Coming-out eines Vordenkers

Homosexualität ist vor allem auf der Ebene der Spitzenmanager immer noch ein Tabu. Thomas Sattelberger, einer der bekanntesten und profiliertesten Köpfe in der HR-Szene, hat sich nun im Rahmen einer Charity-Veranstaltung geoutet.

Eigentlich sollte die Sexualität im Job keine Rolle spielen. Doch gerade bei Topmanagern ist das Thema brisant. Von ihnen werden unter anderem Durchsetzungs- und Entscheidungsstärke verlangt, Eigenschaften, die mit den weitverbreiteten Vorurteilen über Homosexualität nicht zusammenpassen. Es gibt daher bisher kaum Vorstände, die sich öffentlich geoutet haben – aus Angst vor dem Karriereknick.

Jetzt hat sich mit dem ehemaligen Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger einer der führenden Köpfe im Personalwesen indirekt geoutet. Laut dem schwul-lesbischen Magazin Queer hat dieser im Rahmen einer Gala-Veranstaltung der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, die nach dem Mitbegründer der ersten deutschen Homosexuellenbewegung benannt ist, von seinem Partner gesprochen: „Er griff zum Mikro und sagte, er sei heute mit seinem Lebenspartner zum Charity-Dinner gekommen und werde sich gerne im Förderkreis der Stiftung engagieren. Darauf gab es tobenden Applaus und Bravo-Rufe.“ Dem Portal nach hatte Sattelberger, der bereits fünfmal vom Personalmagazin zu den „40 führenden Köpfen im Personalwesen“ gezählt wurde, zuvor nie über seine sexuelle Orientierung gesprochen.

Sattelbergers Bekenntnis kommt spät, erst nach seiner aktiven Managerkarriere, während der er sich sehr stark für Diversity-Themen eingesetzt hat. Ob es sein Standing noch verstärkt hätte, wenn er seine eigene Homosexualität früher öffentlich gemacht hätte, lässt sich nur schwer einschätzen.

Der Völklinger Kreis, der Bundesverband schwuler Führungskräfte, gibt keine konkreten Handlungsempfehlungen zum Thema Outing. Dem Human Resources Manager sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Réne Behr kürzlich, dass er selbst immer gut damit gefahren sei, offen mit dem Thema umzugehen und dass es zu viel Energie koste, ein Versteckspiel aufrechtzuerhalten. Meist seien auch die Ängste der Betroffenen vor den Reaktionen der Kollegen und den Konsequenzen für die Karriere viel größer, als das, was dann tatsächlich eintritt.