Der Umgang mit Daten will gelernt sein!

Die effektive Nutzung von Daten gewinnt für Unternehmen immer mehr an Bedeutung. Doch viele Mitarbeiter fühlen davon überfordert. Wie kann man das ändern?
© unsplash / Lukas Blazek

Die effektive Nutzung von Daten gewinnt für Unternehmen immer mehr an Bedeutung. Doch viele Mitarbeiter fühlen sich davon überfordert. Wie kann man das ändern?

Die Data-Literacy-Research des Data Literacy-Projekts (DLP) zeigt in ihrer aktuellen, weltweiten Studie unter 9.000 Arbeitnehmern: Die meisten Unternehmen wissen um die Bedeutung von Daten für eine zunehmend digitale Wertschöpfung. Allerdings klafft eine große Lücke – zwischen dem Ziel vieler Organisationen zu einem datenbasierten Unternehmen zu werden und der tatsächlichen Datenkompetenz der Mitarbeiter. Denn im Umgang mit Daten fühlen sich fast 75 Prozent aller Befragten unwohl oder überfordert.

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Die Studie zeigt zudem, dass sich nur etwa ein Viertel aller Teilnehmer beim Start in den aktuellen Jobs ausreichend auf die effektive Nutzung von Daten vorbereitet fühlt, in Deutschland sind es sogar nur 14 Prozent. Zudem halten sich weltweit nur 21 Prozent der Teilnehmer für kompetent im Umgang mit Daten, in Deutschland sind es nur 17 Prozent. Bedenklich ist, dass sich insgesamt sechs von zehn Befragten bei Entscheidungen lieber von ihrem Gefühl beziehungsweise ihren Erfahrungswerten leiten lassen als von Daten. Dennoch sind 87 Prozent aller Befragten überzeugt, dass der Umgang mit Daten eigentlich erfolgskritisch für ihren Job ist.

Überforderung führt zu Vermeidungstaktik

Es zeigt sich also ein weltweiter Trend, im Job das Arbeiten mit Daten beiseite zu schieben: Ein Teil versucht, Arbeitsaufträge mit Datenbezug ganz zu vermeiden, 36 Prozent suchen nach Umwegen, ihre Aufgaben ohne Daten zu erledigen. Und 31 Prozent aller Befragten (Deutschland 28 Prozent) haben sich aufgrund von Stress durch Tech-, Daten- und Informations-Probleme schon krankgemeldet. Bei der Umsetzung einer nachhaltigen Daten- und Analytics-Strategie hakt es also oft an einer tragfähigen Datenkompetenz.

Potenzial für Datennutzung ist enorm

Dabei explodieren die Datenmengen regelrecht in nahezu allen Branchen – vom produzierenden Gewerbe über Gesundheit oder Medien bis hin zum Handel und Verkehr. Diese könnten vielfältig genutzt werden. Nur ein Beispiel: Für Ladengeschäfte etwa oder auch für große Bahnhöfe lässt sich mit Hilfe von Sensordaten von Türen, Rolltreppen, Fahrstühlen und WiFi-Punkten ermitteln, welche Geschäftsflächen besonders häufig frequentiert werden und so für spezielle Angebote oder Werbeflächen besonders attraktiv sind. Doch um diese Optionen zu nutzen, benötigen Mitarbeiter ein Grundverständnis für Daten und den Möglichkeiten, die diese ihnen eröffnen.

Bessere Entscheidungen durch die Schulung von Data Literacy

Das DLP zeigt Lösungswege auf: Es liegt an den Führungskräften, ihre Teams darin zu fördern, mit Datenerkenntnissen besser und selbstbewusster umzugehen. Denn wer sich selbst für datenkundig hält, fühlt sich laut Studie um mindestens 50 Prozent eher in der Lage und befugt, bessere Entscheidungen zu treffen und sicher aufzutreten. Darüber hinaus sind 37 Prozent der Mitarbeiter weltweit der Meinung, dass Schulungen zur Datenkompetenz die Produktivität steigern. Investitionen in diese Richtung sind also durchaus erfolgversprechend.

Fahrplan zur Entwicklung einer Datenkultur

Doch was heißt eigentlich Datenkompetenz und wie lässt sich diese gezielt fördern? Es geht um die Fähigkeit, Daten zu lesen, zu bearbeiten, zu analysieren und mit diesen zu argumentieren. Dafür brauchen Mitarbeiter nicht zu Datenexperten weiterentwickelt zu werden. Wichtig ist es, dass sie lernen, die richtigen Fragen an die Daten zu stellen, die Ergebnisse zu interpretieren und sachkundig zu handeln.

Datenkultur fördern – Change-Management mit Strategie und auf allen Ebenen

Um in Organisationen eine Datenkultur zu etablieren, reicht es nicht aus, einzelne Mitarbeiter auf Schulungen zu schicken. Vielmehr geht es darum, strategisch vorzugehen und ein Programm zu etablieren, das unternehmensweit wirkt und schrittweise nach den Regeln des Change-Managements vorgeht. Denn eine datengetriebene Kultur lässt sich nicht mal eben über Nacht einführen. Es geht vielmehr um einen Veränderungsprozess: Widerstände müssen hierbei aufgehoben werden und jeder einzelne Mitarbeiter muss verstehen, welche Rolle und welchen Beitrag er leisten kann. Zudem gibt es in jedem Unternehmen unterschiedliche „Datenpersönlichkeiten“ – vom „Guru“ über den durchschnittlichen Interessierten bis hin zum Skeptiker. Sie alle haben spezifische Anforderungen bezüglich Lerninhalte und Herangehensweise.

Für die Einführung eines Data-Literacy-Programms sind folgende Aspekte von besonderer Bedeutung:

  • Planung und Vision: Hier sind HR sowie alle Stellen, die mit der Leitung von Dateninitiativen und -strategien betraut sind, gemeinsam gefordert. Es gilt, eine Strategie und einen Entwicklungsplan zu erarbeiten, den Teilnehmerkreis für den ersten Durchlauf zu definieren und das Budget und den Zeitrahmen festzulegen.
  • Kommunikation: Gute Kommunikation ist erfolgsentscheidend. Sie beugt Missverständnissen und Gerüchten vor und erklärt die Beweggründe für die Durchführung des Schulungsprogrammes. Wichtig ist es, den Mitarbeitern die persönlichen Vorteile des Programmes näherzubringen: einerseits die Erleichterung von Arbeitsaufgaben und mehr Erfolg bei deren Lösung sowie andererseits Chancen für die berufliche Entwicklung und Karriere.
  • Assessment: Für jeden einzelnen Teilnehmer muss der Status der aktuellen Datenkompetenz durch ein individuelles Assessment festgestellt werden.
  • Predictive Learning: Unterschiedliche Wissensstände und Lernvorlieben erfordern differenzierte Lehrpläne und Lernressourcen. Nur so können Teilnehmer individuelle Lernpläne je nach persönlichem Lernstil und Zeitbudget umsetzen.
  • Bewerten und wiederholen: Schon bei der Planung des Data-Literacy-Programms gilt es, Metriken zu dessen Bewertung festzulegen. Anhand dieser kann das Programm evaluiert und weiterentwickelt werden, bevor der nächste Teilnehmerkreis startet.

In bestimmten Fällen oder im Falle knapper HR-Kapazitäten kann es auch sinnvoll sein, für die Etablierung einer Datenkultur oder die Dauer des Change-Prozesses auf externe Unterstützung in Form von Beratung, Schulung oder Support zurückzugreifen.

Den Mehrwert der Daten ausschöpfen

Eines ist sicher: Mitarbeiter werden schnell an ihrer neu erlernten Datenkompetenz Gefallen finden. Sie wissen, welche Daten im Unternehmen vorhanden sind und können diesen, nachdem sie jetzt das Go des Unternehmens haben, Fragen stellen. Weniger Stress mit Daten, mehr Erfolg im Job und bessere Entscheidungen fürs Unternehmen – dies sind neben den technologischen Daten- und Analyse-Lösungen entscheidende Erfolgsfaktoren auf dem Weg zu einem datengesteuerten Unternehmen.