„Eine Hire-and-Fire-Politik gibt es bei uns nicht“

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Rainer Gröbel ist Personalleiter bei der IG Metall. Beim diesjährigen Personalmanagementkongress wird er einen Vortrag zum Thema „Mit strategischer Personal- und Organisationsentwicklung zu einer erfolgreichen Organisation“ halten. Ein Interview über die spezifische Personalarbeit in politischen Organisationen und warum man bei der IG Metall mehr auf Überzeugungsarbeit als auf zentrale Anweisungen setzt.

Herr Gröbel, Sie leiten seit vielen Jahren das Personalmanagement der IG Metall. Inwieweit unterscheidet sich die Personalarbeit in Organisationen von der in Unternehmen?
Die IG Metall zeichnet sich als politische Organisation mit einer dezentralen Struktur durch einige Besonderheiten aus. Der überwiegende Anteil unserer Führungspositionen sind Wahlämter, nämlich die Geschäftsführer in den örtlichen IG Metall Gliederungen. Diese Verwaltungsstellen zeichnen sich durch einen hohen Autonomiegrad aus. Personalpolitik erfolgt daher, im Rahmen zentraler Standards, stärker durch Überzeugung als durch zentrale Anweisung.

Haben Gewerkschaften mit ihren zum Teil Millionen Mitgliedern eine Art Sonderrolle?
Die Interessen unserer Mitglieder sind der Maßstab unseres Handelns. Als demokratische Organisation legen wir dabei viel Wert auf die Beteiligung unserer Mitglieder bei Entscheidungen. Dies stellt besondere Anforderungen an die Qualifikation unserer Mitarbeiter/innen, aber auch der Ehrenamtlichen.

Ich stelle es mir schwierig vor, als Organisation einerseits Arbeitnehmerinteressen zu vertreten und auf der anderen Seite selbst effizienter Arbeitgeber sein zu müssen.
Die Aufgabenstellungen und Herausforderungen sind die gleichen wie in Unternehmen. Wie gewinnen wir qualifiziertes Personal, wie organisieren wir Nachfolgeplanungen, wie sichern wir den Wissenstransfer. Klar ist, eine Hire-and-Fire-Politik gibt es bei uns nicht, die IG Metall sieht sich vielmehr einer vorausschauenden, nachhaltigen und die sozialen Belange der Beschäftigten berücksichtigenden Personalpolitik verpflichtet. Dies betrifft insbesonders die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie eine ausgewogene Personal- und Führungsstruktur unter Diversity-Gesichtspunkten.

In Ihrem Vortrag auf dem PMK erläutern Sie auch, wie eine strategische Personal- und Organisationsentwicklung innerhalb einer Organisation funktioniert. Was sind da die essenziellen Eckpunkte?
Unser organisationspolitisches Ziel ist die Stärkung der IG Metall durch eine positive Mitgliederentwicklung. Personalpolitisches Ziel ist die Gewinnung und Entwicklung von Nachwuchs zur Bewältigung des demografischen Wandels. Wichtigste Zielgruppe für die Rekrutierung von Gewerkschaftssekretärinnen und -sekretären und Führungsnachwuchs sind gewerkschaftlich Aktive aus den Betrieben. Hierfür haben wir neben unserem Traineeprogramm weitere spezifische Programme im Angebot.

Und welche Schwierigkeiten sollte man einkalkulieren?
Die für unsere spezifische Arbeit erforderlichen Qualifikationen sind schwer zu finden, hier sind wir zu einem großen Teil auf unsere eigenen Instrumente angewiesen. Voraussetzung ist eine systematische  Personalbedarfsplanung. Alle Eventualitäten sind hierbei nicht abzubilden, schon gar nicht in einer politischen Organisation.