Den Kulturwandel begleiten

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Mit dem Human Resources Excellence Award 2013 sind zahlreiche herausragende HR-Projekte ausgezeichnet worden. Einige wollen wir Ihnen hier vorstellen. Dieses Mal ist es das Change-Management-Projekt der Messe Frankfurt zusammen mit der Kressin Consulting GmbH.

„Kulturwandel begleiten – vom Tarifvertrag über die Entgeltordnung zur Organisationskonsistenz“ – mit diesen Worten lässt sich das Projekt der Messe Frankfurt und der Kressin Consulting GmbH betiteln, mit dem bei dem hessischen Messeveranstalter ein unternehmensweiter Veränderungsprozess initiert wurde.

Können Sie kurz Ihr Projekt beschreiben?
Die Messe Frankfurt hat zum 1. Oktober 2013 mit einer neuen Entgeltordnung für ihre Mitarbeiter am Heimatstandort Frankfurt am Main die Grundlagen für ein modernes Vergütungssystem geschaffen. Grund war ein anstehender Tarifvertragswechsel. Der bisherige Tarifvertrag war veraltet und nicht mehr mit gültigem Recht vereinbar. Im Zuge dessen waren sich alle Tarifvertragspartner einig, eine neue Entgeltordnung im Unternehmen zu etablieren, die eine Bewertung aller Stellen anhand von einheitlichen und tarifvertragskonformen Kriterien aufzeigt. Diese sollte nicht nur die aktuelle Situation sinnvoll abbilden, zukunftsfähig sein und ein gezieltes Personalkosten- und Vergütungsmanagement erlauben. Das Projektergebnis hatte auch Einfluss auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens. Summa summarum: Der künftige Tarifvertrag sollte gleichermaßen die Strukturen innerhalb des Hauses abbilden als auch den gesellschaftspolitischen Aufträgen der Messe Frankfurt als öffentlich-rechtliches Unternehmen gerecht werden.

Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere daran?
Mehr als 900 Mitarbeiter mit vielfältigen Berufs- und Aufgabenfeldern veranstalten Messen, Kongresse und Events am Standort in Frankfurt und steuern ein weltweites Veranstaltungsportfolio. Es liegt auf der Hand, dass für die Wertigkeitsbetrachtung der Stellen extrem viele Perspektiven, Interessenlagen und Abhängigkeiten miteinander verzahnt werden mussten. Die dadurch entstandene Transparenz und Vergleichbarkeit drohte zuweilen sowohl den Betriebsfrieden als auch die Motivationslage der Mitarbeiter deutlich negativ zu beeinflussen. Dies auch vor dem Hintergrund, dass seit langen Jahren bestehende implizite und explizite Unternehmensparadigmen sich verändern mussten. Es war daher wichtig, ein gezieltes und systematisches Stakeholder- und Betroffenen-Management zu entwickeln und umzusetzen. Eine durch alle Unternehmensbereiche hindurch zusammengesetzte Gruppe aus Führungskräften übernahm die Gesamtverantwortung für das Projekt. Aus der erst einmal „einfachen“ Tarifumstellung wurde so Teil eines ein unternehmensweiten Changes, bei dem eine ganze Kaskade an Prozessen innerhalb des Unternehmens in Veränderung ist.

Zum einen wurde das Projekt durch die Einbindung sehr vieler Interessengruppen und Stakeholder im Konsens- und Verhandlungsprinzip durchgeführt. Zum anderen mussten im Interesse der Sache Entscheidungen getroffen werden, die nicht immer den Interessen Einzelner oder entsprechender Gruppen entsprachen und die dennoch akzeptiert werden mussten. Das Überstimmen wichtiger Management-Entscheider bei einzelnen Konzeptansätzen durch die verantwortliche Projektgruppe war ein neuer Ansatzpunkt im Unternehmen, der bisweilen zu massiven Widerständen führte und überwunden werden musste. Während der Konzeptions- und Umsetzungsphase fanden aufwändige Dialogrunden mit Führungskräften und Mitarbeitern statt, um über wichtige Meilensteine zu informieren und die Hintergründe der Vorgehensweisen ausführlich zu erläutern. Diese zeitintensive und flächendeckende Kommunikation innerhalb des Hauses hat sich als richtig erwiesen. Gerade auch, weil es um individuelle Gehälter ging, wurden die anstehenden Entscheidungen stellenweise als existenzielle Bedrohung begriffen. Entsprechend stark waren die Widerstände.

Worin hat sich vor allem der Erfolg des Projektes gezeigt?
Rund zwei Jahre hat der Prozess von der Konzeption bis zur Umsetzung gedauert, bei dem Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretung gemeinsam die Verantwortung für dieses Ergebnis übernommen haben. Erfreulich ist dabei, dass es trotz der hohen Anzahl an Betroffenen kaum zu arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen gekommen ist. Der Messe Frankfurt ist es gelungen, ein an die Bedingungen des Unternehmens angepasstes, transparentes, vergleichendes und unternehmensübergreifendes Entgeltsystem mit objektiven Eingruppierungskriterien zu schaffen. Damit wurden auch essenzielle Voraussetzungen dafür geschaffen, das Prozess- und Organisationsdesign der Unternehmensgruppe zu verbessern. Trotz des hohen emotionalen Drucks auf Seiten der Mitarbeiter und ihrer Interessenvertreter haben wir eine sinnvolle Kompromisslösung gefunden, die allen Beteiligten gerecht wird. Weiterhin wurde eine Kostenbasis geschaffen, die es dem Unternehmen ermöglicht, auch zukünftig wirtschaftlich sinnvoll zu agieren.