Bewusstsein für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz steigt

Seit Corona rückt das Thema psychische Gesundheit in den Fokus. Wie können Unternehmen ihre Mitarbeitenden in der Pandemie und darüber hinaus unterstützen?
© gettyimages / PrathanChorruangsak

Seit Corona rückt das Thema psychische Gesundheit in den Fokus. Wie können Unternehmen ihre Mitarbeitenden in der Pandemie und darüber hinaus unterstützen?

Das Thema psychische Gesundheit rückt in vielen deutschen Unternehmen zunehmend in den Fokus. Auch wenn die Pandemie das Bewusstsein für die Thematik geschärft hat, litten auch schon lange vorher viele Mitarbeitender unter psychischen Belastungen. So haben sich laut einer Studie der Krankenkasse AOK die Krankheitsfälle aufgrund von Burnout in Deutschland in den letzten zehn Jahren mehr als verdreifacht und waren 2018 für geschätzt 3,9 Millionen Krankheitstage verantwortlich.

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Im Rahmen unserer international angelegten Visual GPS-Studie haben wir über 10.000 Verbraucherinnen und Verbraucher befragt. Ziel war es, die Faktoren zu verstehen, die ihre Entscheidungsfindung und damit ihre visuellen Präferenzen beeinflussen. Ein Ergebnis war, dass die Deutschen die psychische mit der physischen und emotionalen Gesundheit auf eine Stufe stellen. Es überrascht nicht, dass 43 Prozent der Befragten zudem annehmen, dass aufgrund der Pandemie mehr Fälle von Depressionen diagnostiziert werden.

Offene Kommunikation wichtig

Angesichts der beispiellosen Aufgabe, die der Umgang mit Covid-19 mit sich brachte, mussten auch wir bei iStock schnell reagieren und haben eine Reihe von Initiativen erarbeitet, um unsere Mitarbeitende zu unterstützen. Dabei haben wir vieles ausprobiert und ständig dazugelernt. Zum Beispiel war uns schon lange klar, wie wertvoll eine offene Kommunikation ist. Mit dem Ausbruch der Pandemie wurde sie jedoch noch wichtiger. So rasch wie möglich haben wir dem Unternehmen unseren Plan mitgeteilt, wie wir die Pandemie angehen wollen. So konnten wir unser Bestes tun, um unsere Mitarbeitenden in Bezug auf die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze zu beruhigen und jegliche Bedenken auszuräumen. Wir haben einen Handlungsrahmen für Entscheidungen erstellt, der auf drei Säulen basiert: die Sicherheit und das Wohlergehen der Mitarbeitenden und ihrer Familien, unser Beitrag zur Eindämmung der Infektionsrate und die Sicherung der langfristigen Stabilität unseres Unternehmens. Einmal wöchentlich informieren wir über die neuesten Corona-Nachrichten und konzentrieren uns auf unsere fortlaufende Unterstützung der psychischen Gesundheit und des Wohlbefindens.

Virtuelle Formate gute Ergänzung

Bereits vor der Pandemie hatten wir ein Programm eingerichtet, das Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach dem Zufallsprinzip für eine Kaffeepause zusammenbringt. So können sie mit Kolleginnen und Kollegen in Kontakt treten, mit denen sie sonst nicht direkt zusammenarbeiten. Nach dem Ausbruch der Pandemie haben wir es auf ein virtuelles Format umgestellt. Denn gerade die spontanen Gespräche in der Küche oder zufällige Treffen am Wasserspender fehlen einfach, wenn man von zu Hause arbeitet, und wir wollen damit das Gemeinschaftsgefühl am Arbeitsplatz aufleben lassen.

Zu Beginn der Pandemie haben wir außerdem wöchentliche virtuelle Treffen mit unserem CEO und den Senior Leaders sowie „Kaffeetreffen“ mit dem HR-Team organisiert, um den Mitarbeitenden die Möglichkeit zu bieten, sich direkt mit den Führungskräften über unterschiedliche Themen auszutauschen. Dabei haben wir festgestellt, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht nur Kommunikation und Führung seitens der Chefetage wünschen. Darüber hinaus gibt es auch individuelle Anliegen, die sie untereinander besprechen möchten. Neben virtuellen Team-Events haben wir außerdem spezielle Slack-Gruppen eingerichtet. Dazu gehört zum Beispiel ein Kanal für berufstätige Eltern oder eine Gruppe für Telearbeit, in der Kolleginnen und Kollegen Tipps austauschen und sich gegenseitig unterstützen können. Das kam definitiv gut an, denn wir konnten unsere Slack-Nutzung im Jahr 2020 weltweit um 25 Prozent steigern.

Psychische Gesundheit normalisieren

Die Normalisierung der Diskussion über psychische Gesundheit ist ebenfalls sehr wichtig. Im HR-Team ermutigen wir die Führungskräfte, offen über ihren eigenen Umgang mit psychischen Belastungen zu sprechen. Das sorgt dafür, dass sich die Mitarbeitenden wohler fühlen und weniger befangen sind, wenn sie selbst um Unterstützung bitten müssen. Wir verfolgen einen vielschichtigen Ansatz, um alle Beteiligten über die Bedeutung von Achtsamkeit aufzuklären – sei es durch Webinare, Programme wie unsere 24-Stunden-Hilfe für Mitarbeitende, unsere Kommunikationskanäle oder 1:1-Coachings.

Laut unserer Visual GPS-Studie halten es knapp neun von zehn deutschen Verbraucherinnen und Verbrauchern für wichtig, über psychische Gesundheit zu sprechen. Viele Mitarbeitende werden nach der Pandemie mit Stress und Ängsten am Arbeitsplatz konfrontiert sein, die es zu bewältigen gilt. Daher ist es wichtig, das Thema psychische Gesundheit in alle internen Strategien miteinzubeziehen. Ein flexibles Arbeitsumfeld kann ebenfalls sehr hilfreich sein. So haben wir zum Beispiel bereits vor der Pandemie unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Chance gegeben, individuelle Zeitpläne direkt mit ihren Vorgesetzten zu vereinbaren. Später anfangen zu können, beispielsweise um die Kinder vor der Arbeit noch zur Schule zu bringen, oder früher Feierabend zu machen, zum Beispiel, um Verwandte zu pflegen, hilft den Mitarbeitenden sehr dabei, ihren Stress im Alltag zu reduzieren. Außerdem sorgt es dafür, dass sie sich in jeder Lebenslage, die von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich sein kann, angemessen unterstützt fühlen.