„Es gibt ein Informationsdefizit“

Kleineren Unternehmen mangelt es oft an Zeit und Ressourcen, um sich ausreichend mit Gesundheitsmanagement zu befassen. Dabei ist das Thema für sie besonders wichtig. Das meint Sascha Bilen, Gründer und Geschäftsführer von HausMed Corporate Solutions HCS, einem Dienstleister für unternehmensspezifische und onlinebasierte Gesundheitsportale. 

Herr Bilen, warum tun sich kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) beim Thema Gesundheitsmanagement schwerer als große?
Es ist vor allem eine Ressourcenfrage. Denn ein großes Unternehmen hat viel größere Ressourcen als ein kleineres. Da ist es kein Problem, jemanden zu bestimmen, der nur für betriebliches Gesundheitsmanagement zuständig ist und ihm ein Budget von 50.000 Euro oder mehr dafür zu geben.
Außerdem gibt es ein totales Informationsdefizit. Kleinere Unternehmen haben oft gar keine Zeit, sich umfassend zu informieren und daraufhin zu entscheiden, welche Maßnahmen sie überhaupt machen sollen. Und sie stehen auch nicht im Fokus von Dienstleistern.
Dabei ist die Relevanz des Gesundheitsmanagements für KMUs genauso groß wie für größere Unternehmen. Zum einen für die Mitarbeiterbindung: Kleine Unternehmen sind für potenzielle Mitarbeiter viel weniger attraktiv als große. Deswegen ist für diese Firmen die Chance, sich über Gesundheitsmanagement entsprechend attraktiver zu machen, total wichtig. Zum anderen: Stellen Sie sich vor, es gibt in einem kleinen Unternehmen einen Burnout-Fall, beispielsweise fällt die Kundenbetreuerin  aus, aber es gibt nur die eine. Das ist ein richtiges Problem.

Wo sollten kleinere Unternehmen daher ansetzen bei ihrem Gesundheitsmanagement?
Für mich ist immer die Analyse der Startpunkt. Ich halte es für einen totalen Fehler zu sagen, wir legen jetzt einfach mal los und machen irgendwas. Sondern man sollte als erstes schauen, wie man Informationen zu seinem Unternehmen bekommen kann. Da gibt es verschiedene Wege: Man kann die Krankenkasse ansprechen, die im Unternehmen besonders stark vertreten ist, und bitten, einen Ausfallzeitenreport zu erstellen. Oder man guckt sich die Altersverteilung in der Firma an, greift auf Mitarbeiterbefragungen, die schon existieren, zurück oder schaut sich die Neigungen und Bedürfnisse der Mitarbeiter genauer an. Mit anderen Worten: In diesem Analysepart sollte man ein Gefühl für die Relevanz des Gesundheitsmanagements bekommen und dafür, in was für einem Unternehmen man arbeitet. Dann kann man sich dazu passende Maßnahmen überlegen.

Und müssen diese Maßnahmen immer in eine ganze Gesundheitsmanagement-Strategie eingebettet sein?
Nein. Mein Rat wäre, gerade wenn man wenige Ressourcen hat, sich zu fokussieren und sich Maßnahmen zu suchen, die gut durchführbar sind, die zum Unternehmen passen und die man irgendwie messen kann. Das kann zum Beispiel Betriebssport sein oder, wenn es viele Raucher gibt, ein Programm zur Rauchentwöhnung.

Gibt es denn nicht eine Maßnahme, von der man sagen kann, die passt immer?
Es gibt nicht die Maßnahme, die immer passt. Es gibt viele Maßnahmen, die gut passen können. Es kommt aufs Unternehmen an: Ist es zentral oder dezentral strukturiert, sind es gewerbliche oder kaufmännische Tätigkeiten, sind die Mitarbeiter eher älter oder jünger, sportlich oder weniger sportlich.

Sie sind Anbieter von onlinebasierten Gesundheitsportalen. Welche Vorteile hat dieses Konzept, insbesondere für KMUs?
Die generellen Vorteile des Konzepts gelten auch für KMUs. Das ist zum Beispiel, dass man die Mitarbeiter damit besser erreicht. Das gilt besonders für Außendienstler, Servicemitarbeiter, Mitarbeiter im Schichtdienst oder auch Mitarbeiter, die anonym bleiben wollen. Außerdem haben onlinebasierte Angebote die Möglichkeit, dass man sie von zuhause, von der Arbeit oder von unterwegs jederzeit mit einem Klick abrufen kann. Dadurch hat man höhere Teilnahmequoten als bei Präsenzangeboten. Ein weiterer Vorteil ist, dass es in der Einführung und im täglichen Umgang relativ leicht zu managen ist.
Für kleine Unternehmen kann so ein Gesundheitsportal vollkommen ausreichend sein. Für andere, die schon was machen, ist das dann eher eine Ergänzung.