Das BGM zur Erfolgsgeschichte machen

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Das Betriebliche Gesundheitsmanagement bleibt oft hinter den Erwartungen zurück, weil es meist nur von den Mitarbeitern angenommen wird, die ohnehin schon gesundheitsaffin sind, nicht aber von denen, für die es ein echter Zugewinn wäre. Eine Lösung kann es sein, das implizite Gedächtnis anzusprechen.

Eine unzufriedenstellende Angelegenheit, die Unternehmen und BGM-Verantwortliche nur zu gut kennen: betriebliche Gesundheitsangebote werden nicht oder nur in geringem Maße von den Mitarbeitern nachgefragt, … erzielen nicht die gewünschte langfristige Verhaltensänderung, … nur die Mitarbeiter nehmen die Angebote an, die sowieso in ihrer Freizeit aktiv sind. Die große Mehrheit der Mitarbeiter, die eigentlich angesprochen werden sollen, lässt sich nicht für das Thema Gesundheit gewinnen  … die Liste der unbefriedigenden Punkte in der betrieblichen Gesundheitsarbeit lässt sich noch vielfältig weiterführen. Und dennoch werden von betrieblicher Seite gesundheitsförderliche Angebote am laufenden Band ins Leben gerufen … bildlich gesprochen wird den Mitarbeitern ein Bündel Karotten vorgehalten in der Hoffnung, der störrische Esel würde sich in Bewegung setzen und endlich aktiv werden. Die tollsten, leckersten Möhren in Form von immer neuen BGM-Maßnahmen, die den Mitarbeiter so gut wie nichts kosten und idealerweise auch noch Teil seiner Arbeitszeit sind …  und dennoch lassen sich die Mitarbeiter nicht dafür begeistern.

Warum das so ist

Entscheidend für diesen Umstand – es fehlt vielen Unternehmen und BGM-Verantwortlichen das Wissen, die Potenzialhebel der menschlichen Verhaltenspsychologie zu bedienen, um die Mitarbeiter ins Tun zu bringen. Es wird schlichtweg vergessen, das implizite Gedächtnis der Mitarbeiter motivierend anzusprechen. Kein Wunder, dass sich die Mitarbeiter gegenüber betrieblichen Gesundheitsangeboten ignorant und kapriziös verhalten. Von den durchschnittlich fünf Prozent kranker Mitarbeiter und den grundsätzlich zehn bis 15 Prozent gesundheitsaktiver Mitarbeiter in einem Unternehmen besteht das Hauptbestreben betrieblicher Gesundheitsarbeit  genau darin, die 80 Prozent der Belegschaft zu erreichen, die zu den „Nicht-Gesundheitsinteressierten“ und „Gesundheits-Skeptikerin“ zählen.

Bei dieser Mehrheit ist das Aktivieren des impliziten Gedächtnisses der entscheidende Erfolgsfaktor, der hohe Teilnehmerquoten und gesundheitswirksame Nachhaltigkeit garantiert. Denn der Teil unseres Gedächtnisses, der sich auf Erleben und Verhalten des Menschen auswirkt, ohne dabei bewusst wahrgenommen zu werden, wird bei allen Aktivitäten im Gesundheitsmanagement nicht oder nur ungenügend aktiviert. Dies hat zur Folge, dass die vielfältigen Gesundheitsaktivitäten bei den Mitarbeitern unbewusst einen inneren Vermeidungsmodus aktivieren. Deswegen schlägt der Großteil der Mitarbeiter die Gesundheitsangebote automatisch aus… selbst wenn der Verstand sagt, dass es gut wäre, sich mehr zu bewegen oder sich gesunder zu ernähren.

Wieso das so ist

Einfluss übt hier die biologische Grundausstattung des Menschen aus. Der Mensch verfügt mit seinem hochentwickelten Gehirn über zwei Bewertungssysteme, mit dem Beurteilungen vorgenommen werden.

So urteilt er  entweder  intuitiv, automatisch oder rational, reflektierend! Der grundlegende Unterschied besteht in der unterschiedlichen Arbeitsweise beider Bewertungssysteme. Das schnelle, automatische Denken erfasst eine Situation oder ein Wort innerhalb von 200 Millisekunden und antwortet unmittelbar in Form von Gefühlen, Empfindungen und Köperreaktionen. Wenn ihm etwas gefällt,  äußert es sich in einem wohligen Gefühl; missfällt ihm etwas drückt sich dies in Unbehagen aus. Ganz anders arbeitet unser langsames, rationales System, sprich unser Verstand! Dafür ist der Verstand zu logischem Denken in der Lage und kann Schlussfolgerungen für zukünftiges Handeln ableiten.

Diese uns innewohnende Bewertungssystematik entscheidet, wie wir uns verhalten und ob wir uns für eine gesunde Lebensweise motivieren lassen oder nicht. Unabhängig davon, über welchen Kommunikationskanal der Mitarbeiter über eines der mannigfaltigen Angebote der Gesundheitsförderung liest oder hört, antwortet im ersten Schritt stets das intuitiv automatische System. Und bei den meisten Menschen suggeriert es tonangebend: Sport, Bewegung und gesunde Ernährung auf alle Fälle vermeiden! (egal, ob es gesundheitsförderlich wäre oder nicht).

Weshalb dies so ist

Evolutionär geprägt greift also immer zuerst das implizite Gedächtnis beziehungsweise das automatische Bewertungssystem. Dies hat die Evolution geformt, denn nur wer schnell und richtig entschieden hat, hat überlebt. Es hat sich in unserer Menschheitsgeschichte folglich ein Überlebenssystem geformt, das auf Erfahrungen beruht. Dieses innere Erfahrungssystem, unser implizites Gedächtnis, arbeitet überwiegend nach zwei Grundsätzen.

  1. Es möchte stets hin zu angenehmen, dem kurzfristigen Genuss dienlichen Dingen …wie beispielweise den leckeren Chips, obwohl man eigentlich abnehmen wollte und auf der anderen Seite…
  2. … möchte es unter keinen Umständen negative Erfahrungen wiederholen … wie zum Beispiel  die demütigende Erfahrung auf der Tartanbahn beim Sportfest in der 4. Klasse, bei dem man mit großen Abstand als Letzter durchs Ziel gelaufen ist. Diese Erfahrung hat sich prägend in unserem Bewertungssystem festgesetzt.

Bei vielen Menschen ist Bewegung, Sport sowie gesunde Ernährung mit negativen Erfahrungen verbunden oder wurde über die elterliche Prägung negativ verankert. Deshalb können Unternehmen und BGM-Verantwortliche mannigfaltig Konzepte und Angebote ins Leben rufen und auf „von sich aus motivierte“ Mitarbeiter warten. Wenn das implizite Gedächtnis nicht miteinbezogen wird, können die Mitarbeiter nicht langfristig für das Thema „Gesundheit“  begeistert werden. Doch die Hoffnung ist hier nicht verloren. Das implizite Gedächtnis kann gezielt auf schlaue Weise angesprochen, aktiviert und in mancher Hinsicht auch klug umgangen werden.

Wie man das macht

Erfolgsversprechend und Einfach sind die Ansatzpunkte. Hier eine beispielhafte Auswahl von Möglichkeiten, auf das implizite Gedächtnis einzuwirken:

  • Wie wir nun wissen heben die Mitarbeiter nicht von sich aus die Hand, wenn es um das Thema Gesundheit geht. Zäumen sie daher den Esel von der anderen Seite auf und bringen Sie Gesundheit direkt zu den Mitarbeitern und an den Arbeitsplatz. Und zwar so, dass der Mitarbeiter ein Stück weit gar nicht anders kann, als teilzunehmen. Das verhaltenspsychologische Phänomen „der Herde folgen“ bewirkt, dass sich bei einer festen Zeit- und Bereichseinteilung auch Mitarbeiter zum Beispiel am Gesundheitstag beteiligen, die normalweise nicht zu der Veranstaltung  gehen würden. Teilnahmequoten von 80 Prozent und mehr sind dann keine Seltenheit.
  • Wie wir ebenfalls erfahren haben ist Gesundheit in den meisten Fällen im impliziten Gedächtnis negativ belegt. Daher gilt es, diesen inneren Erfahrungsschatz neu zu konditionieren. Gesundheit muss so spielerisch und interaktiv wie nur möglich mit viel Humor und Leichtigkeit vermitteln werden. Hier gilt es stets Trainer und Berater einzusetzen, die hoch motiviert sind, die Mitarbeiter mit einem ansteckenden Lächeln begrüßen und verkörpern, dass Gesundheit Spaß machen kann. …
  • Eine weitere Form mit dem impliziten Gedächtnis zu Arbeiten ist das Priming. Priming lässt sich symbolisch mit „Bahnung“ übersetzen und beschreibt das Phänomen, implizite Gedächtnisinhalte durch eine gezielte Reizplatzierung und – aktivierung anzusprechen.  Ein „primender“  Reiz kann zum Beispiel ein Wort oder ein Bild sein. Dies lässt sich auf gekonnte Weise in der betrieblichen Gesundheitsförderung nutzen. Nutzen Sie beispielsweise im Stil der Priming-Entscheidungsarchitektur designte Aufkleber zum regelmäßigen und richtigen Händewaschen in den Toiletten oder animieren Sie damit ihre Mitarbeiter, die Treppe statt den Aufzug zu nehmen. Normale Hinweisschilder ohne Berücksichtigung der Verhaltenspsychologie sind hier wirkungslos. Praxistests bestätigen die enorme Wirkung von Priming. Die Benutzung der Treppen stieg allein durch die  Priming-Aufkleber um insgesamt 34 Prozent.
  • Mitarbeiter für gesunde Ernährung mit einem Ernährungsvortrag gewinnen – gähn smiley … wie langweilig und uninteressant! Ziehen Sie das Thema grundlegend anders auf! Verbinden Sie es mit der menschlichen Verhaltenspsychologie. Eine Möglichkeit im Falle der Ernährung … kein Mensch und kein Mitarbeiter lässt sich gerne hinters Licht führen. Die moderne Ernährungsindustrie ist Meister darin, uns mit geschickten Werbetricks dazu zu bringen, deren stark kalorien- und zuckerhaltigen Lebensmittel auf unsere Einkaufsliste wandern zu lassen. Nutzen Sie daher genau den Effekt, „nicht gern hinters Licht geführt“ zu werden. Das implizierte Gedächtnis muss ein Stück „ positiv schockiert“ werden, um für einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln langfristig zu bewirken.

Eseleien weiterführen? – nein Danke! Sie haben doch Besseres zu tun als sich mit unzufrieden stellenden Maßnahmenkonzeptionen herum zu schlagen. Erleichtern Sie sich die betriebliche Gesundheitsarbeit und nutzen Sie die Potenzialhebel der menschlichen Verhaltenspsychologie. Werfen Sie die Karotten gedanklich auf den Mist und sprechen Sie auf gekonnte Weise das implizite Gedächtnis der Mitarbeiter an. Gehen Sie schlauer ran an die Sache und nutzen Sie das Priming sowie simplifizierende Denk- und Verhaltensmuster des Menschen.

Diese Art der Herangehensweise wird die betriebliche Gesundheitsförderung der Zukunft maßgeblich prägen und revolutionieren. Sie werden sehen, Teilnahmequoten von 80 Prozent sowie eine Teilnahmezufriedenheit von 90 Prozent und mehr sind dann die Regel. So profitieren alle – die Mitarbeiter von mehr Gesundheit und Zufriedenheit, das Unternehmen mit gesunden und leistungsfähigen Mitarbeiter und die BGM-Verantwortlichen von einer von Erfolg  geprägten betrieblichen Gesundheitsarbeit.