Corona-Virus: Wie Unternehmen und Veranstalter reagieren

27.02.2020  |  HRM-Online-Redaktion
Abgesagte Großveranstaltungen, Homeoffice, keine Neueinstellungen mehr. Wie sich das Covid-19-Virus auf die Arbeitswelt auswirkt.
© gettyimages / vzmaze

Covid-19 breitet sich weiter aus. Wie wirkt sich das auf die Arbeitswelt aus? Diese Maßnahmen haben Unternehmen und Veranstalter bisher getroffen.

Letztes Update: 03.03.2020, 15:00

Abgesagte Geschäftsreisen

Deutsche Bank
Die Deutsche Bank hat Geschäftsreisen nach China, Hongkong und die betroffenen Teile Italiens abgesagt und die Mitarbeiter:innen gebeten, alle nicht absolut notwendigen Reisen vorerst aufzuschieben. Das erklärte ein Sprecher am Dienstag in Frankfurt.

Nestle
Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestle geht einen Schritt weiter als die Deutsche Bank und sagte als Vorsichtsmaßnahme alle Geschäftsreisen ab. Weltweit wurden die Mitarbeiter:innen gebeten, bis zum 15. März 2020 nicht zu Geschäftszwecken zu reisen. Sollten dringende Inlandsreisen anstehen, sind die Beschäftigten dazu angehalten, alternative Kommunikationsmethoden zu wählen.

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Homeoffice und Videokonferenzen

Ernst & Young, Düsseldorf
Nachdem bei einem Mitarbeiter von Ernst & Young in Düsseldorf das Corona-Virus nachgewiesen wurde, hat die Unternehmensberatung am vergangenen Freitag rund 1.500 seiner Kolleg:innen ins Homeoffice geschickt. 1.400 der betroffenen Angestellten sind am Standort Düsseldorf tätig, rund 100 in der Niederlassung in Essen, wo der infizierte Mann auch hin und wieder gearbeitet hatte. Mit Kund:innen und Mandant:innen soll er laut Ernst & Young keinen Kontakt gehabt haben.

Reederei Maersk, Dänemark
Auch in Dänemark wurde der erste Fall einer Corona-Infektion gemeldet. Die dänische Containerschiff-Reederei Maersk hat deshalb als Vorsichtsmaßnahme angeordnet, dass Mitarbeiter:innen, die aus China, Norditalien oder Südkorea zurückkehren, zwei Wochen lang von zu Hause arbeiten müssen.

Zurich Versicherungen, Schweiz
Der Schweizer Konzern Zurich Versicherungen hat Dienstreisen stark eingeschränkt und führt deshalb geplante Treffen per Videokonferenz durch oder verschiebt sie. Außerdem rät das Unternehmen den Angestellten im Tessin, ihren Laptop mit nach Hause zu nehmen, damit sie jederzeit auf Homeoffice umstellen könnten.

Keine Neueinstellungen mehr, Kurzarbeit

Deutsche Lufthansa
Die Deutsche Lufhansa hat wegen des Covid-19-Virus einen Einstellungsstopp verhängt. Hintergrund ist der stark reduzierte Flugverkehr nach Asien, zurzeit bleiben 13 Langstreckenflugzeuge der Lufthansa Group am Boden. Geplante Neuanstellungen werden daher derzeit überprüft, ausgesetzt oder auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Dies teilte das Unternehmen am Mittwoch in Frankfurt mit. Mitarbeiter:innen sollen zudem zu unbezahltem Urlaub bewegt werden und sind dazu angehalten, ihre Arbeitszeiten zu reduzieren.

Frankfurter Flughafen
Der Betreiber des Frankfurter Flughafens Fraport hat ebenfalls zu viel Personal an Bord, seitdem das Fracht- und Passagieraufkommen von und nach China eingebrochen ist. Neuanstellungen sollen daher nur noch im Ausnahmefall möglich sein. Derzeit steht nicht fest, wie lange und in welchem Umfang Flüge gestrichen sind, teilte das Unternehmen weiter mit.

Kurzarbeit in österreichischen Reisebüros angekündigt
Die österreichische Wirtschaftskammer bereitet derweil Kurzarbeit in Reisebüros vor. Das Geschäft der österreichischen Reisebüros mit rund 10.000 Mitarbeiter:innen sei der Wirtschaftskammer zufolge „nahezu zum Erliegen gekommen“, Buchungen seien „dramatisch eingebrochen“.

Abgesagte Events

ITB
In den vergangenen Tagen und Wochen hatten sich immer mehr Aussteller von der internationalen Reisemesse ITB abgemeldet – darunter Aussteller aus China. Nun haben die Veranstalter die Messe abgesagt, die am 4. bis 8. März in der Messe Berlin hätte stattfinden sollen. Laut der Messegesellschaft hatte das zuständige Gesundheitsamt Charlottenburg-Wilmersdorf die Auflagen stark erhöht, weshalb diese vom Veranstaltungsort nicht mehr umsetzbar sind.

Leipziger Buchmesse
Die Leipziger Buchmesse ist eine der wichtigsten Veranstaltungen der Buch- und Medienbranche. Um der drohenden Pandemie präventiv entgegenzuwirken, haben die Messeleitung sowie die Stadt Leipzig nun beschlossen, die Messe abzusagen. Diese hätte vom 12. bis 15. März stattfinden sollen. Mehr als 2.500 Aussteller aus 51 Ländern waren angekündigt.

Messe Light + Building in Frankfurt
Die in Frankfurt stattfindende Messe Light + Building für Licht- und Gebäudetechnik ist aufgrund des Corona-Virus verschoben worden. Die zunächst vom 8. März bis zum 13. März geplante Veranstaltung finde nun zwischen Mitte und Ende September 2020 statt, teilten die Veranstalter am Montag mit und verwiesen auf eine enge Abstimmung mit dem Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt: „Es wird eine mehrstufige gesundheitliche Prüfung von Messegästen aus China verlangt, die durch die Messe Frankfurt nur mit unverhältnismäßigem Aufwand realisiert werden kann. Die Light + Building findet alle zwei Jahre statt und wurde im Jahr 2018 von rund 220.000 Menschen besucht.

Mobilfunk-Messe MWC, Barcelona
Die weltgrößte Mobilfunk-Messe Mobile World Congress (MWC) wurde wegen des Corona-Virus abgesagt. Sie hätte vom 24. bis 27. Februar in Barcelona stattfinden sollen. Bereits im Vorfeld hatten sich bereits zahlreiche Aussteller aus Sorge vor einer weiteren Verbreitung des Corona-Virus von der Veranstaltung abgemeldet, darunter Amazon, Sony, Nokia, Ericsson sowie die Deutsche Telekom.

Schließungen öffentlicher Einrichtungen

Im Landkreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen bleiben Schulen, Kindergärten, die Bücherei und das Rathaus vorübergehend geschlossen, wie die Stadtverwaltung gestern auf ihrer Facebook-Seite bekannt gab. Grund dafür sei der akute Fall eines mit Covid19 infizierten Mannes. Sollten Beschäftigte nicht zur Arbeit gehen können, weil die Schule oder der Kindergarten ihres Kindes geschlossen ist, so müssen sie ihren Arbeitgeber umgehend darüber informieren. Solange sie selbst und das Kind gesund sind, haben die Eltern zwar kein Recht auf bezahlte Krankheitstage, können sich aber mit dem Arbeitgeber zum Beispiel auf Homeoffice oder unbezahlten Urlaub einigen.

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