Betriebliches Gesund­heits­management in Zeiten von Corona

Wie verändern sich die Angebote des Betrieblichen Gesundheitsmanagements und der Gesundheitsförderung durch die Corona-Pandemie?
© gettyimages / tommaso79

Wie verändern sich die Angebote des betrieblichen Gesundheitsmanagements und der Gesundheitsförderung durch die Corona-Pandemie?

Die Corona-Krise hat die Arbeitswelt für alle Arbeitnehmer:innen schlagartig verändert. Politische und wirtschaftliche Gewissheiten haben in wenigen Wochen ihre Gültigkeit verloren. Was zunächst als „kurze Phase“ eingestuft wurde, entwickelt sich langsam, aber sicher zu einer langfristigen und tiefgreifenden Veränderung unseres Arbeitsalltags. „Remote Work“ ist mittlerweile für jedes Unternehmen ein Begriff. Laut einer aktuellen Umfrage möchte jede:r dritte Arbeitnehmer:in auch zukünftig weiterhin von Zuhause aus arbeiten.

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Führende Gesundheitswissenschaftler:innen bewerten die neue Arbeitssituation kritisch, denn niemand kann die neuen Belastungen ganzheitlich und empirisch beurteilen. Sicher ist, die Notwendigkeit der kurzfristigen Digitalisierungsprozesse zur Umstellung auf „remote“ und die resultierenden veränderten Arbeitsbedingungen bringen eine neue Work-Life-Situation mit sich. Eine zentrale Rolle nimmt hierbei das betriebliche Gesundheitsmanagement ein, welches sicherstellt, dass Mitarbeiter:innen nachhaltig gesund und leistungsfähig bleiben.

Zunehmende Digitalisierung erfordert mehr Flexibilität

Mit Blick auf die Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung, die Unternehmen ihren Mitarbeiter:innen im Moment anbieten, wird deutlich: Was sich Anfang des Jahres schon als Trend herauskristallisiert hat, wurde nun im Eiltempo umgesetzt. BGF-Maßnahmen müssen die rasant zunehmende Digitalisierung, die Agilität und die schnelllebigen Veränderungen der Arbeitswelt berücksichtigen, um für Arbeitgeber und Mitarbeiter:innen attraktiv zu sein. Wer als Dienstleister bei diesem schnellen Tempo nicht mithalten kann, hat oft schlechte Karten. Angepasst an die Arbeitsbedingungen während der Krise müssen die Angebote sowohl zeit- als auch ortsunabhängig sein – es ist also eine Menge Flexibilität gefragt. In der Flut an Online-Angeboten, die für ein Unternehmen passenden Maßnahmen zu finden ist dabei eine schwierige Aufgabe. Erste Ergebnisse aus Unternehmensbefragungen der move UP GmbH zeigen: digitale Angebote wie Live-Trainings, Coachings oder Webinare müssen zielgruppenorientiert sein, einen direkten Mehrwert bieten und für Unternehmen maßgeschneidert entwickelt werden. Analoge Standard-Angebote, wie beispielsweise eine Arbeitsplatzbegehung zur Optimierung der ergonomischen Verhältnisse, sind aktuell nicht mehr umsetzbar. Dabei sind solche Angebote gerade jetzt notwendig, da vielen bereits nach kurzer Zeit im Homeoffice klar wird: Der häusliche Arbeitsplatz ist oft ergonomisch nicht optimal eingerichtet. Ein digitales Angebot muss daher an genau dieser Stelle anzuknüpfen. Wichtige Fragen, die im Rahmen des BGF aufgegriffen und geklärt werden müssen, sind: „Wie kann ich meinen Arbeitsplatz zuhause optimieren?“ „Welche Mittel stehen mir dazu zur Verfügung?“ und „Was kann ich tun, um mögliche negative physische und psychische Auswirkungen dieser „remote“ Arbeitsform zu verhindern?“ Nur wenn die Angebote so konzipiert sind, dass sie den Mitarbeiter:innen in ihrer aktuellen Situation nützen, zeigt sich eine nachhaltige Nutzungsdauer und Akzeptanz. Digitale Angebote haben dann den großen Vorteil, dass sie sogar eine größere Reichweite als analoge Angebote erzielen. Wichtig hierbei: alle Maßnahmen sollten transparent messbar gemacht und anhand von Zielen (KPIs) bewertet werden.

Digitale Lösungen als Chance und Herausforderung

Wie eine Studie aus 2019 gezeigt hat, galten im letzten Jahr digitale Tools und Angebote lediglich als Ergänzung und spielten noch keine große Rolle im BGM. Mit der Corona-Pandemie kam die große Veränderung: um die Mitarbeiter:innen weiterhin erreichen zu können, mussten schnell innovative, digitale Lösungen entwickelt werden. Hieraus ergab sich ein entscheidender Vorteil: die Mitarbeiter:innen konnten nicht nur weiterhin erreicht werden, es konnten sogar noch deutlich mehr Mitarbeiter:innen erreicht werden. Die Reichweite gesundheitsförderlicher Angebote steigerte sich von heute auf morgen immens. Eine weitere Chance der Pandemie: Das Thema Gesundheit ist in den Köpfen omnipräsent. Ein guter Zeitpunkt also, um neue Inhalte und Angebote zu platzieren. Um die Potentiale der Krise bestmöglich zu nutzen, sind innovative Angebote mit USP gefragt, die sich vom Einheitsbrei und der immensen Flut an Online-Angeboten abheben. Vollkommen neue Formate, wie beispielsweise ein „5-AM-Club“, bringen Schwung in das BGF/BGM-Geschehen und wecken die Aufmerksamkeit der Mitarbeiter:innen. Innovative, abwechslungsreiche Maßnahmen, die beispielsweise einen Challenge-Charakter oder Gamification-Faktor besitzen, halten die Motivation der Mitarbeiter:innen konstant hoch. So wird eine langfristige Inanspruchnahme der Angebote gesichert und damit eine nachhaltige gesundheitspositive Wirkung erzielt.

BGM als nachhaltige Unternehmensstütze und wirtschaftliche Säule gesunder Mitarbeiter:innen

In Zeiten von Corona-Pandemie und Kurzarbeit stehen externe Kostenfaktoren extrem auf dem Prüfstand. Das Resultat: viele Unternehmen kürzen BGF-Budgets und reduzieren aufgebaute BGM-Strukturen und damit verbundene Stellen auf ein Minimum. Doch was ist das Resultat dieser Kürzungen? Über Jahre entwickelte Strukturen, die meist mit einer Veränderung betrieblicher Prozesse und nicht unerheblichen Kosten verknüpft sind, müssen im schlimmsten Fall wieder komplett neu aufgebaut werden. Die Folge: Zeitverlust in der Entwicklung nachhaltiger BGM-Strukturen und finanzielle Einbußen. Sollten die unternehmensinternen Ressourcen nicht ausreichen, besteht gerade jetzt die Möglichkeit externer Unterstützung. Krankenkassen greifen Unternehmen bei der Finanzierung und Umsetzung von Gesundheitsaktionen aktuell gerne unter die Arme.

Man sollte nicht aus den Augen verlieren, dass Investitionen in funktionierende BGM-Strukturen stets langfristige Investitionen in die Mitarbeitergesundheit darstellen. Sind diese eingebettet in nachhaltig aufgebaute Prozesse und Strategien, fungiert das Betriebliche Gesundheitsmanagement als wichtige wirtschaftliche Stütze des Unternehmens. Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie gilt es nun Strukturen und Prozesse grundlegend zu hinterfragen, um deren „Stütz-Funktion“ im Unternehmen und somit deren nachhaltige Wirkung zu gewährleisten. Doch wo fängt man am besten an? Zunächst muss die veränderte Ausgangslage analysiert und Zielgruppencluster komplett neu gedacht werden. Auf Grundlage der Analyseergebnisse können differenziertere Strukturen geschaffen bzw. neu ausgerollt werden. Ist diese Umgestaltung zwingend notwendig? Ja – Denn durch die veränderte Arbeitswelt und die Neustrukturierung der Organisationsabläufe haben sich auch die Herausforderungen und Belastungen der Mitarbeiter:innen gewandelt. Bedenkt man auf welcher Grundlage die BGM-Strukturen initiiert wurden, wird schnell klar, dass ein Wandel unaufhaltsam ist. Während vor Corona der Großteil der Maßnahmen analog vor Ort im Büro umgesetzt werden konnte und sich die Inhalte speziell an diesen Belastungen orientierten, stehen nun Homeoffice & Co im Fokus. Eine wichtige Rolle spielen inzwischen auch kommunikative Maßnahmen. Der Grund hierfür: die dezentrale Verteilung der Mitarbeiter:innen sowie die neue Maßnahmenvielfalt. Kommunikationsstrukturen und Marketingmaßnahmen müssen präzise auf die neue Situation abgestimmt werden, um eine Begierlichkeit bei den Mitarbeiter:innen zu wecken und eine größtmögliche Zielgruppe zu erreichen. Werden diese Aspekte berücksichtigt und die verfügbaren Gelder gezielt und durchdacht eingesetzt, gelingt es auch in Krisenzeiten ein nachhaltiges und gut funktionierendes BGM zu implementieren beziehungsweise am Laufen zu halten.

Wie also sieht die neue BGM/BGF-Welt aus? Die Maßnahmen werden flexibler, individueller und klarer an KPIs definiert und gemessen.