EU-Banken wollen Bonusobergrenzen erhöhen

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Für EU-Banker ist die Höhe ihrer Bonuszahlungen begrenzt, es sei denn die Hauptversammlung ist für eine Erhöhung. Bis maximal 200 Prozent des Fixgehaltes sind möglich. Das Gros der Banken will diesen Weg gehen.

100 Prozent mehr Gehalt klingt eigentlich nach sehr viel Geld. Auf diese Höhe, ausgehend vom Fixgehalt, begrenzt die europäische Capital Requirements Directive (CRD) IV die Bonuszahlungen an Mitarbeiter von in der EU ansässigen Banken. Das Ende der Fahnenstange ist damit aber noch nicht erreicht, denn bis 200 Prozent des Fixgehaltes sind möglich. Voraussetzung ist allerdings, dass die Hauptversammlung beziehungsweise der Mutterkonzern dem zustimmt. Wohl als Ausnahmefall gedacht scheint es genau das zu sein, auf das europäische Banken setzen, um ihren Managern den Arbeitsplatz schmackhaft zu machen.

Ganze 70 Prozent der Geldhäuser in der EU wollen ihre Bonusobergrenzen auf 200 Prozent des Fixgehaltes anheben, wie eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Mercer zeigt. Darüber hinaus planen 63 Prozent eine generelle Erhöhung des Grundgehaltes. Außerhalb der EU-Grenzen sind es nur 13 Prozent der Banken.

55 Prozent der Banken planen eine Erhöhung des Grundgehaltes beziehungsweise der Zulagen für die von der CRD IV-Richtlinie betroffenen Mitarbeiter, um so die Bonusobergrenze zu kompensieren. Derartige Zulagen dürfen aber nicht an die Leistung der Mitarbeiter gebunden sein.

Für die Verfasser der Studie ist das ein Problem, da die Richtlinie ihrer Ansicht nach die Fortschritte zunichtemachen könnte, die die europäischen Banken in der Verknüpfung von Vergütungssystemen und Unternehmensperformance erzielt hätten. Eine Deckelung der Boni bei gleichzeitiger Erhöhung der Fixgehälter würde das Ziel von CRD IV ins Gegenteil verkehren. „Anstatt die Risikobereitschaft der Mitarbeiter beispielsweise durch einen Aufschub der Bonuszahlungen zu limitieren, werden die Möglichkeiten, Gehalt zurückzubehalten und die Vergütung an die mit der Tätigkeit verbundenen Risiken anzupassen, stark eingeschränkt“, so Mercer.

Die Geldhäuser versuchen laut Studie jedoch weiterhin die Verbindung von Vergütung und Performance aufrechtzuerhalten, beispielsweise über Malus- und Clawback-Regelungen. Malus-Regelungen, bei denen im Nachhinein aufgeschobene variable Vergütungsanteile verringert oder ganz einbehalten werden können, wurden 2012 von 82 Prozent der europäischen Banken angewendet. In den USA waren es im gleichen Zeitraum nur 25 Prozent der Geldhäuser. Clawbacks sind Rückforderungen bereits ausgezahlter Boni. Konkrete Zahlen hierzu nennt die Studie an dieser Stelle nicht.

Für den Mercer Global Financial Services Executive Compensation Snapshot Survey wurden 78 Organisationen aus der Finanzwirtschaft analysiert, darunter auch 44 Banken in 18 Ländern.