Face-to-Face statt Facebook: Beziehungen im Unternehmen

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(c) gettyimages/Hero Images
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Digitale Kommunikation spart Zeit und Geld – doch zwischenmenschliche Beziehungen im Unternehmen werden vor allem durch persönliche Gespräche aufgebaut.

Die Digitalisierung ist zweifelsohne eine tolle Sache, die vielerorts den Arbeitsalltag revolutioniert hat: verschlankt, beschleunigt, verändert. So weit, so gut. Bei allen Tools und Digitalstrategien darf aber die Ressource Mensch und deren Hauptbedürfnis nicht in Vergessenheit geraten: persönliche Verbindungen, authentische Kommunikation und Beziehungen zu den Mitmenschen, die nicht per E-Mail oder WhatsApp aufgebaut werden können.

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Es erleichtert die täglichen Arbeitsabläufe, wenn das Intranet des Unternehmens mit Leitfäden und Best-Practice-Beispielen aufwarten kann; wenn Projekt- oder Teilzuständigkeiten direkt bei Trello geklärt werden können, ohne ein aufwändiges Meeting einzuberufen, und, falls ein persönliches Meeting doch unerlässlich ist, die Räumlichkeiten dafür direkt im virtuellen Planungstool reserviert werden können. Für die soziale Komponente des Arbeitstages können in der Mittagspause Likes auf Facebook und Xing verteilt werden. Die Vorteile der Digitalisierung liegen auf der Hand: Zeit und damit Geld, zwei der wichtigsten Ressourcen im unternehmerischen Alltag, werden im Idealfall durch die Tools und kurzen Kommunikationswege eingespart beziehungsweise gewonnen.

Vergessen wird dabei leider oft, dass durch den virtuellen Raum auch ein ganz entscheidender Faktor für den Unternehmenserfolg auf dem Spiel steht: Zwischenmenschliche Beziehungen – eine Ressource, die sich nicht digitalisieren lässt, aber enorm wichtig ist.

Erst sozial, dann soziale Netzwerke

Mitarbeiter verlassen keine Unternehmen, Mitarbeiter verlassen Vorgesetzte. Und zwar insbesondere dann, wenn zu ihnen keine wirkliche Bindung besteht. Wenn die Beziehung nicht passt und eine stabile Basis gar nicht erst gebaut wurde. Situationen, um Mitarbeiterbeziehungen zu knüpfen und zu festigen, gibt es im Arbeitsalltag eigentlich viele. Doch viel zu häufig wird auf das Team-Kommunikationstool Slack verwiesen oder im Fahrstuhl und in der Mittagspause auf das Smartphone gestarrt. So verpufft ein Großteil der zwischenmenschlichen Kommunikation im digitalen Nirvana.

Digital ist gut und jedes Tool hat seine Daseinsberechtigung – aber erst dann, wenn eine Beziehung zum Gegenüber bereits besteht, die anschließend durch die entsprechenden Netzwerke und digitalen Hilfestellungen rechts und links des Weges ausgebaut werden kann. Denn Emotionen sind in einem realen Gesicht leichter, detaillierter und verlässlicher zu lesen als an einem Emoticon. Hinzu kommt, dass Sie Details, Vorlieben und Ängste des Mitarbeiters auch eher in einem persönlichen vertraulichen Gespräch erfahren als in einem Chat. Interesse für den Mitarbeiter zeigen, in Echtzeit interagieren, Verbindlichkeit ausstrahlen und erzeugen – das alles funktioniert in einem ersten Schritt am besten mit dem traditionellen „Tool“ Face-to-Face-Gespräch. Dann spricht auch nichts gegen ein „Like“, das darauffolgt.

Mit sprachlichen Mitteln das Fundament legen

Insbesondere im oft hektischen Business-Alltag scheint es oft leichter und effizienter, kurz auf die digitalen Helfer zurückzugreifen, statt sich auf ein Gespräch einzulassen. Vielmehr noch, wenn dieses Gespräch keinem offensichtlichen Nutzen dient. Small Talk hat in der Geschäftswelt nach wie vor ein Imageproblem, wird als irrelevant und zeitfressend abgestempelt – mit schlimmstenfalls fatalen Folgen. Denn die „absichtslosen Gespräche“, wie Small Talk im Fachjargon genannt wird, sind das Kommunikationstool Nummer eins im Bereich des Beziehungsauf- und Ausbaus. Und viel Zeit nehmen sie ebenfalls nicht in Anspruch. Richtig angewandt reichen bereits ein paar Minuten, um Sympathie und Bindung zu schaffen, die schließlich in VerBINDlichkeit resultieren. Mit Small Talk kann man ein Netzwerk bauen, das deutlich tragfähiger ist als die virtuellen – und Sie holen Menschen nicht nur mit Argumenten auf rationaler, sondern auch auf emotionaler Ebene ab. Beide Faktoren sind gleichermaßen wichtig für eine langfristige und erfolgreiche Zusammenarbeit, in die sich jeder einbringt. Nicht, weil er muss, sondern weil er will. Mit einigen Methoden lassen sich Small-Talk-Skills auf die nächste Ebene heben.

Zuhören ist besser als reden

Auch wenn es um Small Talk geht, ist es mindestens ebenso wichtig, aufmerksam und aktiv zuzuhören. Dadurch wird Interesse am Gesprächspartner signalisiert und man gewinnt die nötigen Hintergrundinformationen, um bei zukünftigen Gesprächen darauf aufzubauen, den Mitarbeiter besser zu verstehen und auf ihn eingehen zu können. Nicken oder zustimmende Geräusche und Worte verstärken dabei den Eindruck eines wirklich interessierten Gegenübers. Außerdem symbolisiert das aufmerksame Zuhören Respekt vor dem Gesprächspartner, welches dieser unterbewusst spüren wird. Wer hingegen „abdriftet“, sobald seine eigene Redezeit vorbei ist, tut nicht nur nichts für den Aufbau einer Mitarbeiterbeziehung, sondern sabotiert diese eher. Deutlicher kann man nicht sagen: Was du erzählst, ist mir nicht wirklich wichtig.

Wahrnehmung, Anerkennung, Achtung

In dieselbe Richtung geht auch dieser Dreisatz. Beim Small Talk geht es vor allem darum, Verbindungen zu suchen und Beziehungen aufzubauen. Daher sollte man stets sein Gegenüber in Blick und Gedanken bewahren. Regiert der Gesprächspartner auf eine Frage, indem er sich wegdreht? Fühlt er sich unwohl? Dann ist ein Themenwechsel angesagt. Artet das Gespräch in einen Monolog aus, weil der Gegenüber offensichtlich nichts zum Thema beitragen kann oder möchte, gilt dasselbe Prinzip. Ganz besonders wichtig: Auch wenn der Gesprächspartner anderer Meinung ist, sollte man ihm den Respekt entgegenbringen, zuzuhören und seine Ansichten anzuerkennen, auch wenn man sie nicht teilt.

Fazit

Wer eine gute Beziehung zum Vorgesetzten hat und sich verstanden, gehört und respektiert fühlt, bleibt eher beim Unternehmen und verrichtet nicht nur „Dienst nach Vorschrift“. Dazu braucht es vom Vorgesetzten ehrliches Interesse, das über digitale Tools nicht vermittelt werden kann. Das persönliche Gespräch mit all seinen Möglichkeiten darf in erfolgsorientierten Unternehmen nicht hinfort digitalisiert werden.

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