Arbeitgeberbewertungs­portale zum Employer Branding nutzen

21.08.2019  |  Maren Pudimat
Unternehmen können Arbeitgeberbewertungsportale für ihre Employer-Branding-Strategie nutzen
© gettyimages / MissTuni

Von wegen Arbeitgeber-Pranger: Maren Pudimat von Maisberger erklärt, wie man Kununu, Glassdoor & Co. zum Teil der Employer-Branding-Strategie macht.

Liken, kommentieren und beurteilen: Digitale Bewertungsplattformen sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken – und machen auch vor der Arbeitswelt nicht halt. Auf Portalen wie Jobvote, Meinchef.de und Meinpraktikum.de äußern Bewerber und (Ex-)Mitarbeiter ihre Meinung über den (potenziellen) Arbeitgeber. Und finden Gehör: So lassen sich laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom 84 Prozent wechselwilliger Kandidaten von solchen Bewertungen in ihrer Arbeitgeberwahl beeinflussen. Für viele Bewerber sind diese Portale zudem ein wichtiger Touchpoint in der ersten Phase der Candidate Journey. So zeigt eine von Rundstedt-Studie, dass 41 Prozent der Befragten sich auf Arbeitgeberbewertungsportalen informieren, bevor sie sich bewerben, bei den jungen Talenten (18 bis 29 Jahre) sind es sogar mehr als die Hälfte (52 Prozent). Und was für jeden Chef und HR-Experten verheerend ist: 39 Prozent verzichten bei negativen Bewertungen auf eine Bewerbung, bei den Young Professionals 50 Prozent.

Doch nicht nur im Recruiting gewinnen die Portale an Bedeutung, sondern auch beim Retention-Management. So legen viele Mitarbeiter Wert darauf, dass der eigene Arbeitgeber mit „guten Noten“ abschneidet. Für 43 Prozent ist es wichtig, dass der derzeitige Arbeitgeber positiv bewertet ist und immerhin 18 Prozent würden bei schlechten Bewertungen eine Kündigung in Betracht ziehen (von Rundstedt-Umfrage). Die Zahlen machen eins klar: Ein professioneller, authentischer Arbeitgeberauftritt zahlt sich aus – sowohl bei der Mitarbeitergewinnung als auch der -bindung. Und vom Set-up eines professionellen Profils, über Stellungnahmen auf Bewertungen, bis hin zum Einbinden von Stellenanzeigen bieten die Plattformen viel Potenzial zur Gestaltung der digitalen Employer Brand.

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Der Weg zur digitalen Arbeitgeber-Visitenkarte auf Bewertungsplattformen

1. Kununu, Glassdoor und Co. bedeuten keine One-Way-Kommunikation: Unternehmen sollten auf Bewertungen reagieren und in den Dialog treten. Hierbei sind anstatt Standartphrasen individuelle Stellungnahmen und klare Antworten auf offene Fragen gefragt. Zudem drückt ein Dankeschön bei einem positiven Feedback Wertschätzung aus. Bei negativen Bewertungen empfiehlt sich, ein Gespräch mit der HR-Abteilung anzubieten. Ein regelmäßiges Monitoring der Portale ist unerlässlich, um zeitnah reagieren zu können.

2. Authentizität zahlt sich aus: Mitarbeiter sollten dazu animiert werden, das Unternehmen als Arbeitgeber zu bewerten. Denn authentische Erfahrungsberichte erreichen und überzeugen diejenigen Kandidaten, die zum Unternehmen passen. Ehrlichkeit ist jedoch oberstes Gebot. Gefälschte Bewertungen sind nicht nur verboten, sondern auch leicht durchschaubar. Zudem können HR-Manager Bewertungen – auch die kritischen – „nutzen“: (Konstruktives) Feedback hilft, auf problematische Aspekte aufmerksam zu werden und an Verbesserungen zu arbeiten.

3. Arbeitgeber können, in der Regel gegen eine Gebühr, auf den Portalen ein Profil gestalten und so beispielsweise Informationen über das Unternehmen, Geschichten über Mitarbeiter-Testimonials sowie Bilder und Videos teilen. Das bietet eine ideale Möglichkeit, die eigenen Stärken und eine überzeugende Arbeitgebermarke in den Fokus zu rücken. Außerdem kann häufig auf offene Stellen verlinkt beziehungsweise Stellenanzeigen eingebunden werden – und die Plattformen werden somit auch zu einem Recruiting-Kanal.

4. Manch ein Unternehmen fürchtet rechtswidrige, beispielsweise diffamierende, Kommentare. Doch solche Bewertungen können entfernt werden – denn auch Arbeitgeberbewertungsportale sind kein rechtsfreier Raum.