Eine Stadtverwaltung wird gesünder

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Mit dem HR Excellence Award 2016 sind zahlreiche herausragende HR-Projekte ausgezeichnet worden. Sie wollen wir hier vorstellen. Dieses Mal ist es die IGM-Initiative der Landeshauptstadt Wiesbaden. Unsere Fragen dazu beantwortet Bernhard Langanki, Leiter des Personal- und Organisationsamtes der Stadtverwaltung.

Die Gesundheit ihrer Mitarbeiter sollte nicht nur Unternehmen, sondern auch öffentlichen Arbeitgebern am Herzen liegen. In der Stadtverwaltung der Landeshauptstadt Wiesbaden jedenfalls ist das so. Hier setzt man auf ein Integriertes Gesundheitsmanagement auf allen Ebenen. Die Initiative ist in der Kategorie „Betriebliches Gesundheitsmanagement (KMU)“ ausgezeichnet worden.

Können Sie kurz Ihr Projekt  beschreiben?
Wiesbaden ist eine „grüne Stadt“ im Herzen des Rhein-Main-Gebietes. Hier leben circa 280.000 Menschen – Tendenz steigend. Öffentliche Dienstleister für „die Wiesbadener“ sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Für diese Zielgruppe wurde das „Integrierte Gesundheitsmanagement“ (IGM) aufgebaut.

Ausgangspunkt für die Aktivitäten der Stadt ist der Gesundheitsbegriff der Weltgesundheitsorganisation WHO. Dieser sehr umfassende Ansatz fand Eingang in das Leitbild und die Führungsgrundsätze der Landeshauptstadt Wiesbaden (LHW) und definiert somit die übergeordneten Zielstellungen des Gesundheitsmanagements.

Hieraus resultiert ein langfristiger systematischer Prozess, der an einem Leitbild und klaren Zielen orientiert und auf der Basis einer Kennzahlensystematik durch die breit angelegte Projektgruppe ständig evaluiert und angepasst wird. Auf dieser Grundlage wird sowohl die Verhaltensprävention als auch die Verhältnisprävention nachhaltig aufgegriffen.

Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere daran?
Qualifizierte, motivierte, gesunde und zufriedene Beschäftigte sind in ökonomischer und sozialer Hinsicht eine wichtige Ressource für die Leistungsfähigkeit und somit für den Erfolg der Stadtverwaltung. Gerade vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung begreift die Landeshauptstadt Wiesbaden das IGM als ganzheitliche Aufgabe, auch um die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit der Arbeitgebermarke zu steigern.

Die Angebote des IGM beziehen (neben stark vergünstigten Fitness-Studio-Besuchen und kostenfreier Schwimmbadnutzung, umfassender Gesundheitsvorsorge und zahlreichen weiteren Präventionsmaßnahmen) auch die disziplinübergreifenden Themenfelder des Arbeitsschutzes, des Betrieblichen Eingliederungsmanagements, der Personalentwicklung, der Suchtprävention, der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, ein umfangreiches Demographie-Projekt sowie ein Konzept zur Konfliktvermeidung mit ein.


Die Ergebnisse der Führungskonferenz zum Thema „Führung und Gesundheit“ wurden auch bildlich dokumentiert. Foto: Stadt Wiesbaden

Vor dem Hintergrund, dass gerade die Führungskräfte eine hohe Verantwortung für die Zufriedenheit ihrer Beschäftigten tragen und durch ihren Führungsstil starken Einfluss auf die Motivation, das Engagement, das Wohlbefinden und die Gesundheit der Beschäftigten nehmen, wurde durch die politische Führung verbindlich vorgegeben, dass ein gesundheitsorientierter Führungsstil zu praktizieren ist. Wesentlicher Baustein ist in diesem Kontext ein umfassendes Führungskräfte­entwicklungs­programm, das Führungskräfte aller Ebenen einbezieht (kollegiale Beratung, Reflektion, Weiterbildung, Begleitung bei Veränderungsprozessen etc.) und ein besonderes Augenmerk auf die Ausbildung von Führungsnachwuchskräften legt.

Im Rahmen eines übergreifenden Prozesses wurden dazu 2016 unter Einbeziehung der Führungskräfte und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umfangreiche Konzepte und Maßnahmen entwickelt. Der Dialog mit den Beschäftigten hat dabei eine zentrale Rolle. Verfolgt wird ein gezieltes ganzheitliches Marketing zur Durchdringung der gesamten Belegschaft.

Worin hat sich vor allem der Erfolg des Projektes gezeigt?
In einer Großstadtverwaltung mit ihren vielschichtigen Aufgaben und komplexen Strukturen hat die LHW ein umfassendes und ganzheitliches innovatives IGM etabliert, das über die üblichen Maßnahmen der Verhaltens- und Verhältnisprävention hinaus geht und auch die “dicken Bretter” bohrt.

Befragungen und Reaktionen aus Politik und Verwaltung zeigen eine hohe Akzeptanz. Das IGM wurde auch bereits mehrfach ausgezeichnet.