Das Recruiting muss schneller, effizienter und zielgruppenspezifischer werden

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Foto: Thinkstock / Wand_Prapan
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Wie wird sich der Arbeitsmarkt 2018 entwickeln? Zu welchen Fragen müssen Recruiter im nächsten Jahr Antworten finden? Welche Themen beschäftigen potenzielle Arbeitnehmer bei der Jobsuche? Und wie finden Unternehmen und Jobsuchende am besten und schnellsten zueinander? Wichtigstes Stichwort für 2018 ist zweifellos die Kommunikation. Unternehmen müssen jeden Baustein ihrer Kommunikation überdenken, damit sie die Sprache der Bewerber sprechen und diese für sich gewinnen.

Mit dem mobilen Zeitalter haben sich Kommunikationsverhalten und Nutzerbedürfnisse radikal verändert. Neun von zehn Deutschen sind online. Fast jeder Erwachsene besitzt heute in Deutschland ein Smartphone. Dabei führen mobile Endgeräte zu einer häufigeren und längeren Internetnutzung – mit steigender Tendenz. Das gilt auch für die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz, wie unsere Mobile Recruiting Studie 2017 belegt. Neun von zehn Befragten geben an, in Online-Börsen nach Jobs zu suchen, 76 Prozent nutzen dabei das Smartphone als bevorzugtes Endgerät. Und nicht nur die Jobsuche findet heute hauptsächlich mobil statt. Auch der Wunsch, sich direkt mit dem Smartphone zu bewerben, nimmt deutlich zu. Mobil optimierte Stellenanzeigen und neue, zeitgemäße Formen der Bewerbung sind daher Voraussetzung, um dem Fachkräftemangel erfolgreich zu begegnen.

Noch hinkt ein Großteil der rekrutierenden Unternehmen dieser Erkenntnis in der Praxis hinterher. Nicht einmal bei einem Drittel von ihnen ist der Bewerbungsprozess mobilfähig. Diese zögerliche Haltung könnte Arbeitgeber langfristig Wettbewerbsvorteile kosten: Aktuell springt jeder zweite Kandidat ab, wenn Stellenanzeigen und Karriereseiten nicht mobil angepasst sind. Die klassischen Bewerbungsprozesse lassen sich jedoch nicht 1:1 auf das Smartphone übertragen. Das mobile Zeitalter läutet damit auch das Ende des klassischen Anschreibens ein: Was wir brauchen sind neue und intelligente Formen der Kurzbewerbung.

Insbesondere Arbeitgeber, die um besonders gefragte Fachkräfte werben, sollten Hürden im Erstkontakt senken, um mehr relevante Bewerbungen zu erhalten. Mit einem vorgeschalteten kurzen Fragenkatalog kann die Auswahl wesentlich leichter und effizienter gestaltet werden. Bei einem Verkaufsfahrer kann darüber beispielsweise der Führerschein einer bestimmten Klasse, die Sprachkenntnisse oder die Erfahrung im Kundenkontakt kompakt abgefragt werden. Ein ausführliches und oft als mühsam empfundenes Anschreiben wird somit überflüssig und reduziert Barrieren auf beiden Seiten – denn auch Recruitingprozesse werden so für Personaler wesentlich effizienter. Praxisbeispiele belegen, dass mobile Kurzbewerbungen eine Lösung sein können, um mehr passende Bewerbungen zu erhalten.

Bewerbungsbedürfnisse kennen und klar adressieren

Auch der Inhalt und die Platzierung von Stellenanzeigen müssen laufend hinterfragt werden. Wollen Unternehmen geeignete Fachkräfte klar adressieren und mit ihrem Inserat erreichen, sollte auch hier deutlich mehr auf den Bedarf und das Nutzungsverhalten von Fachkräften mit Berufsausbildung Rücksicht genommen werden. Sowohl bei den versendeten Kommunikationsbotschaften als auch bei der Platzierung von Stellenanzeigen werden Zielgruppenbedürfnisse oftmals völlig ignoriert.

Die bis dato verwendeten generischen Kommunikationsbausteine aus Karrierewebsites und Stellenanzeigen wurden für Akademiker entwickelt und sprechen Fachkräfte mit Berufsausbildung größtenteils gar nicht an. Viel zu viele Unternehmen setzen immer noch auf den klassischen Karrierebegriff, wenn sie bei Fachkräften für ihr Unternehmen werben. Doch Altenpfleger, Mechatroniker oder LKW-Fahrer haben in der Regel kein Interesse daran, „Karriere“ zu machen. Viel wichtiger sind ihnen ein gutes Unternehmensklima, ein sicherer Arbeitsplatz sowie eine pünktliche Gehaltszahlung. Unsere aktuelle Employer Branding Studie macht deutlich, dass nicht einmal jede fünfte Fachkraft Wert auf ein überdurchschnittliches Gehalt legt. Und auch Aufstiegschancen innerhalb des Unternehmens sind nur für jeden Fünften ein entscheidender Aspekt bei der Jobsuche.

Aber nicht nur die Unterschiede zwischen Akademikern und Nicht-Akademikern sollten im Recruiting-Prozess stärker in den Fokus rücken, auch sollte je nach Branche eine zugeschnittene Kommunikation erfolgen. Der Logistikfacharbeiter muss anders angesprochen werden als die Pflegekraft oder aber ein IT-Spezialist. Driften Stellenausschreibungen auch hier in Richtung allgemeine Textbausteine und Floskeln, fühlen sich Bewerber schnell nicht ernst genommen und verlieren die Motivation für die anschließende Bewerbung.

Doch nicht nur die Inhalte, auch die bisher verwendeten Kanäle für die Platzierung von Stellenausschreibunge sind für Nicht-Akademiker häufig die falschen. Karriere-Websites spielen für Fachkräfte mit Berufsausbildung häufig keine besonders große Rolle. Viel wichtiger ist in diesem Kontext Empfehlungsmarketing, denn die Meinung von Bekannten und der Familie sowie ein guter Ruf des Unternehmens motivieren Fachkräfte viel eher, sich auf eine Stelle zu bewerben.

Mobile macht ungeduldig: Schnelle Kommunikationswege als Muss

In der mobilen Welt läuft alles schneller. Diese Geschwindigkeit führt logischerweise auch im Bewerbungsprozess zu einer anderen Erwartungshaltung. Same-Day-Delivery und sofortige Verfügbarkeit sind im privaten Alltag Normalität. Auch bei der Bewerbung fühlen sich Kandidaten durch wochenlange Rückmeldezeiten schnell verprellt. Darauf müssen Arbeitgeber reagieren, wenn sie keine passenden Kandidaten verlieren möchten. Schon heute erwarten zwei Drittel der Bewerber innerhalb von einer Woche eine Rückmeldung, ob es für sie einen Schritt weitergeht. Auch hier können mobile Kurzbewerbungen Abhilfe schaffen und Bewerbungsprozesse entscheidend beschleunigen.

Kommunikationstools wie „Chatbots“, „Messaging“ und Co. werden für den Recruiting-Prozess viel diskutiert. Aktuell bleibt jedoch der Beweis aus, dass Nutzer die Vermischung von privater und beruflicher Kommunikation, zum Beispiel via WhatsApp, zulassen. Der eigentliche Kern dieser Anwendungen ist jedoch die schnelle Kommunikation. Das Bedürfnis nach einem schnellen und effektiven Informationsaustausch wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen.

Vom Bewerber her denken: Empathie statt Einheitlichkeit

Gerade vor dem Hintergrund des massiven Fachkräftemangels in der deutschen Wirtschaft müssen sich HR-Verantwortliche in ihre Zielgruppe hineinversetzen und wesentlich spezifischer adressieren, um eine passgenaue und schnelle Kommunikation zu potenziellen Kandidaten aufzubauen. Unternehmen, denen es gelingt, grundlegende Bedürfnisse ihrer Kandidaten anzuerkennen und zu bedienen, werden den Fachkräftemangel nicht fürchten
müssen.

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