Crowdsourcing und Recruiting

Auf der Plattform JobCrowd kann man sich als so genannter Social Headhunter registrieren und Stellenangebote weiterempfehlen. Bei erfolgreicher Vermittlung winkt eine Prämie. Carl Hoffmann, einer der beiden Gründer, im Interview.

Herr Hoffmann, wie ist JobCrowd entstanden? Welche Idee steckt dahinter?

JobCrowd ist durch mehrere Beobachtungen entstanden. Zunächst haben wir – auch durch eigene Erfahrungen – festgestellt, dass der Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter-Kanal der effizienteste Kanal in der Stellenbesetzung ist. Dann spielt der Aspekt der demografischen Entwicklung und des Fachkräftemangels eine Rolle. Es wird für Unternehmen immer schwieriger, gutes Personal zu bekommen. Uns ist auch das ungenutzte Potenzial der sozialen Netzwerke aufgefallen. Es gelingt vielen Unternehmen, vor allem Mittelständlern, noch nicht wirklich, sich eine gute Präsenz in den sozialen Netzwerken aufzubauen. Außerdem gibt es im Internet gerade den Trend hin zum Crowdsourcing, das haben wir dann ein Stück weit auf die Jobsuche übertragen. Entwickelt haben wir das Programm dann aus der Sicht des potentiellen Bewerbers, um es dem möglichst einfach zu machen, einen Job zu finden. Aber wir haben auch Feedback von Personalern eingeholt.

JobCrowd ist im letzten Dezember an den Start gegangen. Wie sind die ersten Monate verlaufen?

Wir sind sehr zufrieden. Da es ja noch ein sehr junger Markt ist, haben wir eine relativ große Nachfrage an Unternehmen, die bei uns gern inserieren würden. Und auch aus Nutzer-, also aus Empfehlersicht, läuft es gut an: Wir haben über 2.800 Facebook-Fans, das Ganze verbreitet sich viral enorm. Es spricht sich anscheinend rum, dass bei uns hohe Prämien für eine Stellenbesetzung ausgeschrieben sind.

Also haben Sie keine Probleme, genügend Social Headhunter zu finden, die Jobs weiterempfehlen?

Bisher nicht. Unsere Strategie ist es, die Leute einmal auf die Website zu locken, damit sie sich registrieren, sich für den Newsletter anzumelden und uns auf Facebook liken. Denn die Leute werden nicht von alleine jeden Tag auf unsere Website gehen, dafür fehlt einfach der Content. Über den Newsletter und die Facebook-Seite wollen wir dann Kanäle zu unseren Usern etablieren, durch die wir die Stellenanzeigen verbreiten können.

Wie begleiten Sie ansonsten den Prozess der Jobvermittlung?

Zum einen arbeiten wir natürlich immer an weiteren Features, die das Empfehlen leichter machen sollen. Aktuell arbeiten wir an einer Xing-Empfehlung, so dass man Jobs direkt seinen dortigen Kontakten empfehlen kann und dass einem direkt Kontakte vorgeschlagen werden, zu denen eine auf JobCrowd ausgeschriebene Stelle passen würde. Auch suchen wir den Kontakt zu verschiedenen Studenten- und Alumniorganisationen, weil die für uns ein sehr interessantes Netzwerk an Empfehlern darstellen. Und die Zahlungsabwicklung läuft am Ende einer erfolgreichen Empfehlung über uns. Wenn ein Unternehmen einen Kandidaten über unsere Plattform erfolgreich eingestellt hat , dann überweisen die uns die Vermittlungsprämie und wir organisieren dann die Auszahlung an die Social Headhunter.

Wer legt denn die Prämien fest?

Das ausschreibende Unternehmen kann die Prämie selber festlegen. Es gibt aber eine Mindestprämie, bei einer Festanstellung ist die Mindestprämie tausend Euro, für Praktikanten und Werksstudentenstellen sind es 200 Euro. Die Hälfte davon geht an den Empfehler, die andere Hälfte an uns.

Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen? Bleiben die meisten Unternehmen bei den Mindestprämien oder gehen sie darüber hinaus?

Unsere Erfahrung ist schon, dass Unternehmen oft versuchen, nur die Mindestprämie auszuzahlen. Damit haben sie aber nicht so hohe Erfolgsquoten als wenn sie sich Gedanken machen und eine realistische Prämie ausschreiben. Denn wenn man ein sehr speziell zu besetzendes Profil mit der Mindestprämie ausschreibt, dann wird es schwierig, die Leute dazu zu bringen, die Stelle in ihrem Netzwerk weiterzuempfehlen. Unsere Beobachtung ist, dass  die Stellen, die eine hohe Prämie haben, auch eher weiterempfohlen werden.

Wie kontrollieren Sie, dass sich die Unternehmen, wenn sie einen Mitarbeiter über eine JobCrowd-Empfehlung eingestellt haben, auch wieder bei Ihnen melden und die Prämie überhaupt überweisen?

Da haben wir zwei Wege. Zum einen haben die Unternehmen einen Recruiter-Account, über den Bewerbungen eingehen können. Dort ist ein Button, mit dem man die Bewerbung als erfolgreich markieren kann. Dann sind wir informiert und können dem Unternehmen eine Rechnung schicken. Der zweite Kanal ist der Empfehler. Denn man kann ja davon ausgehen, dass dieser den Bewerber kennt, schließlich hat er ihn empfohlen. Der Empfehler wird also informiert sein wenn der Bewerber eingestellt wurde und ist auch angehalten, uns dann Bescheid zu geben.

Bisher sind vor allem Jobs aus der IT-Branche auf JobCrowd ausgeschrieben. Vermitteln Sie gezielt nur in diesem Sektor?

Langfristig wollen wir JobCrowd auf alle Branchen ausweiten. Aber am Anfang haben wir uns bewusst dafür entschieden, vor allem Jobs aus dem IT- und Ingenieursbereich auszuschreiben. Das passt zu unserem persönlichen Hintergrund. Michael Blazek, mit dem ich JobCrowd gegründet habe, hat Informatik studiert, ich Wirtschaftsingenieurwesen. In dem Bereich haben wir auch schon ein großes Netzwerk. So haben wir angefangen, erst in dem Bereich Stellen auszuschreiben und wollen nach und nach die anderen Branchen erschließen.