Bankrotterklärung für Personalentwickler

Anstatt lautstark über den vermeintlichen Fachkräftemangel zu debattieren, sollten die Unternehmen vielmehr an einer strategischen Personalentwicklung arbeiten. Denn oftmals geht diese am tatsächlichen Bedarf vorbei.

Das Thema Fachkräftemangel ist heutzutage in aller Munde. Selbst die ARD hat es im Juli in ihrem Beitrag „Der Arbeitsmarktreport – das Märchen vom Fachkräftemangel“ aufgegriffen und zu widerlegen versucht, dass es einen Fachkräftemangel in Deutschland gibt.

Gibt es ihn wirklich? Unbestritten ist aus meiner Erfahrung, dass es zum Beispiel in den Pflege- und MINT-Berufen an gut qualifizierten Fach- und Führungskräften mangelt. Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Personen deckt zwar in manchen Bereichen rein zahlenmäßig den Bedarf. Aber, bei genauem Hinsehen stimmt die Qualifikation doch nicht mit den Anforderungen überein oder der regionale Aspekt ist ein Hindernis.

Immer wieder wird unter anderem gefordert, dass das Bildungssystem in Deutschland reformiert werden muss, damit die Zukunft Deutschlands gesichert wird. Wenngleich ich ein Anhänger einer tiefgreifenden Bildungsreform bin, so muss dennoch die Frage erlaubt sein, ob die Unternehmen ihren Beitrag geleistet haben, um den Fachkräftemangel zu verhindern. Ich meine, dass dies nicht in ausreichendem Maße geschehen ist und dass der Fachkräftemangel eine Bankrotterklärung für die Personalentwickler in den Unternehmen ist. Was wurde bisher entwickelt? Am Bedarf vorbei oder in Übereinstimmung mit dem Unternehmenswachstum und mit der Unternehmensstrategie?

Die Herausgabe von umfangreichen Seminarkatalogen, aus denen sich jeder Mitarbeiter ein Seminar aussuchen kann, geht ganz klar am Bedarf vorbei. Ebenso gehen die gut gemeinten Ideen von Führungskräften am Bedarf vorbei, die ihren Mitarbeitern den Besuch eines Seminars ihrer Wahl gestatten und dies als Motivationsspritze betrachten. Sicherlich, Mitarbeitermotivation ist wichtig. Echte Motivation wäre jedoch, wenn die Führungskräfte mit ihren Mitarbeitern deren Entwicklungspotenzial analysieren und eine Perspektive aufzeigen würden. Bei der Analyse ergibt sich dann ein Delta zwischen aktuellem Stand und der Perspektive. Und hierfür sind schließlich Seminare auszuwählen, die den Mitarbeiter dorthin bringen, wo er sich und die Führungskraft ihn gerne sehen möchte.