Das Beste aus Veränderungen machen

| |

Veränderungen bedeuten oft Stress. Was früher überlebenswichtig war, ist heute mitunter hinderlich – besonders wenn man als Führungskraft Vorbild und Halt sein soll. Ein Leitfaden

„Wir fusionieren“, „Wir ziehen um“, „Wir strukturieren um“. Diese Ankündigungen in Unternehmen werden – gefühlt – immer häufiger und sie bewirken meist Verunsicherung oder Angst. Von einer Personengruppe wird in diesen Zeiten besonders viel erwartet: von Ihnen. Sie sollen die neuen Visionen vermitteln und Menschen bei der Stange halten. Sie bekommen die Stimmungstiefs ab wenn es keine Informationen gibt und stehen scheinbar zwischen den Interessen von Management und Mitarbeitern. Und gut gehen sollte es Ihnen trotzdem noch. Hier kommen Hintergründe und die besten praktischen Tipps für Sie.

Was bei Veränderungen automatisch mit uns geschieht

Zunächst einmal ist die Reaktion mit Stress ganz normal. Stress ist eine Aktivierungs- und Anpassungsreaktion des Körpers auf sich verändernde Umgebungsbedingungen. Die Stressreaktion führt dazu, dass wir unsere körperlichen und geistigen Ressourcen mobilisieren, um zu handeln. Ohne das Stresshormon Cortisol kämen wir früh kaum aus dem Bett.

Ein weiterer Automatismus hinter den negativen Gefühlen kommt vom so genannten Neulandinstinkt. Hier springen ganz alte Gehirnareale an. Deren Aufgabe ist es, unser Überleben zu sichern. In den frühen Stadien der Menschwerdung waren Veränderungen lebensgefährlich. Weil das Wasser oder die Nahrung alle waren, man neue Lebensräume erobern musste, in denen wilde Tiere oder andere hungrige Stämme warteten. Deshalb fühlen wir uns heute bei Veränderungen so bedroht.

Ganz besonders wichtig ist zu wissen, dass es das Phänomen des katastrophischen Gehirns gibt. Auch dies ist ein menschheitsgeschichtlich alter Automatismus, sich auf Gefahren und Negatives zu konzentrieren. Damals wie heute ist es wichtig ganz schnell zu erkennen, dass wir uns schützen müssen. Früher davor, gefressen zu werden, heute davor, die Vorfahrt genommen zu bekommen.

Das bleibt nicht ohne Konsequenzen. Denn unsere Gedanken sind wie ein Filter für unsere Wahrnehmung. Wir nehmen nicht mehr alle Informationen wahr, sondern nur die, die unsere Gedanken bestätigen. Dieser so genannte Bestätigungsirrtum ist tückisch, weil wir selbst uns noch für objektiv halten.

Generell gilt es zu bedenken, dass unser Gehirn keinen Unterschied macht, ob es auf eine Vorstellung oder eine Wahrnehmung von außen reagiert. Die Vorstellung etwas zu verlieren, schmerzt ähnlich wie ein realer Verlust.

In diesem Zustand sind wir für logische Argumente nicht mehr offen, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden werden ganz schnell weniger. Versuchen wir dann noch, unsere Sorgen und Ängste zu unterdrücken, werden wir krank. Denn dieser Prozess kostet Kraft und Energie.

Fazit: Nicht die Veränderungen an sich machen uns zu schaffen oder sogar krank, sondern wie wir darauf reagieren. Schnell entstehen Abwärtsspiralen, in den wir Teams aber auch die Familien mitziehen. Es geht auch anders und zwar so.

Die Perspektive macht den Unterschied

Die Psychologin Barbara Fredrickson hat herausgefunden, dass es nützlich ist, bei schlechter Stimmung an etwas Positives zu denken. Zum einen gleichen die guten Gefühle die negativen in der Wirkung auf Körper und Geist aus. Das heißt, wer etwas Freudvolles erlebt oder denkt, erholt sich zum Beispiel auf Herzkreislaufebene nach einer Angsterfahrung schneller. Zum anderen erleichtert uns eine positive Stimmung die Wahrnehmung positiver Dinge. Das verbessert die Stimmung und ein positiver Kreislauf entsteht, mit dem wir auch andere „anstecken“ können.

Dahinter stehen drei Mechanismen: Positive Emotionen ermöglichen eine Art Auszeit in Stressphasen. Außerdem: Positives Denken ersetzt negative Gedanken, indem es positives stärkt. Normale Alltagsroutinen wie Essen oder die Fahrt zur Arbeit werden positiver wahrgenommen. Schließlich wird insgesamt häufiger positiv gedacht und interpretiert und das wiederum fördert das Wohlbefinden.

Wie Sie in Veränderungssituationen leistungsfähig und gut drauf bleiben

Die fünf Regeln für Sie persönlich

1. Sorgen Sie gut für sich
Wer ausgeglichen und gelassen ist, reagiert anders auf schlechte Nachrichten. Er kann sie besser relativieren und wird sich weniger aufregen. Wir sind weniger anfällig für Neid und Sorgen. Tun Sie sich jeden Tag etwas Gutes. Nur wenn es Ihnen gut geht, haben Sie auch etwas zum Abgeben.

Positives Denken fördert die Resilienz, die Fähigkeit, die Schwierigkeiten des Lebens zu meistern. Wer gut drauf ist, hat den besseren Überblick, das bessere Problemlöseverhalten und ist weniger schnell aus der Balance zu bringen.  Menschen, denen es gut geht, sehen, nutzen und erweitern ihre psychischen Ressourcen und sind dadurch nicht nur kreativer, motivierter und energievoller, sondern auch hilfsbereiter und sozial engagiert.

2. Wohlbefinden braucht Anstrengung
Wohlbefinden wird in der neuen Wissenschaft mehr als bisher über angemessene Anstrengung definiert. Für Sie heißt das, dass jede Veränderung eine Anpassung in der Nutzung der eigenen Stärken und Ressourcen erfordert. Und genau diese Anstrengung wird mit Wohlbefinden belohnt. Erwarten Sie daher, dass jede Veränderung mindestens eine Chance bring: die zu wachsen.

3. Sehen Sie die kleinsten positiven Veränderungen
Wir tendieren dazu, Menschen und Dinge immer wieder gleich wahrzunehmen. Achten Sie besser darauf, was an Kleinigkeiten gelingt und sich verbessert.

4. Zählen Sie die guten Dinge des Tages
Freundliche Menschen sind glücklicher und haben glücklichere Erinnerungen. Dies wiederum  führt zu optimistischeren Erwartungen für die Zukunft. Zählt man eine Woche lang angenehme Dinge des Tages zusammen, fühlt man sich danach noch glücklicher und dankbarer. Viel zu oft übersehen wir das Gute und Angenehme. Weil wir daran gewöhnt sind, wir auf etwas anderes warten oder zu gestresst sind.

5. Tun Sie so als ob
Gute Gefühle, egal ob echt oder unecht, wirken und machen zum Beispiel stressresistenter und gesünder. Gerade in Krisenzeiten laden wir viel zu viel auf die Belastungswaagschale unseres Lebens. Da wir nicht wissen, wie lange die Krise anhält und wir nur in einem guten mentalen Zustand gute mentale Lösungen finden, ist die beste Investition die in die Waagschale unseres Wohlbefindens.

Die fünf Regeln im Umgang mit Mitarbeitern

1. Setzen Sie auf Resilienz
Wir haben schon so viel in unserem Leben hinbekommen, sind aus Krisen gestärkt hervorgegangen, haben gelernt, was nötig war. Jeder hat Veränderungen aller Art hinter sich gebracht. Wir sind viel resilienter als wir manchmal glauben. Erinnern Sie sich z. B. mit Ihren Teams in besonders schwarzen Momenten an konkrete Situationen, die Sie bewältigt haben. Das stärkt das Vertrauen in sich und die Zukunft. Gab es nicht auch bei der letzten Umstrukturierung zu wenige und zu spät Informationen? Und trotzdem hat sie am Ende funktioniert. Suchen Sie nach guten Beispielen, wie Sie das damals hinbekommen haben und machen Sie das Gelungene nach.

2. Erwarten Sie Positives
Was kann bei einer Veränderung für die Mitarbeiter herauskommen? Die Chancen stehen gemäß Wahrscheinlichkeitsrechnung mindestens 50 zu 50 für etwas Gutes. Der Arbeitsweg kann länger werden, aber auch mehr Freiraum bringen. Die neuen Kollegen und Chefs können netter und partnerschaftlicher sein. Wenn es nicht mehr Geld gibt, dann vielleicht eine Weiterbildung. Suchen Sie gemeinsam nach dem möglichen Guten, dann finden Sie es auch!

3. Befassen Sie sich mit Tatsachen statt mit Spekulationen
Besorgen Sie sich Fakten zu dem, was alle bewegt. Wenn diese noch nicht da sind, dann heißt es abwarten. Fragen Sie sich, wenn Sie nachdenken, öfter „Ist das eine Information oder eine Spekulation?“

4. Lassen Sie sich außerdem nicht alles von sich und anderen gefallen
Nehmen Sie wahr, wenn Sie sich in Grübeleien verfangen, wenn Sie sich mit anderen Menschen gegenseitig mit Befürchtungen anstecken. Korrigieren Sie Denkirrtümer. Machen Sie sich klar, wenn Sie Meinungen austauschen, dass dies Meinungen sind. Stoppen Sie Mitarbeiter, die immer wieder jammern oder schimpfen. Wenn Sie keine Grenzen setzen, werden diese auch nicht eingehalten.

5. Halten Sie zusammen
Soziale Unterstützung ist einer der Schlüsselfaktoren, um in den „Flow“  Zustand zu kommen, den Zustand optimaler Leistungsfähigkeit. Dieser Faktor kann immer gefördert werden auch und gerade wenn die Zeiten unsicher oder besonders anstrengend sind. Stärken Sie die Temas, den Zusammenhalt, kleinste Gemeinsame Aktionen. Ermutigen Sie zur gegenseitigen Hilfe.