Der Toni Polster des Personalmanagements

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Was sollte jemand mitbringen, wenn er als Recruiter arbeiten will? Und warum ist der Job nicht so einfach, wie mancher Fachbereichs-Manager meint? Und welcher Personaler ist dem ehemaligen Fußballer Toni Polster besonders ähnlich? Drei Link-Tipps der Redaktion.

Was braucht man eigentlich für Kompetenzen und Eigenschaften, um als Recruiter zu arbeiten? Dominik Hahn von der Allianz hat sich darüber auf dem Blog personalblogger Gedanken gemacht und sechs Voraussetzungen zusammengetragen, die es für die Ausübung des Berufes braucht. Viele Studierende würden wahrscheinlich sagen: „Man muss Menschenkenntnis haben und gern mit Leuten zu tun haben.“ Klar, das schadet nichts, aber die ersten vier Voraussetzungen, die Hahn nennt, klingen eher nicht so sexy. Er sagt, erstens, Leute die, ins Recruitng wollen, müssen Zahlen lieben, da die Profession stark getrieben werde von Kennzahlen. Zweitens, darf man nicht mit Technik auf Kriegsfuß stehen. „Wenn ich es mir genau überlege, dürfte ich einen Großteil meiner Arbeitszeit damit verbringen, mir um die technische Umsetzung diverser Recruitment- und Branding-Projekte Gedanken zu machen beziehungsweise wie ich mich in bereits existierenden Systemen zu bewegen habe.“ Drittens, hat man in dem Job viel mit Rechtsfragen zu tun, da geht es vor allem darum, wie mit personenbezogenen Daten umgegangen wird. Nummer vier, na klar, Prozesse, die gibt es überall. Und als fünftes nennt Dominik Hahn endlich die Menschen. „Man muss gut mit Menschen können, ein Kommunikator sein. Eigenbrödler können einpacken.“ Jap. Die sechste Voraussetzung schließlich gilt für so ziemlich jeden Beruf und schadet auch nicht bei Recruitern: „Liebe dein Unternehmen.“

Auch Marcus Reif beschäftigt sich auf seinem Blog mit der Rolle des Recruiters. Sein Artikel trägt die Überschrift „Recruiting? Kann doch jeder“. Und man denkt zuerst: Was ist denn in Marcus Reif gefahren? Doch man merkt schnell, wohin die Reise geht, wenn er aus seinem Joballtag erzählt, wie zum Beispiel, dass er beinahe wöchentlich Bewerbungen aus dem persönlichen Netzwerk geschickt bekommt mit dem Tenor: Der ist gut, Reif solle doch mal schauen, ob im HR eine Vakanz ist. „Man schaut auf das Profil und erkennt keine nennenswerte Expertise in Personalfragen. Und auf Rückfrage erntet man fragende Blicke, eher so im Sinne von: ‚für was muss man in HR denn Expertise haben?'“ Und natürlich war schon jeder Recruiter einmal mit den selbstbewussten Einschätzungen von Fachkollegen in Sachen Recruiting konfrontiert: „Potenzial erkenne ich nach zwei Minuten.“

Reif erläutert dann das große Aufgabenspektrum eines Recruiters – vom Sourcing bis zur Betreuung von Personaldienstleistern. Wenngleich eine solche Bandbreite in vielen Unternehmen eher die Ausnahme sein dürfte, macht er in seinem Artikel klar, dass es nicht um eine Personalauswahl nach dem Bauchgefühl geht. „Der Recruiter ist Partner und Berater der Fachbereiche und trifft eine Empfehlung zur Einstellung auf Basis des Anforderungsprofils und der eignungsdiagnostischen Instrumente. Die reine Auswahl nach dem Mini-Me-Prinzip endet damit hoffentlich.“

Mit Recruiting im weitesten Sinne, oder besser mit Employer Branding, beschäftigt sich auch Jörg Buckmann in einem unterhaltsamen Beitrag auf seinem Blog. Kein anderer HR-Blogger versteht es besser, die Leser mit dem Vorspann neugierig zu machen, baut er doch meistens einen Cliffhanger ein: „In diesem Beitrag lernen Sie gleich drei Dinge auf einmal. Erstens: Wie Berufsberatung für Erwachsene Spaß machen kann. Zweitens: Warum ein Start-up aus Österreich in der Schweiz kommt. Drittens: Warum ich fast wie Toni Polster geworden wäre. Sie merken es: Auf Sie wartet ein pädagogisch hochgradig wertvoller Artikel.“

Natürlich interessiert am meisten Punkt drei, schon öfters ist ja Jörg Buckmann mit der kühnen Behauptung aufgefallen, er sei früher ein guter Fußballer gewesen. Sein Blogpost dreht sich um das österreichische Start-up Whatchado, die gerade viel von sich Reden machen. Whatchado ist eine Plattform, die der Berufsorientierung dient. Mit Hilfe von Videos, in denen Menschen zu ihren Jobs sieben Fragen beantworten, werden Berufe und Karrierewege transparent gemacht. Es sind immer dieselben sieben Fragen. Für Unternehmen ist Whatchado im Rahmen des Employer Brandings interessant. Die Mitarbeiter, die ihren Beruf vorstellen, sind ja immer auch Markenbotschafter. Der Gründer Ali Mahlodji steht für das, was Buckmann seit langer Zeit von den Personalern fordert: Er ist frechmutig. “Hinzugehen und Sachen zu ändern, obwohl alle sagen, das geht nicht. Das ist Alis Sache, sein ganz persönliches Verständnis von Frechmut. Und so ist aus einer bisserl verrückten Idee Whatchado geworden – und ein Unternehmen mit fast 40 Mitarbeitenden.“ Die im Übrigen alle weiße Turnschuhe tragen. Zumindest bekommt jeder Mitarbeiter nach drei Monaten welche. Denn Mahlodji wollte immer mal in einer Firma arbeiten, in dem die Mitarbeiter weiße Turnschuhe tragen.

Nun geht sein Start-up auch in den Schweizer Markt. Dort befinden sich bekanntlich ebenfalls die Verkehrsbetriebe Zürich, wo Buckmann Personalleiter ist. Im September werden 16 Mitarbeiter des Unternehmens vor die Kamera treten und von ihrem Job erzählen. Ob Buckmann dabei ist? Jedenfalls hat er schon das Matching-Tool ausprobiert, bei dem man 14 Fragen beantwortet, um dann zu sehen, wer ähnlich tickt. Damit soll man neue Inspiration kriegen. Doch die Leute, die ähnlich geantwortet haben, arbeiten in den unterschiedlichsten Bereichen. Und wenn man Glück hat, ist auch eine Legende wie Toni Polster dabei. Dennoch gilt: Jörg Buckmann kann durchaus als Toni Polster des HR-Managements bezeichnet werden. Der Instinkt für HR-Themen ist bei dem Erfinder des Begriffs „Frechmut“ sicherlich ähnlich gut wie der Torinstinkt von Toni Polster.