Frank Thelen: „Die Digi­tali­sierung trifft alle Jobs“

27.02.2020  |  HRM-Online-Redaktion
Nur wenige Deutsche fürchten, ihr Job könnte der Digitalisierung zum Opfer fallen.
Karrierecoach Bernd Slaghuis, Unternehmer Frank Thelen und Karriereberaterin Ragnhild Struss (Foto: Tristan Voestry).

Nur wenige Beschäftigte fürchten, dass sie durch die Digitalisierung ihren Job verlieren. Das zeigt eine neue Studie. Expert:innen beziehen Stellung.

Die Arbeitswelt wird sich durch die Digitalisierung massiv verändern. Darin sind sich Arbeitsmarktexpert:innen sicher. Dennoch fürchten nur wenige Beschäftigte in Deutschland, dass sich ihre Arbeitsaufgaben durch die Digitalisierung wesentlich verändern werden – oder, dass ihr Job dieser sogar zum Opfer fallen kann. Das zeigen die Ergebnisse einer neuen Studie: Im Auftrag von Xing E-Recruiting hat das Marktforschungsinstitut Forsa mehr als 3.000 Arbeitnehmer:innen befragt.

Deutsche sind zuversichtlich

81 Prozent Befragten glauben demnach, ihre Anstellung sei in den nächsten fünf Jahre sicher. Nur 13 Prozent der Befragten halten es für möglich, dass sie ihren Job in dieser Zeit durch die Digitalisierung verlieren könnten. Rund 10 Prozent fürchten, ein Roboter oder eine Maschine könnte sie vollständig ersetzen. Je höher die eigene Position im Unternehmen und die Verantwortung, desto seltener sind die Befragten der Ansicht, dass ihre Tätigkeit automatisiert werden könnte: auf Sachbearbeiter-Ebene glauben dies etwa 12 Prozent der Befragten, unter Führungskräften mit Personalverantwortung sind es nur noch 5 Prozent.

+++Sie bekommen von HR nicht genug? (heart) Dann melden Sie sich jetzt für unsere Newsletter an. Hier geht es zur Anmeldung!+++

Mit 65 Prozent ist sich der überwiegende Teil der Studienteilnehmenden sicher, dass es ihre derzeitige Haupttätigkeit in der gleichen Form auch in 15 Jahren noch geben wird, nur 28 Prozent bezweifeln dies. Deutliche Unterschiede gibt es hier beim Alter: Die jüngere Generation ist mit 73 Prozent tendenziell zuversichtlicher, dass ihr derzeitiger Job in der derzeitigen Form bestehen bleibt. Von den über 50-Jährigen halten dies dagegen nur 55 Prozent für realistisch.

Wie bewerten Expert:innen diese Ergebnisse?

Frank Thelen, Unternehmer:

„Wir stehen vor einer Ära exponentiellen Fortschritts. Technologien wie KI, 3D-Druck, Robotics und intelligente Sensoren werden unser Leben tiefgreifend verändern und einen Großteil der Arbeitsplätze überflüssig machen. Diese Veränderungen zu begreifen, fällt uns Menschen von Natur aus schwer, aber eins kann ich mit ziemlicher Sicherheit sagen: Vom Taxifahrer über den Sachbearbeiter bis hin zum Juristen und Radiologen sind sämtliche Jobs betroffen. Das Ergebnis der Studie zeigt, dass das Verständnis hierüber bei der Gesellschaft noch nicht angekommen ist. Und die Tatsache, dass es noch keine ernsthaften Gespräche über ein Grundeinkommen gibt, zeigt, dass auch die Politik sich der Lage noch nicht bewusst geworden ist. Das muss sich ändern.“

Bernd Slaghuis, Karriere- und Führungscoach:

„Der hohe Anteil der Beschäftigten, die ihren Arbeitsplatz als sicher bewerten, überrascht mich angesichts der in den letzten Monaten bekannt gewordenen Abbaupläne vieler insbesondere großer Arbeitgeber. Das Ergebnis zeigt zwar eine positive Zuversicht und Gelassenheit unter deutschen Arbeitnehmern, es besteht jedoch so auch die Gefahr, die eigene berufliche Zukunft zu wenig zu reflektieren und auf eine potenzielle Wechselsituation nicht ausreichend vorbereitet zu sein.“

Ragnhild Struss, Karriereberaterin und Inhaberin Struss & Claussen Personal Development:

„Ein Mensch ist mehr als die Summe seiner Eigenschaften. Während auf eine Einzelaufgabe bezogen ein Roboter sicherlich schneller und effizienter arbeiten kann als ein Mensch, so fehlt ihm etwas Entscheidendes: die individuelle Mischung aus Erfahrungen, Talenten, Werten, Temperament und Eigenarten, die eine Person einzigartig macht. Es ist diese besondere Kombination, die in vielen Berufen gefragt ist – auch in Zukunft. Im People-to-People-Business ist persönliche Reife ein zentraler Einflussfaktor für nachhaltigen Erfolg.“