Employer Branding: Mut zum Anderssein

Beim Employer Branding sollten Unternehmen sich trauen, anders zu sein und auch mal Ticks einzuräumen.
© gettyimages / LuismiCSS

Ticks zugeben statt in Hochglanzbroschüren lächeln: Kristen Herde erklärt, wie Unternehmen beim Employer Branding positiv aus der Masse hervorstechen.

1. Traut euch, anders zu sein: Hosen runter, bitte!

Verstärkte Investitionen in die Arbeitgebermarke liegen im Trend. Und so werden wir schon im Jahr 2020 zahlreiche Generalüberholungen von Karrierewebseiten, Stellenanzeigen und Rekrutierungs-Kampagnen sehen. Aber, machen wir uns nichts vor: Viele Akteure werden in den alten Mustern von lächelnden glücklichen Mitarbeitern verharren, die in Hochglanzbroschüren nicht müde werden zu schildern, wie sinnstiftend und wunderbar ihre Tätigkeit bei Unternehmen X ist. Das wird nicht reichen.

Unternehmen, die positiv aus der grauen Masse herausstechen wollen, werden nicht umhinkommen, wirklich bedeutsame Unterscheidungsmerkmale herauszuarbeiten und diese in verschiedenen Kanälen zu präsentieren. Daher wird der Research bei der Entwicklung einer Arbeitgebermarke noch wichtiger. Wir werden künftig noch viel tiefer nach den authentischen Geschichten graben müssen, die ein Unternehmen wirklich einzigartig machen.

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Das kann auch einmal Mut erfordern. Den Mut, zum Beispiel einmal ausgefallene Hobbies oder „Ticks“ einzelner Mitarbeiter herauszustellen bis hin zu „Ticks“, die charakteristisch für das gesamte Unternehmen sind. Das kann auch das Feld der Fehlerkultur beinhalten. Wie gesagt, dazu muss man gelegentlich auch einmal mutig sein. Aber es lohnt sich, denn auch so wird ein Unternehmen nach innen und außen auf glaubwürdige Art individuell, anders und einzigartig. Also, die Hosen runter, bitte!

2. Noch mehr Mut: Macht Employer Branding bunt und unterhaltsam!

Wir stehen im Employer Branding am Beginn einer neuen Ära. Wir werden zunehmend mehr Unternehmen mit erheblichen Anstrengungen sehen, im großen Einerlei des Marketing-Bullshit-Bingo zur Personalgewinnung auf ganz neuen Wegen Aufmerksamkeit zu erhaschen. Guerilla Marketing, Tiktok, virale Inhalte, der Einsatz von Influencern und prominenten Markenbotschaftern, witzige Youtube-Videos, Wettbewerber auch einmal humorvoll auf die Schippe zu nehmen, super coole Events und andere neue und frische Wege werden beschritten werden. Die Akteure werden die ausgetretenen Pfade der Hochglanzbroschüren verlassen und zunehmend Risiken eingehen, um mit authentischer Ansprache Aufmerksamkeit bei einer Generation zu erzielen, die bislang mit höchst banalen Recruiting-Botschaften überflutet wird. Hey Leute, Employer Branding wird bunt und unterhaltsam!

3. Wertet Employer Branding auf

Employer Branding wird eine Aufwertung erfahren. In zukunftsorientierten Unternehmen wird die Arbeitgebermarke einen höheren Stellenwert als ein Projekt oder eine Initiative haben und mehr sein als bloße Personalgewinnung. Employer Branding wird mehr und mehr zu einer strategischen, cross-funktionalen Disziplin, die jegliche Interaktion mit allen Mitarbeitern an allen Berührungspunkten über den gesamten Zeitraum vom potenziellen Kandidaten bis hin zum Ex-Mitarbeiter umfasst. Es geht also einerseits darum, dass Employer Branding-Maßnahmen nicht nur in der Phase der Rekrutierung und vielleicht noch des Onboardings relevant, sondern immer und zu jedem Zeitpunkt für Unternehmen erfolgskritisch sind.

Zusätzlich, und das ist vielleicht noch wichtiger, werden wir die Entwicklung sehen, dass Employer Branding aufgewertet wird. HR wird zwar die Keimzelle der Arbeitgebermarke bleiben, jedoch wird das Employer Branding künftig in progressiv denkenden Unternehmen auf Vorstandsebene aufgehängt sein. Das ist eine logische Folge der gewachsenen und weiter wachsenden Bedeutung der Arbeitgebermarke für den gesamten Unternehmenserfolg. HR sollte daher das Selbstbewusstsein haben, für diese Aufwertung des Employer Branding entschlossen einzutreten.