vorschriften abgebaut werden und dass Maßnahmen zum Abbau des Fachkräftemangels beschlossen werden. Bei der Frage des Ausbaus der Kinderbetreuung und der Einführung einer Frauenquote für Aufsichtsräte und Führungspositionen herrscht aber Uneinigkeit: Die Unternehmerinnen sehen den Ausbau mit 90 Prozent als viertwichtigste politische Forderung an, bei den mittelständischen Entscheidern sehen dies nur 77 Prozent als wichtig an. Bei der Frage nach der Frauenquote wird der Unterschied noch deutlicher: 64 Prozent der Unternehmerinnen sehen die Einführung einer Quote als wichtig an im Gegensatz zu 15 Prozent der Vergleichsgruppe.

Insgesamt deutet die unterschiedliche Prioritätensetzung von männlichen und weiblichen Entscheidern aber nicht auf einen grundsätzlich anderen Führungsstil hin. In vielen Fragen der Studie herrscht eine große Übereinstimmung seitens aller Befragten.