Diversity via zeitversetztem Videointerview

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Mit dem Human Resources Excellence Award 2013 sind zahlreiche herausragende HR-Projekte ausgezeichnet worden. Einige wollen wir Ihnen hier vorstellen. Dieses Mal ist es das Personalauswahl-Projekt der Deutschen Telekom zusammen mit der viasto GmbH.

Mit personaldiagnostisch fundierten, zeitversetzten Videointerviews hat die Deutsche Telekom zusammen mit dem Lösungsanbieter viasto die Diversität in ihrem Nachwuchskräfte-Programm erhöht. Das Projekt beider Unternehmen wurde in der Kategorie Methoden der Personalauswahl im Bereich Konzerne ausgezeichnet.

Können Sie kurz Ihr Projekt beschreiben?
Die Deutsche Telekom weiß: Für echten Wandel braucht man Querdenker. Das Potenzial von besonderen Persönlichkeiten erkennt man in traditionellen Vorauswahlverfahren jedoch nicht in ausreichendem Maße, denn traditionelle Methoden festigen eine stereotype Selektionskultur. So bewerten Personaler Brüche im Lebenslauf oft als problematisch. Zudem steht die Telekom bei einem Bewerbungseingang von über 5.000 Bewerbungen auf circa 50 Stellen vor der Herausforderung, zuverlässig die besten Talente zu identifizieren und gleichzeitig für alle Beteiligten einen höchst effizienten Prozess zu gewährleisten.

Um dieser Situation mit neuen Methoden entgegenzutreten, hat die Deutsche Telekom für die Rekrutierung im Nachwuchskräfte-Programm Start up! zeitversetzte Videointerviews eingesetzt. Sie nutzte hierfür die Software-as-a-Service Lösung des Berliner Unternehmens viasto, die „interview suite“. Gemeinsam mit den Recruitern der Deutschen Telekom integrierte viasto die zeitversetzten Videointerviews in die Recruitingprozesse des Start up! Programms. Die zuständigen Recruiter zeichneten ein persönliches Introvideo auf und entwickelten einen kompetenzbasierten Fragenleitfaden für das Videointerview. Zu diesem Videointerview wurden dann nicht nur A-Kandidaten eingeladen. Die Zeiteinsparung durch den Einsatz der Suite wurde direkt reinvestiert, indem sich auch B-Kandidaten für das nachfolgende Assessment Center qualifizieren konnten.

Wie sich in der Auswertung des Projektes zeigte, optimierten zeitversetzte Videointerviews die Vorauswahl signifikant. Die videobasierten Antworten ermöglichten eine zuverlässige Einschätzung der unterschiedlichen Kandidatenprofile. Die statistische Auswertung untermauerte den Mehrwert. Da im zeitversetzten Videointerview bereits erfolgsrelevante Kompetenzen wie Kommunikationsfähigkeit, Kunden- & Werteorientierung und Fachkompetenz direkt beobachtbar wurden, konnten viel effektiver die richtigen Kandidaten zum Assessment Center eingeladen werden.

Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere daran?
Dass beruflicher Erfolg nicht 1:1 vom erfolgreichen Hochschulabschluss abhängt, gelangt erst langsam in unsere Köpfe. Studienabbruch ist immer noch sehr häufig ein klares No Go. Heute stehen allerdings bereits innovative Methoden zur Verfügung, die eine zuverlässigere und direktere Einschätzung des Potenzials von Kandidaten ermöglichen. Auch wenn nicht auf Lebensläufe verzichtet wird, bieten ergänzende Methoden oft entscheidende komplementäre Informationen, um zu einem fundierteren Bild über die tatsächliche Eignung eines Kandidaten zu gelangen.

Ein verstecktes Talentpotenzial kann auf diese Art erschlossen werden. Das ist in Zeiten des Fachkräftemangels definitiv ein höchst erfreuliches Ergebnis.

Durch den Einsatz zeitversetzter Videointerviews wollte die Deutsche Telekom ganz bewusst Vielfalt fördern, indem sie bereits in der Vorauswahl ihrer Kandidaten ganz gezielt auf vielfältige und unterschiedliche Methoden setzt, um besondere Kandidatenprofile nicht zu verpassen. Zeitversetzte Videointerviews sind hierfür eine besonders geeignete Methode. Bewerber können auf direktem Wege von ihrer Eignung für die Stelle oder das Programm überzeugen und scheitern nicht an formalen Hürden. Es sollte auf diese Weise ganz gezielt der Pool um die weniger „stromlinienförmigen“ Lebensläufe erweitert werden.

Worin hat sich vor allem der Erfolg des Projektes gezeigt?
Besonders deutlich wurde der Nutzen zeitversetzter Videointerviews am Rekrutierungsergebnis: In einer ersten Evaluierung des Projekts wurde deutlich, dass 20 Prozent der im Assessment Center erfolgreichen Bewerber anhand der Lebenslaufanalyse nur als B-Bewerber klassifiziert worden waren. Diese wären dem Unternehmen unter Umständen verloren gegangen. Die Deutsche Telekom erhöhte die Sicherheit, keine Talente aus Versehen im Prozess zu verlieren. Da der gesamte Auswahlprozess überdies fair im Hinblick auf Geschlecht und internationalen Background der Bewerber verlief, erfüllt das Unternehmen höchste Ansprüche an ein faires Recruiting im anspruchsvollen Diversity Kontext.

Zudem konnte sich die Deutsche Telekom durch den Einsatz der interview suite als moderner und innovativer Arbeitgeber bei ihren Bewerbern präsentieren und unterstrich die Positionierung des Telekommunikationskonzerns als Innovator und visionärer Global Player. In einem effizienten Prozess hat der Konzern zudem vielfältige internationale Talente entdeckt, die Vision und Unternehmenskultur des Konzerns teilen.