„Die Digitalisierung ist unser Freund“

Stefan Ries, CHRO bei SAP, hat den Personalern in seinem Vortrag Mut gemacht: „Gehen Sie auf die Themen drauf und warten sie nicht auf Dave Ulrich.“

Ein Hauch von Silicon Valley durchströmte den großen Saal, als Stefan Ries seine Keynote hielt: Ein Chief Human Resources Officer (CHRO) eines DAX-Konzerns, der bei seinem Vortrag keinen Anzug, sondern ein schlichtes T-Shirt trägt? Ja, im Jahr 2016 darf man das – auch beim Personalmanagementkongress. Und erst recht, wenn das Motto „Passion“ heißt. Und für Stefan Ries verkörpert die niemand so gut wie Udo Lindenberg, zu dessen Musik er auf die Bühne kam: „Einer muss den Job ja machen.“ Das T-Shirt war das passende zum Song.

„Einer muss den Job ja machen“ passte auch zur Botschaft, die der SAP-Personalchef für die HR-Manager hatte: Selbstbewusst die Themen anzupacken und nicht auf irgendwelche Experten zu warten, die ihnen den Weg weisen: „Wir müssen in unseren Unternehmen nach vorne gehen. Das Hier und Jetzt ist wichtig. Warten Sie nicht auf Dave Ulrich!“ Die Arbeitsbereiche der Personaler, bei denen man voranschreiten kann und die für die Unternehmen von enormer Bedeutung sind, gebe es längst, wie beispielsweise Führung, Talententwicklung oder Lernen. Und die HRler sollten endlich aufhören mit der Diskussion, ob sie einen Platz am Tisch der Entscheidungen haben oder nicht. „Wir brauchen keinen Stuhl am Tisch, wir können da stehen bleiben.“

Es gebe lediglich drei Kriterien, die für den Erfolg von HR entscheidend seien und an die man sich messen lassen müsse: Standardisierung, Simplifizierung, Kundenzufriedenheit. Letzteres heißt zum Beispiel auch, für das Business die besten Talente an Bord zu bekommen. Ries verwies darauf, dass fast drei Viertel aller Unternehmenslenker laut einer Studie fehlendes technisches Know-how als Gefahr für das Geschäft sehen.

Ries Plädoyer, mutig voranzugehen, schloss natürlich auch das Thema Digitalisierung mit ein. „Das ist eine Riesenchance für HR.“ Vor allem Big Data hat für ihn ein Riesenpotenzial. Wobei der Begriff zumindest in Bezug auf HR nicht der richtige sei. „HR ist Smart Data.“ Schließlich gehe es in erster Linie nicht um Datenmengen, sondern darum, sie auszuwerten und die richtigen und wichtigsten Erkenntnisse daraus ziehen. Dafür brauche es Menschen, die damit umgehen können. „Da haben wir Nachholbedarf.“ Denn „Zahlen, Daten, Fakten“ seien für HR in Zukunft sehr wichtig. Als Beispiel hierzu präsentierte er hierzu auf einem Bildschirm das Digital Boardroom von SAP. Es ermöglicht Unternehmen einen Abruf kontextbezogener Kennzahlen für alle Geschäftsbereiche in Echtzeit – auch für HR relevante Kennzahlen. „Wir agieren dabei aus einer Datenbank heraus.“ In Echtzeit kann man also mit wenigen Klicks Zahlen zu Einstellungen, Bewertungen oder den Anteil von Frauen in Führungspositionen bekommen und das für alle SAP-Standorte weltweit. Das Kernthema, so Ries, bleibe aber immer, was man aus den Informationen mache. Und wichtig ist, keine Berührungsängste zu haben, auch nicht vor der Digitalisierung. „Sie ist unser Freund.“