Der Humanist

Der dm-Gründer Götz W. Werner ist Unternehmer und An­th­ro­po­soph. Wie er dies in seinem Drogerie-Discounter miteinander in Einklang gebracht hat, skizziert er in seiner jüngst erschienenen Autobiografie.

Er sei ein Begriffsfetischist, sagt Götz W. Werner von sich selbst. Denn Begriffe seien Ideen und ein großes Unternehmen könne man nur über die richtigen Begriffe führen. Daher sagt es viel über ihn und seine Vorstellung von guter Unternehmensführung aus, wenn er Mitarbeitereinkommen statt Personalkosten oder Lernlinge statt Lehrlinge sagt. Dahinter steht die Auffassung, dass es immer um den Menschen geht, dass die Wirtschaft ihm dienen muss und nicht andersrum. Dieses Credo hat der Gründer des Drogerie-Discounters dm mit inzwischen mehr als 2.000 Filialen in Europa verinnerlicht. „Der Mensch ist nie Mittel, immer Zweck“, schreibt er in seiner zum 70. Geburtstag erschienenen Autobiografie.

Darin geht es vor allem um dm. Denn auch wenn er immer wieder Privates einstreut und von seiner Familie berichtet, ist das Buch im Kern eher eine episodenhafte Erzählung über den Unternehmer Werner und sein Lebenswerk. Und über den Wandel des Handels innerhalb der vergangenen Jahrzehnte. Werner skizziert sein Erfolgsrezept, erklärt seine Ansichten und gibt eine Erklärung dafür, warum er in seiner Branche Marktführer in Deutschland ist. Die ist zu einem Großteil darin zu finden, dass er zeitlebens unternehmerisch gedacht und gehandelt hat, dabei aber immer ein positives Menschenbild an den Tag gelegt hat – eine Idee, die sich durchaus noch weiter verbreiten könnte, wie Schlagzeilen über Dumpinglöhne oder Mitarbeiterüberwachungen zeigen. „Die Leute sind nicht widerspenstig oder blöd, sie müssen nicht erzogen oder bestraft werden“, schreibt er.

Ihm ist Befähigung wichtig, genauso wie Innovationsfitness. Seine Mitarbeiter sollen aktiv mitdenken und bekommen ab dem ersten Tag Verantwortung übertragen. Und Transparenz ist für ihn zentral, „bis in die Peripherie der gesamten Organisation“. Er meint, das sei eine der Haupttugenden einer Führungskraft. Überhaupt, die Führung. Er hat mit den Jahren das Prinzip der dialogischen Führung entwickelt. Keine Anweisungen, sondern Empfehlungen und Vereinbarungen. Außerdem wird das Unternehmen vom Kunden her gedacht. Nicht einfach für Mitarbeiter und Führungskräfte. Aber auf Dauer für alle zufriedenstellender und Erfolg versprechender. Aktuell wurde dm zur zweitbeliebtesten Marke der Deutschen und auf Platz sieben der besten Arbeitgeber gewählt.

Dabei ist klar: Auch bei dm ging das alles nicht von heute auf morgen. Angefangen hat Werner in den 70er Jahren damit, Discount-Prinzipien wie sie damals von Aldi eingeführt wurden auf die Drogeriebranche anzuwenden. Mit den Jahren hat er dann – nachdem er Zugang zur Anthroposophie gefunden hatte – seine spezielle Art der Unternehmensführung entwickelt. Es ist viel drin in dem Buch für Personaler. Genau wie für Führungskräfte, Unternehmer und solche, die es werden wollen. Werner streift so einige HR-Themen, die immer viel mit Wertschätzung zu tun haben. Dabei werden seine Ausführungen, auch wenn sie manchmal etwas länger sind, nie langweilig.