Schluss mit der Präsenzarbeit!

Die Corona-Pandemie zeigt: Arbeit im Homeoffice und Videokonferenzen funktionieren. Aber wird die Krise wirklich zum Treiber flexibler Arbeitsmodelle?
© gettyimages / Milan Gucic

Die Corona-Pandemie zeigt: Arbeit im Homeoffice und Videokonferenzen funktionieren. Aber wird die Krise wirklich zum Treiber flexibler Arbeitsmodelle?

Das Corona-Virus verändert unsere Arbeitswelt: Millionen Menschen arbeiten derzeit im Homeoffice. Selbst die Bundeskanzlerin war zeitweise in Heimarbeit. Natürlich hat die Pandemie schlimme Folgen – aber vielleicht bringt sie auch Fortschritte für unsere Arbeitswelt?

Jetzige Zwangslage macht Homeoffice zum Alltag

Viele Arbeitnehmer sind aktuell im Homeoffice. Etwas, das in Deutschland bisher die Ausnahme war, wird zur neuen Realität. Laut einer aktuellen Studie des Digitalverbands Bitkom ist jeder zweite Berufstätige erstmals von Heimarbeit betroffen. Das wird die Zeit nach der Krise für immer beeinflussen.

So werden viele Unternehmen, die zuvor noch zögerlich beim Thema Homeoffice waren, künftig umdenken müssen. Die Kombination aus Präsenzarbeit und Homeoffice wird sich also stärker durchsetzen. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass Homeoffice von vielen Arbeitnehmern erst noch gelernt werden muss. Denn wenn immer mehr von zu Hause aus arbeiten, besteht die Gefahr, dass das Betriebsklima auf der Strecke bleibt.

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Daher ist es wichtig, die Hemmschwelle abzubauen und auch im Homeoffice weiterhin direkt ansprechbar zu bleiben, beispielsweise per Telefon. Genauso wie im Büro hilft es, wenn sich Kollegen gegenseitig anrufen können, um zu fragen, ob jemand Hilfe braucht. Auch regelmäßige Online-Meetings sind wichtig, um im Austausch zu bleiben.

Homeoffice oder Büro: Wo sind Angestellte besser aufgehoben?

Etliche Wissenschaftler haben sich mit dieser Frage bereits beschäftigt. So auch ein Forscherteam des Stanford-Professors Nicholas Bloom, das 500 Angestellte beobachtet hat. 250 Personen haben alleine und konzentriert gearbeitet; die anderen 250 mit Kollegen unter ständiger Ablenkung.

Das Ergebnis: Die Mitarbeiter waren daheim zwar 13 Prozent produktiver als im Büro und im Durchschnitt sogar zufriedener mit sich und ihrer Leistung. Die Studie merkt aber auch an, dass sich die Hälfte der Remote-Worker nach dem Experiment trotzdem wieder für das Büro entschieden hat. Aus zwei Gründen: Zum einen fühlten sich die Angestellten nach einiger Zeit isoliert und zum anderen erhielten sie deutlich weniger Anerkennung für ihre geleistete Arbeit. Das führte dazu, dass vor allem Mitarbeiter, die daraus ihre Kraft schöpfen, resignierten.

Die Studie unterstreicht, dass nicht jeder Angestellte fürs Homeoffice gemacht ist. Für einige ist es nicht so einfach, seine Aufgaben in Heimarbeit zu organisieren. Sie benötigen den Input und Austausch mit anderen Kollegen. Andere hingegen kommen sehr gut alleine zurecht. Deswegen ist Homeoffice auch immer eine Frage der persönlichen Vorlieben. Generell sollten Angestellte die Flexibilität aber auch nutzen, um die Arbeitszeit dem eigenen Rhythmus anzupassen. In einigen Fällen sind Mitarbeiter im Homeoffice dadurch länger und entspannter ansprechbar, weil sie sich ihre Themen selbst einteilen und darüber entscheiden können, wie sie ihre Zeit nutzen.

Für Besprechungen nicht mehr um die halbe Welt reisen

Die Corona-Krise zeigt nun auch: Nicht jeder geschäftliche Termin muss zwingend mit einer Dienstreise und CO2-Ausstoß verbunden sein – eine Videokonferenz reicht oft aus. Bestimmt werden Dienstreisen wieder häufiger anstehen, sobald die Wirtschaft hochfährt. Jedoch werden immer mehr Angestellten und auch Chefs gerade bewusst, dass nicht immer physische Nähe notwendig ist, um erfolgreich zu sein. Wer bereits zum Arbeiten in eine andere Stadt gezogen ist, wusste schon, dass das geht. Jetzt wissen es die anderen auch.

Letztlich sparen virtuelle Meetings auch eine Menge Zeit, weil wir für Besprechungen oder Seminare nicht mehr durch die halbe Welt reisen müssen. Und das ist dann auch gut fürs Klima – und so vor allem für junge Arbeitnehmer eine entscheidende Folge der Krise, auf die sich Arbeitgeber künftig einstellen sollten. Denn ein hohes Umweltbewusstsein ist eine der größten Erwartungen, die insbesondere Millennials und Generation Z an ihren Arbeitgeber stellen. Das hat auch der Employee Expectations Report von Peakon ergeben. Laut der Datenanalyse, die 80 Millionen Umfrageantworten und 14 Millionen Umfragekommentare aus über 160 Ländern umfasst, nahmen Diskussionen zum Thema Umweltschutz bei Arbeitnehmern der Generation Z im Jahr 2019 um 128 Prozent zu, gefolgt von den Millennials mit 62 Prozent mehr als im Vorjahr.

Corona als Treiber für flexible Arbeitsmodelle: Wird es dazu kommen?

Welche Auswirkungen die Pandemie auf Homeoffice und die Flexibilisierung der Arbeitszeit in Deutschland haben wird, werden wir erst noch sehen müssen. Was aber schon jetzt klar ist: In der Post-Corona-Arbeitswelt wird sich die Heimarbeit für immer verändert haben. Firmen müssen also schon jetzt umdenken, weil sie gerade lernen, welche Arbeitszeitmodelle bei wem funktionieren. Und für die Belegschaft wird deutlich, welches Set-up am besten für sie ist. Zudem beweist die Krise vor allem Unternehmen, die vorher gegen eine Flexibilisierung waren, dass Homeoffice möglich ist.

Nach Corona werden Arbeitnehmer also unterschiedliche Erwartungen an ihre Arbeitgeber stellen. Unternehmen sollten sich daher anpassen und agil werden, um schnell darauf reagieren zu können. Hier kann es nach der Krise helfen zu testen, welche Arbeitszeitmodelle sich für die eigene Belegschaft am besten eignen. Vielleicht ist eine Unternehmenspolitik der flexiblen Arbeitszeitgestaltung, die über das Homeoffice hinausgeht, mehr von Nutzen als zu definieren, wie viele Tage von zu Hause aus gearbeitet werden kann oder nicht. In jedem Fall sollten Arbeitnehmer aber die Flexibilität von ihren Arbeitgebern gestellt bekommen, um Homeoffice einfordern zu können – ohne dabei beurteilt zu werden.