Mehr Gehalt für Mitarbeiter: CEO verzichtet auf Millionen

02.10.2019  |  Deidre Rath
Dan Price hat sich vor vier Jahren dazu entschieden, seinen Mitarbeitern ein Minimum von 70.000 US-Dollar im Jahr zu zahlen. Sein Unternehmen wächst.
© PBS

Der amerikanische Unternehmer Dan Price kürzte sein Gehalt von einer Million auf 70.000 US-Dollar. Und zahlt seinen Mitarbeitern genauso viel.

Vor vier Jahren entschied sich der amerikanische Unternehmer Dan Price, sein Gehalt von 1,1 Millionen US-Dollar auf 70.000 US-Dollar im Jahr zu kürzen. Er zahlt sich seitdem genauso viel wie seinen Mitarbeitern. Price ist Gründer der Firma Gravity Payments. Das Seattler Unternehmen, das Kreditkartenzahlungen für Handelsunternehmen abwickelt, machte Price reich. Seine Mitarbeiter lässt er am Erfolg seines Unternehmens teilhaben. Das sei fair, sinnvoll – und schlicht so, wie es sein sollte, erklärte Price dem amerikanischen Nachrichtenmagazin Idaho Statesman. In seinem Heimatland nennen ihn die Medien deshalb einen Sozialisten, in den sozialen Netzwerken wird er mitunter als naiver Träumer abgetan.

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Von seiner Idee lässt sich Price trotzdem nicht abbringen. Im Gegenteil, er weitet sein Gehaltsmodell nun weiter aus. Am Montag verkündete er 40 Mitarbeitern der Firma Charge It Pro, dass auch sie künftig 70.000 Dollar im Jahr erhalten sollen. Price hatte das Unternehmen mit Hauptsitz in Boise im US-Bundesstaat Indiana vor drei Jahren übernommen.

Die dort Beschäftigten bekommen in einem ersten Schritt fortan mindestens 50.000 Dollar im Jahr. Über die nächsten vier Jahre wird ihr Gehalt schrittweise um je 5.000 Dollar angehoben. Bereits bei der Unternehmensübernahme vor drei Jahren hatte Price die Vergütung auf ein Minimum von 40.000 Dollar pro Mitarbeiter festgesetzt. Für einige Beschäftigte ein massiver Sprung – das Einkommen bei der Charge It Pro startete bei 24.000 US-Dollar. Mehr sei zum damaligen Zeitpunkt nicht drin gewesen, so Price. Nun sei es aber möglich.

Auch Call-Center-Mitarbeiter bekommen 70.000 Dollar im Jahr

Im Boiser Büro beschäftigt Price auch Call-Center-Mitarbeiter. Andere Unternehmen würden diese Jobs nach Indien oder auf die Philippinen auslagern, wo man Arbeitern lediglich 2 bis 4 Dollar in der Stunde zahlt. Ganz anders Price: Hierarchische Gehaltsstrukturen hält er für falsch. „That’s an important job!”, so der Unternehmer. Auch seine Call-Center-Mitarbeiter bekommen deshalb die 70.000 Dollar.

Als Price das Gehaltsmodell einführte, verließen zunächst einige Mitarbeiter das Unternehmen: Sie fühlten sich ungerecht entlohnt, da das Gehalt fortan weniger an die Arbeitsinhalte und die Übernahme zusätzlicher Verantwortung gekoppelt war. Heute, nach vier Jahren, kündigen bei Gravity Payments nur wenige. Finanziell steht das Unternehmen gut da. Und die Beschäftigten auch. Es sei fantastisch mit anzusehen, dass viele Mitarbeiter Familien gründeten, ihr erstes Haus kauften oder in der Lage seien, in die Altersversorgung einzuzahlen, erklärte Price gegenüber Idaho Statesman. Viele müssten außerdem Studienkredite oder andere Schulden tilgen.

Es habe viel Gerede darüber gegeben, dass Angestellte anfangen würden, das zusätzliche Geld aus dem Fenster zu werfen, so Price weiter. Das sei nicht der Fall. Im Gegenteil. Seine Mitarbeiter seien weniger gestresst und mit Motivation bei der Sache. Man tue für sie dasselbe wie für seine Kunden: Ihr Leben ein bisschen einfacher machen.