Der sanfte Weg zum neuen Job

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Eine Kündigung kann für einen Betroffenen schmerzhaft und für das Unternehmen teuer werden. Outplacement-Beratungen können eine schonende Lösung für beide Seiten sein. Experten halten sie insbesondere bei Führungskräften für sinnvoll.

Die nächste große Abbauwelle wollte Thomas Krüger* nicht mehr begleiten. Der damalige Personalleiter entschied sich daher, sein Unternehmen zu verlassen. Doch statt auf eine Abfindung zu spekulieren, schlug er seinen Vorgesetzten eine andere Lösung vor: eine einvernehmliche Trennung mit professioneller Outplacement-Beratung, beauftragt durch die Firma.

„Bei einem Outplacement will der Arbeitgeber den Arbeitnehmer unterstützen, dass er schnell wieder eine neue Arbeit findet, und zwar eine adäquate oder sogar bessere“, erklärt die Stuttgarter Psychologin und Autorin Daniela Lohaus. Das Konzept stamme aus den USA: „Dort wurden ehemalige Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg mit speziellen Programmen auf dem zivilen Arbeitsmarkt untergebracht.“ Später sei die Idee von privaten Unternehmen übernommen und auch nach Europa exportiert worden, sagt die Professorin.

Hierzulande gründete Fritz Stoebe 1979 die erste Outplacement-Beratung, die heutige SKP. Inzwischen gibt es einige Dutzend Anbieter. Darunter sind Einzelcoaches, regional agierende Unternehmen und international aufgestellte Größen wie von Rundstedt & Partner oder Lee Hecht Harrison. Vor allem in großen Unternehmen haben sich sowohl Gruppenberatungen über einige Wochen, als auch Einzelberatungen etabliert. Letztere gibt es teils auch ohne zeitliche Befristung und mit Jobgarantie – zumeist in den Führungskreisen. Zunehmend nutzt den Experten zufolge auch der Mittelstand diese Option.

Der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) verkündete für 2012 einen Umsatz von 70 Millionen für die Outplacement-Branche. Das waren 30 Millionen Euro mehr als noch 2004. „Der Branche geht es gut“, sagt der Vorsitzende des BDU-Fachverbandes Outplacementberatung, Stefan Detzel. Nach sparsamen Jahren der Wirtschaftskrise setzten viele Unternehmen in der Finanz-, Energie-, Metall- und IT-Branche nun auf strategische Neuausrichtungen – und verstärkt wieder auf Outplacements.

An die Öffentlichkeit dringen die Programme selten, doch die Akzeptanz steigt. „Ähnlich wie man im Sport Trainerstunden nimmt, um sich zu verbessern, optimiert man gemeinsam mit einem Karriereberater die Bewerbungskampagne“, sagt Caterine Schwierz, Mitglied der Geschäftsleitung bei von Rundstedt & Partner und ergänzt: „Der permanente Wandel der Arbeitswelt führt dazu, dass sich auch immer mehr Fach- und Führungskräfte Gedanken über die eigene berufliche Entwicklung machen und diese aktiv durch eine Karriereberatung vorantreiben. Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzen wird.“

„In Deutschland hatte eine Entlassung lange Jahre einen negativen Touch und wer sich Hilfe holte, stand schnell in einer Schmuddelecke“, sagt Henrich Abegg, Geschäftsführer bei von Bredow, Lütteke & Partner in München. Das Bild habe sich inzwischen geändert. Schließlich habe die Mehrheit seiner Klienten gar keine Kompetenzprobleme. „Wir nennen sie Chemieunfälle, da hat es auf der persönlichen Ebene einfach nicht mehr funktioniert.“ Auch Umstrukturierungen seien ein häufiger Grund für Beratungen.

Im Schnitt dauere die Stellensuche vier bis sechs Monate. Viele Kontakte und ein deutschlandweites Netzwerk machten es möglich, dass die Stellen meist noch gar nicht ausgeschrieben gewesen sind, sagt Abegg. Wenn die Suche länger dauere, sei auch das kein Problem: „Wir beraten Menschen so lange, bis sie einen neuen Job haben“, sagt Abegg. Und selbst wenn der Kunde im neuen Job unzufrieden sei, könne er binnen zwölf Monaten zurückkommen und sich erneut beraten lassen. Von etwa 450 Klienten habe es 2012 etwa sechs „Rückkehrer“ gegeben.

Verschiedene Erfahrungen

Thomas Krüger hat seine Entscheidung nicht bereut: „Es war unglaublich, mit welcher Präzision, der Berater mit mir an meiner Biografie gearbeitet hat, damit ich mich professionell präsentieren kann“. Jede einzelne Station im Berufsleben habe er mit ihm durchgearbeitet. „Viele Berufserfahrungen hat man ja eigentlich gar nicht mehr auf dem Schirm“, sagt Krüger. Der Berater habe ihn zudem auch mental auf künftige Bewerbungsgespräche vorbereitet, Zuversicht und Optimismus vermittelt. Die Suche dauerte nur wenige Wochen: „Mit mir hatten die nicht viel Arbeit“, freut er sich. Seine neue Position sei sogar noch interessanter als die letzte. „Jetzt kann ich auch im Ausland aktiv sein“, sagt er.

Die Erfahrungen sind allerdings nicht immer durchweg positiv. Petra Müller* hat ihr 30.000 Euro teures Programm beispielsweise bereits nach zwei Sitzungen abgebrochen. „Die Beraterin hat nur straff ihr standardisiertes Handbuch abgearbeitet, um mich schnellstmöglich wieder auf einer Personalerstelle unterzubringen“, erinnert sich Müller. Es habe keinen Raum für neue Ideen gegeben, bedauert die 39-Jährige, die sich hinterher als Coach selbstständig gemacht hat. Nach der Umstrukturierung und dem Verlust der Stelle sei sie sehr erschöpft gewesen. Auch darauf sei die Beraterin nicht eingegangen. „Sie hat mich nicht abgeholt, wo ich war, sondern nur ihr Programm durchgezogen“, bedauert Müller.

Krüger, der auch als Arbeitsrechtler arbeitet und immer wieder mit Kündigungsschutzklagen zu tun hat, sieht wiederum nur Vorteile in Outplacement-Verfahren, die leider noch nicht immer „Teil eines Standardpakets“ seien. „Wenn man die Chance hat, eine einvernehmliche Lösung ohne Anwälte zu finden, sollte man diese in Betracht ziehen“, sagt er.

Wer im Rahmen einer einvernehmlichen Beendigung des Arbeitsverhältnisses eine Outplacement-Beratung in Anspruch nehme, verzichte zwar auf die öffentlich geführte Kündigungsschutzklage, wahre aber seinen Marktwert. Für Unternehmen könnten sich Outplacements wirtschaftlich rechnen, vor allem wenn ein Arbeitsverhältnis mit langer Vertragslaufzeit vorzeitig beendet werde. Und natürlich spare man sich auch die Kosten eines juristischen Streits.

„Outplacement-Programme sind schonend und schützend für beide Seiten, weil sie sehr geräuschlos verlaufen“, ergänzt Daniela Lohaus. Im Gegensatz zu vielen Gerichtsverhandlungen kämen sie gar nicht erst in die Presse. Auch auf das Betriebsklima hätten sie eine positive Wirkung: „Wenn die Verbleibenden sehen, dass man sich um den Gekündigten kümmert und dass es realistisch ist, dass der angemessene Arbeit findet, dann ist die Verunsicherung deutlich geringer“, sagt sie. Auch werde die positive Beziehung zum Betrieb erhalten: „Gerade bei Führungskräften kann es natürlich auch sein, dass sie bei Kunden oder Lieferanten unterkommen und man sie wieder als Geschäftspartner hat“, gibt sie zu bedenken.

Daniela Lohaus hält Outplacement-Beratungen gerade bei Führungskräften für sinnvoll: „Die sind es oft weniger gewohnt, sich auf dem Markt zu bewegen und ihre Chancen realistisch einzuschätzen.“ Bei der Suche nach dem richtigen Beratungsunternehmen empfiehlt die Expertin, nach Erfolgsquoten zu fragen und Referenzen einholen. „Eine Vermittlungsgarantie würde ich immer erwarten. Wenn die Berater diese ablehnen, kann man davon ausgehen, dass sie sich das selber nicht zutrauen“, sagt Lohaus.

*Name von der Redaktion geändert.