„Arbeitgeber müssen sich auf die Azubis einstellen“

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Bei der ING-DiBa können sich Mütter seit September in Teilzeit zur Kauffrau für Büromanagement ausbilden lassen. Für das Bankhaus ist das eine Premiere. Worum es dabei geht und wie das organisiert wird, erläutert Ausbildungsleiter Dieter Doetsch im Interview.

Mit Beginn des aktuellen Ausbildungsjahres am 1. September gibt es bei der ING-DiBa eine Ausbildung in Teilzeit für Mütter. In der Startphase nehmen zunächst zwei Frauen an dem Pilotprojekt am Hauptsitz in Frankfurt teil und lassen sich zur Kauffrau für Büromanagement ausbilden. Wenn die Erfahrungen gut sind, wird das Ausbildungsangebot voraussichtlich auch auf die anderen Standorte der ING-DiBa in Nürnberg und Hannover ausgeweitet. Das Bankhaus kooperiert bei der Teilzeit-Ausbildung mit dem Verein zur beruflichen Förderung von Frauen (VBFF) aus Frankfurt am Main.

Herr Doetsch, warum bietet die ING-DiBa eine Ausbildung in Teilzeit an?
Das Programm, das Sie meinen, nennt sich „Chancen durch Ausbildung“ und subsumiert unter anderem auch die Ausbildung in Teilzeit für Mütter. Die Idee dahinter ist auch ein Stück weit die, dass die ING-DiBa einerseits soziale Verantwortung übernehmen möchte, sie aber eben auch sieht, dass das eine Möglichkeit ist, dem demografischen Wandel zu begegnen. Von dem sind wir zwar noch nicht betroffen aber nichtsdestotrotz ist es auch eine Möglichkeit, Fachkräfte selber zu qualifizieren.

Warum ist das Programm nur auf Mütter ausgerichtet oder steht es auch alleinerziehenden Vätern offen?
Es kann natürlich auch von Männern in Anspruch genommen werden. Wir arbeiten im Moment mit dem VBFF zusammen und die Erfahrung zeigt, dass es fast nur Frauen sind, die sich dafür interessieren.

Wie hoch ist die Nachfrage, wie viele Bewerbungen haben Sie bekommen?
Wir selbst haben gar nicht offen ausgeschrieben, sondern wir sind mit dem VBFF in Kontakt getreten. Dieser hat uns dann mögliche Kandidatinnen aufgezeigt. Aber insgesamt haben sich bei uns fünf Frauen vorgestellt.

Wenn das Pilotprojekt erfolgreich ist, wollen Sie dann offen ausschreiben?
Im Moment ist das nicht geplant, wir halten uns die Option aber natürlich offen.

Wie ist die Teilzeitausbildung organisiert? Verkürzen Sie die Lerninhalte oder den Praxisanteil?
Wir haben ja eine duale Ausbildung im Unternehmen, also den Wechsel zwischen Berufsschule und praktischer Ausbildung. In die Berufsschule gehen die Frauen so, wie es der Stundenplan vorsieht. In den Praxiseinsätzen sind sie 30 Stunden pro Woche im Haus, also sechs Stunden am Tag. Von den Ausbildungsinhalten können wir so natürlich alles vermitteln. Was wir im Moment nicht tun, ist, die Ausbildungszeit zu verkürzen. Bei den anderen Azubis bieten wir Ausbildungen über zweieinhalb oder zwei Jahre an. In der Teilzeit-Ausbildung machen wir wirklich die komplette Ausbildungsdauer von drei Jahren und verkürzen dann im Prinzip die tägliche Arbeitszeit.

Gibt es über die Vermittlung der Teilnehmerinnen hinaus noch eine weitere Zusammenarbeit mit dem VBFF?
Der Verein steht während der Ausbildung weiterhin zur Verfügung und bietet beispielsweise noch Kurse im Anschluss an die praktische Ausbildung an, wo es dann um Sprachkenntnisse geht zur Prüfungsvorbereitung. Das sind dann Dienstleistungen, die von uns natürlich auch finanziell unterstützt werden.

Spüren Sie bei der ING-DiBa einen Bewerbermangel?
Wir spüren keinen Bewerbermangel bei den Auszubildenden in dem Sinne, aber wir merken schon, dass die Bewerberzahlen zurückgehen. Wir hatten ja hier in Hessen und auch in den anderen Ländern die Situation, dass es Doppeljahrgänge bei den Abiturienten gab. Das ist jetzt weggefallen und das merken wir natürlich auch. Aber bisher konnten wir immer die erforderliche Zahl an Auszubildenden rekrutieren.

Es gab vor kurzem eine DGB-Studie, die offengelegt hat, dass viele Azubis unzufrieden sind mit ihrer Ausbildung. Und jedes Jahr stehen Tausende unbesetzte Ausbildungsplätze beinahe ebenso vielen suchenden Jugendlichen gegenüber. Es scheint, als hätte der Ausbildungsmarkt etwas Schieflage.
Ich kann natürlich erst einmal nur über uns sprechen. Da erlebe ich das so nicht. Unsere Azubis sind mit ihrer Ausbildung sehr zufrieden. Das erkennen wir auch daran, wie hoch unsere Übernahmequote ist. Es ist eher selten, dass uns ein Auszubildender verlässt, und wenn, dann meist, weil völlig andere Interessen aufgekommen sind.

Und außerhalb Ihres Unternehmens?
Ich glaube schon, dass sich die Arbeitgeber mehr auf die Wünsche der Auszubildenden einstellen müssen. Es gibt da schon Veränderungen in den Einstellungen der jungen Menschen. Wenn wir zukünftig weniger junge Menschen haben, die in die Ausbildungen kommen, dann müssen wir uns schon überlegen, wie wir diejenigen, die zur Verfügung stehen, auch für eine Ausbildung begeistern. Das heißt nicht, gleich alle Werte über den Haufen zu werfen, sondern erst einmal zu schauen: Wie kommen wir zusammen, wie können wir miteinander umgehen?