Ergonomie am Arbeitsplatz: So sitzen Sie richtig

11.04.2019  |  Jan-Frederik Kolthoff
(c) gettyimages / fizkes
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Langes Sitzen macht krank, doch mit einem ergonomisch eingestellten Arbeitsplatz lassen sich die Schäden minimieren. Jan Kolthoff von Move Up gibt Tipps.

Laut Studien der großen Krankenkassen sitzen wir im Schnitt in unserem Leben 80.000 Stunden im Büro. Das Resultat: Rückenleiden ist die Volkskrankheit Nummer 1 und hat sogar schon die „Grippe“ vor langer Zeit abgelöst. Kein Wunder also, dass die These „Sitzen ist das neue Rauchen“ aktuell in fast jedem Fachmagazin zu lesen ist. Forscher aus Großbritannien untermauern diese These nun mit erschreckenden Zahlen. Nach den Studien aus Großbritannien sitzen wir pro Tag knapp elf Stunden, also fast immer, wenn wir das Schlafen abziehen! Morgens vom Frühstückstisch direkt ins Auto und dann ab an den Schreibtisch. In der Mittagspause per Aufzug in die Kantine und nach dem Feierabend direkt wieder auf die Couch. Was daraus folgt, sind nicht nur Erkrankungen der Menschen am Bewegungsapparat, sondern auch volkswirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe. Bei den Arbeitnehmern gibt es jährlich rund 127 Millionen Fehltage, die allein auf Schädigungen am Muskel-Skelett-System zurückzuführen sind.

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Wenn sitzen, dann bitte richtig

Langes Sitzen ist nicht nur unbequem, sondern auch gefährlich. Die Studie der britischen Präventivmediziner zeigt: wer länger sitzt, stirbt früher. So erhöhte sich die Sterberate bei sechs Stunden Sitzen pro Tag schon um 20 Prozent und steigerte das Herzinfarkt-Risiko um 54 Prozent. Ebenfalls beunruhigend: Jede inaktive Stunde kostet rund 22 Minuten Lebenszeit. Wenn wir also täglich übermäßig viel sitzen, dann bitte „richtig“ und „rückengerecht“. Ergonomische Sitzeinstellungen und Hilfsmittel können die Belastung auf die Wirbelsäule und umliegenden Bereiche um 30 Prozent reduzieren. Mit unserem Basic-5-Ergonomie Tipp können Sie mit einfachen Mitteln ihren Arbeitsplatz richtig „einstellen“.

Ergonomie am Arbeitsplatz: Darauf sollten Sie achten:

(c) Move Up / Shutterstock.com
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Darum macht langes Sitzen krank

Der menschliche Körper ist nicht fürs Sitzen gemacht. Unsere Vorfahren, die Steinzeitmenschen, waren den ganzen Tag auf den Beinen und sind im Durschnitt 40 Kilometer pro Tag gelaufen! Unser Körper hat sich seitdem nicht wesentlich verändert – unsere Lebensweise schon, so laufen wir im Durschnitt nur noch 400 Meter täglich – das ist genau ein Prozent (!) des Pensums, das unsere Vorfahren absolviert haben.

Der Schlüssel zur Gesundheit liegt also in der Bewegung. Denn durch die Bewegung trainieren wir unsere Muskulatur, mobilisieren die Gelenke, bringen den Kreislauf in Schwung und versorgen das Gehirn mit Sauerstoff. Die Folge ist ein „natürliches Doping“ im Büro durch ein gesteigertes Wohlbefinden und eine optimierte Leistungsfähigkeit. Wissenschaftler des Health Science Centers in Texas haben herausgefunden, dass wir durch Bewegung im Alltag unsere Produktivität um 46 Prozent steigern können und das Risiko eine Krankheit am Bewegungsapparat zu bekommen, um über 75 Prozent reduzieren können. Also: Jede Bewegung zählt.

Höhenverstellbare Tische: Ist Stehen gesünder als Sitzen?

Einseitiges Stehen ist genau wie übermäßiges Sitzen ungesund. Insbesondere beim langen und falschen Stehen werden die Füße, Beine und Strukturen innerhalb der Beinachse stark eindimensional belastet. Krampfadern, Rückenleiden, Krämpfe, Verspannungen und Kopfschmerzen können kurzfristige Folgen davon sein. Die Empfehlung führender Arbeitsmediziner lautet daher, eine „Sitz-Steh-Dynamik“ zu nutzen. Abwechslungsreiche, dynamische Haltungsmuster wirken auf die Muskulatur wie eine Art Training. Durch die wechselnden Positionen zwischen Stand und Sitzhaltung werden differenzierte Muskelgruppen angesprochen und die Gelenke und Gewebsstrukturen in allen Ebenen gefordert. Eine „Sitz-Steh-Dynamik“ am Arbeitsplatz unterstützt die Reduktion von Rückenschmerzen und Verspannungen und fördert die Konzentrationsfähigkeit durch vermehrten Blutfluss und Sauerstoffaufnahme.

3 Symptome, an denen Sie merken, dass Ihr Arbeitsplatz falsch eingestellt ist

Innerhalb einer Arbeitsplatzbegehung und Ergonomieschulungen zeigt sich, dass jeder dritte Arbeitsplatz falsch eingestellt ist. An diesen drei Symptomen erkennen Sie, ob Ihr Schreibtisch „falsch“ eingestellt ist:

1. Trockene Augen und Kopfschmerzen

Erhöhen Sie den Sichtabstand zum Bildschirm und achten Sie auf die Lichtstärke (Raum, PC) sowie auf den Lichteinfall (Sitzposition parallel zum Fenster). Bewegen Sie sich, um die Verspannungen zu lösen – sie sind häufig Auslöser von Kopfschmerzen.

2. Schmerzen im Hand- und Ellenbogengelenk

Schonung ist angesagt. Ungewohnt, aber sinnvoll – die Maus mit der anderen Hand bedienen. Vermeiden Sie kalte Auflageflächen. Sie können Entzündungen fördern.

3. Verspannungen der Nackenregion

Die Beweglichkeit im Halswirbelbereich ist eingeschränkt. Abhilfe schaffen Lockerungsübungen und Wärme.

Ergonomiebegehungen und Check-ups am Arbeitsplatz

Im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung sind Ergonomie-Begehungen und Arbeitsplatz-Check-ups mitunter die wichtigsten Maßnahmen. Nahezu alle Krankenkassen fördern ergonomische Begehungen und Ergonomie-Einstellungen durch Gesundheitsexperten.

Buchen Sie beispielsweise einen mobilen Physiotherapeuten oder Arbeitsmediziner für eine ergonomische Begehung, Ergonomieberatung oder eine Arbeitsplatzanalyse. Auf Grundlage des Check-ups stellen Gesundheitsexperten die Arbeitsplätze Ihrer Mitarbeiter ein und geben individuelle Tipps und Ratschläge für einen gesunden Alltag. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, Gesundheitsexperten und Speaker für Vorträge oder Workshops zum Thema „Richtig Sitzen“ oder „Sitzen ist das neue Rauchen“ an Gesundheitstagen oder als Team Incentive zu buchen.