Empfehlungen gegen den IT-Fachkräftemangel

Seit Jahren klagt die IT-Branche, dass es in Deutschland nicht genügend Fachkräfte gibt. Dabei ist das Bewerberpotenzial weit höher, als es den Anschein hat – wenn Unternehmen einige Spielregeln beachten.

1. IT-Unternehmen und -Abteilungen sollten mehr Zeit und Geld in den eigenen IT-Nachwuchs investieren. Obwohl der BITKOM-Branchenverband in den vergangenen Jahren einen leichten Zuwachs an IT-Ausbildungsverträgen registriert, bilden gerade die mittleren und kleinen Betriebe noch immer zu wenig junge Menschen in Bereichen wie Fach- und Systeminformatik, IT-Systemelektronik und in den kaufmännischen IT-Berufen aus.

2. Statt ausschließlich auf Hochschulabgänger zu setzen, sollten die Personalchefs verstärkt auch auf Absolventen von Berufsakademien zurückgreifen.

3. Für viele Arbeitgeber kommen nur Bewerber mit perfekten Leistungsprofilen in Frage. Sie nehmen lieber Vakanzen in Kauf, statt auch die Kandidaten zu berücksichtigen, die die geforderten Qualifikationen nur zum Teil mitbringen. Dabei wäre es ein Leichtes, noch fehlende Kompetenzen neuer Stelleninhaber mit eigenen Weiterbildungsprogrammen und „Training on the Job“ zu kompensieren.

4.  Personaler sind gut beraten, auch IT-Quereinsteiger in Betracht zu ziehen. Für eine Karriere in IT-Berufen muss nicht zwingend ein Informatik-Studium sein: Auch in Ingenieur- und naturwissenschaftlichen Fächern werden inzwischen wichtige IT-Inhalte vermittelt. Auch sollten die weitverbreiteten Vorbehalte gegenüber Kandidaten mit Lücken im Lebenslauf – zum Beispiel Studienabbrecher oder erfolglose Firmengründer – abgebaut werden. Im Gegensatz zu Deutschland werden in den USA Entrepreneure, auch wenn sie gescheitert sind, als besonders mutig angesehen.

5. Viele Arbeitgeber bevorzugen IT-Spezialisten mit hohem kreativem Potenzial – und ersticken dieses dann durch starre Hierarchien und Organisationsstrukturen. Wer dauernd bevormundet und allein am direkten finanziellen Nutzen gemessen wird, entwickelt bald schon keine zündende Ideen mehr. Also: Wer neue IT-Entwicklungen auf den Weg bringen oder vorantreiben soll, braucht genügend Spielraum für Experimente.

6. Noch immer ist die IT eine reine Männerdomäne – mit rund 14 Prozent ist der Frauenanteil unter den IT-Fachkräften in den Unternehmen definitiv zu niedrig. Das liegt zum einen daran, dass nur knapp 20 Prozent der IT-Studierenden an den Fachhochschulen und Universitäten in Deutschland weiblich sind, wie die Studie trendence Graduate Barometer 2013 – IT Edition belegt. Dieses Ungleichgewicht zeigt sich auch bei den IT-Ausbildungsberufen in den Unternehmen, wo der Frauenanteil bei rund 8 Prozent stagniert. Ebenso spärlich sind Frauen in IT-Führungspositionen vertreten. Unternehmen sollten daher streng darauf achten, bessere Arbeitsbedingungen für Frauen zu schaffen. Dazu gehören beispielsweise Unterstützung bei der Kinderbetreuung, aber auch Gleichheit bei der Bezahlung. Branchenriesen wie Google und IBM gehen mit gutem Beispiel voran und haben Gremien und Förderprogramme zur Frauenförderung und Umsetzung von Chancengleichheit gegründet.

7. Unternehmen, die auf der Suche nach IT-Fachkräften sind, sollten verstärkt auch Zuwanderer anwerben. So kommt eine OECD-Studie zu dem Ergebnis, dass Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern, wie Australien, Dänemark, Kanada und Großbritannien, generell zu wenig unternimmt, um ausländische Arbeitnehmer anzulocken. Dabei, so die OECD weiter, hätten die Unternehmen in Deutschland eigentlich sehr gute Voraussetzungen, um ausländische IT-Spezialisten zu gewinnen: Die bürokratischen Hürden sind bei uns niedriger als in anderen Ländern.

8. Obwohl die Geschäftswelt zunehmend global wird, bevorzugen die meisten IT-Unternehmen und -Abteilungen immer noch Deutsch als Projektsprache. Dies macht es IT-Fachkräften aus anderen Ländern schwer, wenn nicht gar unmöglich, an den Projekten teilzunehmen. Den Unternehmen gehen dadurch wertvolle Personalressourcen verloren. Zudem erschwert die Ausgrenzung ausländischer IT-Experten die Gründung und Weiterentwicklung von Start-ups.

9. Obwohl die Generation Y mit völlig neuen Ideen und Vorstellungen in die Arbeitswelt drängt, sind erst wenige Unternehmen darauf eingestellt. Nun sind die Manager gefordert, ihre verkrusteten Führungsmodelle zu überdenken und sich Ansätze zu überlegen, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen. Dazu gehört es, dass die Arbeitsatmosphäre im Team stimmt sowie die Führungskräfte ihre Mitarbeiter partnerschaftlich behandeln und regelmäßige Feedbacks und Wertschätzung vermitteln. Da viele „Genys“ nach konsequenter Work-Life-Balance streben, sollten verstärkt auch flexible Arbeitszeitmodelle und Teilzeitmöglichkeiten angeboten werden. Dazu gehören Technologien, damit sich die Mitarbeiter überall und jederzeit mit dem Unternehmensnetzwerk verbinden und mit Kollegen und Partnern effektiv zusammenarbeiten können, wie Cloud-Computing, mobile Anwendungen sowie Social-Media- und kollaborative Strategien.