Immer weniger Unternehmen fordern Anschreiben

Nur 28 Prozent der Großunternehmen fordern Anschreiben in ihren Bewerbungen.
© gettyimages / Chainarong Prasertthai

Eine Untersuchung von Taledo zeigt: In Online-Bewerbungen für IT-Positionen fordern nur noch 28 Prozent der deutschen Großkonzerne ein Motivationsschreiben.

Schon seit Sommer 2018 ist bei der Deutschen Bahn in Bewerbungen angehender Azubis ein Anschreiben nicht mehr verpflichtend. Auch in anderen deutschen Großunternehmen verliert es zunehmend an Relevanz. Die Recruiting-Plattform Taledo hat die Online-Bewerbungsverfahren von Stellenausschreibungen aus dem IT-Bereich in den 50 umsatzstärksten Unternehmen Deutschlands untersucht. Das Ergebnis: Nur 14 der untersuchten Konzerne fordern explizit ein Anschreiben, darunter Porsche, Daimler, Bayer und Vattenfall. 64 Prozent der Unternehmen überlassen dagegen den Bewerber:innen die Entscheidung, ob sie ein Motivationsschreiben anhängen möchten. Bei Robert Bosch gibt es im Online-Bewerbungsprozess nicht einmal mehr die Möglichkeit, der Bewerbung ein Anschreiben beizufügen.

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Auch Zeugnisse werden unüblich

Arbeitszeugnisse der letzten Jobs oder Abschlusszeugnisse aus Schule oder Universität scheinen ebenfalls langsam aus den üblichen Bewerbungsunterlagen zu verschwinden. Nur acht der 50 untersuchten Unternehmen fordern relevante Zeugnisse, darunter Aldi Süd und Media-Saturn. Bei drei Unternehmen gibt es dafür gar keine Upload-Option.

Der Lebenslauf dagegen bleibt ein wichtiges Dokument in Online-Bewerbungen: Er ist bei rund 74 Prozent der Unternehmen Pflicht. 20 Prozent der Unternehmen, darunter die BASF, Baywa und die Deutsche Bahn, stellen es Bewerber:innen frei, ob sie einen Lebenslauf anhängen möchten. Manche Bewerbungen können Kandidat:innen ganz ohne den Upload von Dokumenten abschließen, wie etwa für die Position „Software-Entwickler C#/.NET (w/m/d)“ bei Marquard & Bahls.

Bewerbungsverfahren müssen einfacher werden

Personalmarketingexperte Jörg Buckmann plädierte bereits letztes Jahr für einen Abschied des Motivationsschreibens. Es sei „ein Abklatsch aus einer Zeit, als Stellensuchende Bittsteller waren und ihre guten Absichten gefälligst unter Beweis zu stellen hatten“. Ein Anschreiben sei außerdem meist wenig aussagekräftig und mache Bewerbungsverfahren unnötig kompliziert. Auch Taledo-Chef Melikshah Ünver ist der Meinung, dass im Hinblick auf den Fachkräftemangel Bewerbungsprozesse sowohl für Bewerber:innen als auch für Unternehmen schneller, effizienter und schlanker werden müssen. Der Untersuchung zufolge sind zumindest einige Unternehmen auf einem guten Weg.

Weitere Informationen zur Studie finden Sie hier.