Beim Recruiting auf mehrere Kanäle setzen

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Unternehmen sind beim Active Sourcing noch etwas zögerlich. Dabei stehen Kandidaten der Direktansprache offen gegenüber. Auch Jobempfehlungen aus dem persönlichen Netzwerk werden positiv gesehen. Das zeigt eine aktuelle Studie.

Die aktive Bewerberansprache von Unternehmen wird in Deutschland populärer, dennoch wird sie von den meisten Firmen noch sehr defensiv angegangen. Und das, obgleich die Mehrheit der Arbeitnehmer der aktiven Ansprache sehr offen gegenüber steht, selbst wenn sie den Job gar nicht wechseln möchten. Das verdeutlichen die Ergebnisse der „Social-Recruiting-Studie 2016“.

Für die Studie, die gemeinsam von der Talentry GmbH und dem Lehrstuhl für Entrepreneurship der Technischen Universität München (TUM) durchgeführt wurde, sind insgesamt 257 Arbeitnehmer aller Fachbereiche, Branchen und Altersklassen zu den Themen Active Sourcing und Mitarbeiterempfehlungsprogramme (MEP) befragt worden. Zusätzlich wurden Tiefeninterviews mit HR-Verantwortlichen aus Konzernen und KMUs durchgeführt. Die Ergebnisse sind durchaus überraschend: Sie belegen eine deutliche Diskrepanz zwischen den Erwartungen potenzieller Kandidaten und den vorherrschenden Recruiting-Strategien der Unternehmen.

Aktive Ansprache

Insgesamt kamen nur knapp 13 Prozent der befragten Personen durch eine aktive und direkte Ansprache durch die Personalabteilung zu ihrem aktuellen Job. Im Gegensatz dazu sind 94,2 Prozent der Studienteilnehmer generell damit einverstanden für ein Jobangebot von einem Unternehmen direkt kontaktiert zu werden, selbst wenn sie nicht wechselwillig sind. Über 20 Prozent der Befragten gaben an, zwar nicht aktiv nach einem neuen Arbeitsverhältnis auf der Suche zu sein, jedoch durchaus über einen Wechsel nachzudenken. Hauptgründe für diese Passivität auf Bewerberseite sind laut unserer Studie umständliche Bewerbungsprozesse, schlechte Feedback-Kultur der Unternehmen in laufenden Bewerbungsprozessen sowie zu umfangreiche Ausschreibungen.

Weiter gaben knapp drei Viertel der Teilnehmer an, bereits ein- oder mehrmals aktiv mit einem konkreten Jobangebot kontaktiert worden zu sein. Von über 90 Prozent der Studienteilnehmer wurde eine solche direkte Ansprache neutral bis positiv aufgenommen, bei jedem Dritten verbesserte sich dadurch sogar die Einstellung gegenüber dem suchenden Unternehmen. Die direkte Ansprache im Recruiting leistet also, quasi als Nebeneffekt, einen zentralen Beitrag zum Aufbau und der Pflege einer attraktiven Arbeitgebermarke.

Empfehlungen von Mitarbeitern

Bei der Rekrutierung über Mitarbeiterempfehlungen sind Unternehmen in Deutschland schon einen Schritt weiter als bei der aktiven und direkten Ansprache. So gaben rund ein Viertel der Teilnehmer an, zu ihrem aktuellen Arbeitgeber über eine Empfehlung aus dem Bekannten- oder Freundeskreis gekommen zu sein. Über 80 Prozent derjenigen, die schon einmal über ihr Netzwerk einen Job empfohlen bekommen hatten, empfanden dies als positives Signal, unabhängig davon, ob sie das Angebot annahmen oder nicht. Diese Zahlen unterstreichen unserer Meinung nach die Bedeutung und das Potenzial von Mitarbeiterempfehlungen.

Das liegt vor allem daran, dass Empfehlungen von Bekannten als besonders authentisch eingestuft werden. Tipps und Informationen, die direkt von vertrauten Kontakten kommen, sind nach Karriere-Webseiten die zweitwichtigste Quelle, wenn es darum geht, Informationen über potentielle Arbeitgeber einzuholen.

Es macht also durchaus Sinn für Unternehmen, wenn sie ihre Recruiting-Aktivitäten in beide Richtungen – sowohl im Hinblick auf Active Sourcing als auch im Hinblick auf MEP –  ausweiten, denn Multi-Channel-Lösungen werden zukünftig für die Rekrutierung neuer Mitarbeiter unumgänglich sein.


Eine ausführliche Version der „Social-Recruiting-Studie 2016“ gibt es unter www.talentry.de/materialien/