Ausbildung in der Pflege: „Voll systemrelevant und so!“

Die Miniserie „Ehrenpflegas“ soll junge Menschen für Pflegeberufe begeistern. Neben drei Netflix-Stars hat auch Familienministerin Giffey einen Auftritt.
Lena Klenke, Danilo Kamperidis, Franziska Giffey, Lisa Vicari (von links) © Romacker / Hirschen Group

Die Miniserie „Ehrenpflegas“ soll junge Menschen für Pflegeberufe begeistern. Neben drei Netflix-Stars hat auch Familienministerin Giffey einen Auftritt.

Wenn man sich die Hauptdarsteller:innen ansieht, könnte man meinen, „Ehrenpflegas“ sei eine neue Netflix-Serie: Lena Klenke und Danilo Kamperidis aus „How To Sell Drugs Online (Fast)“ sowie Lisa Vicari aus „Dark“ spielen drei Berufsschüler:innen, die gerade einer Ausbildung in der Pflege absolvieren. In einem überspitzten, selbstironischen Stil, der an Teenie-Komödien wie „Fack ju Göhte“ erinnert, gewähren fünf kurze Episoden Einblicke in den Alltag der Auszubildenden Boris, Miray und Katrin (Spitzname „Harry Potter“). Sie ziehen zusammen in eine WG, freuen sich über ihre Ausbildungsvergütung, müssen sich im Praxiseinsatz mit dem Tod auseinandersetzen – und machen natürlich in der letzten Folge alle erfolgreich ihren Abschluss.

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„Ehrenpflegas“ ist allerdings kein neues Unterhaltungsformat für Jugendliche, sondern Teil der Kampagne „Mach Karriere als Mensch!“ der Hirschen Group im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Die von Constantin Television entwickelte Youtube-Serie soll Jugendliche in der Berufsorientierungsphase und Erwachsene mit dem Wunsch nach beruflicher Neuorientierung für die neuen Ausbildungen in der Pflege gewinnen. Das BMFSFJ hat bereits Anfang 2019 die „Ausbildungsoffensive Pflege“ ins Leben gerufen, die noch bis 2023 weiterlaufen soll. Das Ziel: Die Zahl der Auszubildenden und die Zahl der ausbildenden Einrichtungen im Bundesschnitt jeweils um zehn Prozent zu steigern.

 „General für Pflege“

In der Serie erklären die fiktiven Charaktere das neue Ausbildungssystem auf humorvolle Art. „Also eins hab‘ ich nicht verstanden“, sagt Berufsschüler Boris, der generell etwas schwer von Begriff ist, zu seinen Klassenkameradinnen. „Wenn du im Krankenhaus Kranken helfen willst und du Kindern und ich Alten – warum sind wir dann in einer Klasse?“ Streberin Katrin drückt ihm daraufhin einen Flyer über die Generalistische Pflegeausbildung in die Hand, die sowohl Krankenpflege, Kinderkrankenpflege als auch Altenpflege umfasst. „Generalistisch, geil“, kommentiert Boris, „General klingt geil, wie Panzergeneral“.

Tatsächlich sind auf Grundlage des Pflegeberufe-Gesetzes im Januar 2020 die bisher im Altenpflegegesetz und im Krankenpflegegesetz getrennt geregelten Ausbildungen zusammengeführt worden. Alle Auszubildenden erhalten nun zwei Jahre lang eine gemeinsame, generalistisch ausgerichtete Ausbildung, in der sie einen Vertiefungsbereich in der praktischen Ausbildung wählen können. Dadurch soll ein einheitlicher Wissensstandard garantiert und finanzielle Unterschiede zwischen den Pflegeberufen eliminiert werden.

Ein Beruf mit Perspektive

„Nicht erst seit der Corona-Virus-Pandemie wissen wir, wie wichtig Pflegefachkräfte für unser Land sind und wie sehr sie gebraucht werden“, sagt Franziska Giffey, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, in einem Grußwort auf der Kampagnen-Website. Die neue Pflegeausbildung eröffne zusätzliche Qualifizierungs- und Karrierewege, sowohl für die berufliche Ausbildung als auch für ein Studium im Bereich Pflege. Giffey selbst darf in der Serie natürlich nicht fehlen, auch wenn es bei einem kleinen Gastauftritt bleibt; in der letzten Folge wird sie im Korridor der Berufsschule von Miray fast über den Haufen gerannt.

Trotzdem kommt Giffey Botschaft in „Ehrenpflegas“ an: Wer eine Ausbildung in der Pflege beginnt, ergreift einen Beruf mit Perspektive – das wissen auch die Hauptfiguren. „Jetzt hat sogar der letzte Honk verstanden, dass das systemrelevant ist“, sagt Miray nach ihrer ersten Unterrichtsstunde und Boris pflichtet ihr bei: „Ja, voll systemrelevant und so!“.

Auch wenn die Serie auf Social Media in der Pflegebranche teilweise auf harsche Kritik stößt, lohnt sie sich für einen Lacher zwischendurch und trifft frisch und unverkrampft den Ton der Generation Z. Trotzdem: Lustige Videos können Pflegekräften genauso wenig ihren Lebensunterhalt zahlen wie Applaus vom Balkon. Es sollte demnach auch Teil der Kampagne sein, Pflegeberufe endlich angemessen zu vergüten.

Weitere Informationen zur Kampagne und die Videos finden Sie hier.